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| 16:35 Uhr

Unternehmerstammtisch
Rückkehrer locken, Schüler einladen

Lauta. Wie Unternehmer Fachkräfte gewinnen können, diskutieren Firmenchefs und Netzwerkexperten in Lauta. Von Anja Guhlan

Die Unternehmer scheinen sich einig zu sein: Familie und Beruf müssen miteinander im Einklang stehen. Das ist es, was die Fachkräfte wollen. Aber: Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie Chefs und Experten bei einem Unternehmerstammtisch in Lauta feststellten.

Außer Frage steht: Der Region fehlen Fachkräfte. Der Grund: In den Jahren 1989 und 1990 erlebten die ostdeutschen Länder einen spürbaren Verlust. Von 1990 bis 2012 verringerte sich die ostdeutsche Bevölkerung allein durch die Ost-West-Wanderung um rund zwei Millionen Menschen. Die Folge: Eine starke Überalterung der Gesellschaft in einigen ländlichen Gegenden und wenig Chancen für die Jugend. Viele Unternehmer beklagen, wie schwierig es inzwischen geworden sei, Fachkräfte zu finden und zu binden. Inzwischen nehmen Regionen gemeinsam mit den Unternehmern den lange unterschätzten demografischen Wandel ernst und versuchen Fachkräfte zurückzugewinnen.

Deshalb hat Lautas Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) diese Thematik auch mit auf die Tagesordnung des jüngsten Unternehmerstammtisches gesetzt. Elf Unternehmer tauschten sich gegenseitig aus, mit welchen Methoden sie bisher Fachkräfte versuchen zu gewinnen. Viele Firmenchefs setzen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Arbeitnehmer würden heute mehr an das eigene Wohlbefinden denken. Doch oft fehle bei Bewerbern das nötige Know-how oder auch die sozialen Werte, berichten Unternehmer.

Kerstin Zimmermann und Petra Alte vom Jobcenter in Hoyerswerda, die unter anderem Arbeitslose unter 25 in der Region betreuen, appellieren an Unternehmer, auch dieser Zielgruppe eine Chance zu geben. Zum einen könnten Praktikas oder eine sogenannte Einstiegsqualifizierung für das nötige Kennenlernen und Einarbeiten förderlich sein. „Bei der Einstiegsqualifizierung arbeiten Ausgewählte ein Jahr oder sechs Monate lang in einem Arbeitsverhältnis bei dem Unternehmen, wo gegenseitiges Erproben im Vordergrund steht. Möglichst soll die Einstiegsqualifizierung in einem Ausbildunsgvertrag münden“, berichtet Zimmermann. Auch gäbe es die Möglichkeit einer so genannten Assistierenden Ausbildung, wo zusätzlich ein Bildungsträger dem Ausbildenden fehlende Know-Hows beibringen kann.

Reno Rössel von dem Fachkräftenetzwerk Oberlausitz appelliert indessen verstärkt auch auf Rückkehrer zu setzen. „Neun von zehn Fachkräften wollen inzwischen zurück in die Heimat kehren. Vier tun es. Doch die Tendenz ist steigend“, berichtet Rössel. Zahlreiche Initiativen wie die Kampagne „Heimat für Fachkräfte“, Fachkräftebörsen wie „wieder  da“, Jobportale wie „Jobs Oberlausitz“ oder Agenturen wie „Come Back Elbe-Elster“ vermitteln inzwischen zwischen Rückkehren und Unternehmen. Einige begleiten auch den Prozess des Rückkehrens wie die „Servicestelle Heimat“ des Fachkräftenetzwerkes.

„Werden Sie als Unternehmer aktiv und vor allem sichtbar. Schenken Sie auch jeder Bewerbung höchstes Interesse“, fordert Rössel.

Er weist auch darauf hin, dass Auszubildende oder Fachkräfte von heute nicht mehr diejenigen von gestern sind. „Das können sie auch nicht. Denn alle haben sich dem Wandel der Zeit angepasst“, meint er. Unternehmer sollten unter anderem auch frühzeitig den Blick auf die Fachkräftegewinnung legen.

„Heutzutage werden schon frühzeitig in der Schule die Grundsteine für das spätere Berufsleben gelegt. Setzen sie unter anderem auch schon dort an“, rät Rössel. Projekte wie „Komm auf Tour“ entdecken bereits mit Schülern  der siebenten oder achten Klassen ihre  Stärken. Oder auch „Schau rein“ als Initiative zur Berufsorientierung setzen bereits bei Schülern an.

„Umso mehr positive Erfahrungen und Erkenntnisse ein Schüler in der Heimat sammelt, umso stärker wird er gebunden und bleibt. Bei Rückkehren, die als Jugendliche positive Erinnerungen an die Heimat haben, kommen auch eher zurück“, berichtet Rössel.