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| 09:32 Uhr

Mobil auf dem Land
Rufbus auf dem Prüfstand

Für die Modellregion Bautzen und Görlitz wollen die Landkreise herausfinden, wie die Mobilität im ländlichen Raum verbessert werden kann. Die Bürger wurden zur Diskussion eingeladen. Die Themenschwerpunkte waren neben dem Liniennetz der Radverkehr und Alternative Mobilität.
Für die Modellregion Bautzen und Görlitz wollen die Landkreise herausfinden, wie die Mobilität im ländlichen Raum verbessert werden kann. Die Bürger wurden zur Diskussion eingeladen. Die Themenschwerpunkte waren neben dem Liniennetz der Radverkehr und Alternative Mobilität. FOTO: Anja Hummel / LR
Region. Die Mobilität auf dem Land soll besser werden. Das Hauptproblem sind die Busfahrzeiten.  Von Anja Hummel

Es wurde diskutiert was, das Zeug hält. Über unstimmige Buspläne, schlechte Radwege, fehlende Alternativen. Über Sorgen und Wünsche, Probleme und mögliche Lösungen. Auf vier Veranstaltungen in Lohsa, Laubusch, Rietschen und Seifhennersdorf kamen in den vergangenen Wochen Bürger und Planer zusammen, um der Antwort auf eine Frage näher zu kommen: Wie kann die Mobilität im ländlichen Raum verbessert werden?

Die Bürgerdiskussionen für das Pilotprojekt, hinter dem die Landkreise Bautzen und Görlitz stecken, sind nun abgeschlossen. Zeit für ein erstes Resümee. „Eine Hauptschwachstelle ist ohne Frage der flächendeckende öffentliche Nahverkehr“, sagt Christoph Gipp, der als Geschäftsführer eines Berliner Beratungsinstitutes im Bereich Mobilität für das Management des Projektes verantwortlich ist. Damit gemeint ist: Abseits größerer Orte ist das Angebot mangelhaft. „Wir haben viele Gruppen, die über kein eigenes Auto mehr verfügen und auf Alternativen angewiesen sind“, so Gipp. In den „Abseitsbereichen“ verkehren aber hauptsächlich nur Schülerbusse. Das Signal der Bürger: Diese Busfahrzeiten schränken bei Einkauf, Arztbesuch und Co. ein. „Daran muss stark gearbeitet werden“, resümiert der Mobilitätsexperte. „Eine Möglichkeit wäre es, Sammeltaxen oder Rufbusse auf den Dörfern zu installieren.“ In Hoyerswerda existiert solch ein Anruf-Sammeltaxi bereits. Das Problem auf dem Land: „Für solche Alternativen ist eine sehr starke Initiative von Gemeinden und Ehrenamtlern gefragt“, haben Gipp und seine Kollegen von bereits funktionierenden Modellen gelernt. So gebe es im badischen Seckach, Partnergemeinde der Stadt Reichenbach im Landkreis Görlitz, bereits einen gut funktionierenden Bürgerfahrservice. Dort organisieren Ehrenamtler Fahrten für ihre Mitbürger. Inwiefeas so etwas auch für Lohsa und Lauta umzusetzen ist, wird nun von den Mobilitätsexperten geprüft. „Das kann sicherlich ein Zusatzbaustein sein, aufbauend auf verbesserte Fahrpläne“, so Gipp. Der 41-Jährige hat noch ein weiteres konkretes Problem der Bürger aufgenommen: Die Verknüpfung von Fahrrad und Nahverkehr ist derzeit alles andere als optimal. „Vielmals fehlen an Bushaltestellen oder Bahnhöfen noch geeignete Abstellmöglichkeiten. Die Infrastruktur muss verbessert werden“, sagt Christoph Gipp. Von den Bürgern hat er nun konkrete Fälle auf seinem Schreibtisch liegen. „Solche Maßnahmen sind schnell realisierbar“, fügt er hinzu.

In Lohsa beispielsweise wurde ein neuer Haltepunkt angelegt. Der wird in Betrieb gehen, sobald die Bahnstrecke Hoyerswerda – Görlitz fertig ist. „Der Haltepunkt muss vor allem auch für Radfahrer vernünftig an die Orte angebunden werden“, so Gipp, der sich über eine rege Teilnahme und den Ideenreichtum der Bürger freute. Unter ihnen waren nicht nur Senioren vertreten, sondern auch die jüngere Generation. So waren Schüler vor Ort, die sich mehr Flexibilität wünschen. „Nicht während der Schulzeit, sondern am Nachmittag, um Freizeitmöglichkeiten wahrnehmen zu können und trotzdem noch nach Hause zu kommen“, erklärt Gipp. Eine Meinung, die viel Wert ist, „denn schließlich ist das Politprojekt für alle, wir müssen auch an den Nachwuchs denken.“

Und wie geht es nun weiter? „Wir haben die konkreten Probleme in der Region aufgenommen und wollen mit einfachen Maßnahmen die Erreichbarkeit stark verbessern“, versichert der Fachmann. Priorität Nummer eins soll die Verknüpfung der Verkehrsmittel haben. „Und die beginnt beim Fahrrad“, so Gipp. Zufahrtswege, sichere Abstellmöglichkeiten und barrierefreie Haltepunkte seien schnell realisierbar. „Die Anpassung der Busfahrpläne ist allerdings nicht im Rahmen des Projektes beinhaltet, allerdings stimmen wir uns mit den Verkehrsbetrieben ab“, sagt Gipp.

Mit der Umsetzung erster Maßnahmen können die Bürger ab Anfang des Jahres rechnen. Das neue Mobilitätskonzept wird derzeit erarbeitet. Sobald es vorliegt, erklärt Christoph Gipp, entscheiden die Landkreise darüber, welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden.

Christoph Gipp, Geschäftsführer am IGES Institut (und Bereichsleiter Mobilität). Foto: IGES/Die Hoffotografen GmbH Berlin
Christoph Gipp, Geschäftsführer am IGES Institut (und Bereichsleiter Mobilität). Foto: IGES/Die Hoffotografen GmbH Berlin FOTO: IGES/Die Hoffotografen GmbH Berl / IGES