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| 01:09 Uhr

Rückkehr in neuer Rolle

Hoyerswerda.. Natascha ist 19. Ein Alter, in dem Popmusik, schicke Klamotten und natürlich auch die eigene Zukunft wichtig sind. Doch der freundlichen Studentin aus Buda Koscheljowo ist noch etwas anderes von Bedeutung: Sie engagiert sich schon in jungen Jahren in ihrer Heimatstadt im Verein für die Kinder von Tschernobyl. Vor zwei Wochen ist sie als Betreuerin von 15 Kindern, die der Lautaer Tschernobyl-Verein eingeladen hat, mit nach Hoyerswerda gekommen. Das gemeinnützige Anliegen dieser Arbeit ist ihr ans Herz gewachsen. Aus gutem Grund – denn vor zehn Jahren war sie selbst ein Tschernobylkind. Von Catrin Würz

Natascha Jurtschenko kam 1993 zum ersten Mal nach Deutschland, zusammen mit Hunderten anderen Kindern, denen vier Wochen lang unverseuchte Luft, gesunde und ausgewogene Ernährung und eine erlebnisreiche Zeit das Immunsystem stärken sollte. Sechs Jahre zuvor war bei dem Reaktorunglück in Tschernobyl Radioaktivität ausgetreten und mit einer Wolke direkt nach Weißrussland gesegelt, hatte dort die Erde, die Pflanzen und die Luft verseucht. Die Kinder nur für vier Wochen aus dieser bis heute wirkenden Strahlenbelastung herauszuholen - war und ist der Anspruch der bundesweit agierenden Hilfsverbände für die Kinder von Tschernobyl. „Ich war damals so beeindruckt von allem hier“ , erinnert sich die Studentin heute. Noch dreimal war sie in den Folgejahren von Familien in Schleswig-Holstein eingeladen worden - zum letzten Mal 1998.
Dann kam die Berufswahl: Natascha entschied sich, Deutschlehrerin zu werden. „Dass ich Deutschland schon kannte, spielte da sicher eine Rolle“ , sagt sie. Und als sie 18 war, trat sie dann sofort in die in ihrer Heimat agierende Hilfsorganisation ein. Eine Engagement nicht nur aus Dankbarkeit, sondern aus Überzeugung.
Die Verantwortung für die acht- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen zu übernehmen, ist nicht ganz einfach. Der jungen Frau steht da zum Glück die zweite Betreuerin Galina zur Seite. Galina war schon ein paar Mal in Hoyerswerda, sie kennt sich aus.
Und da sind ja auch noch die netten Frauen vom Lautaer Verein. Petra Hanske und Swetlana Kosslow arbeiten als ABM-Kraft für den Tschernobyl-Verein, unternehmen mit den Kindern Ausflüge, Wanderungen, Besichtigungen. Ehrenamtlich sind die Vereinsmitglieder Gerswit Abt und Meike Klammer noch dabei. Ihr organisatorisches Geschick - in zwölf Jahren der Vereinsarbeit gewachsen - öffnet den Kindern viele Tore. Ob Lausitzbad oder Kraftwerksbesichtigung - die Kinder aus den verarmten Dörfern rund um Buda Koscheljowo erleben hier für sie bis dato Unvorstellbares.
Dass die Hoyerswerdaer Gasteltern eine besondere Herzlichkeit für die Kinder aus Weißrussland haben, hat Natascha auch am eigenen Leibe erfahren. Ihre eigene Gastfamilie - Christa und Joachim Jorsch in Hoyerswerda - überschüttet sie mit Aufmerksamkeiten. „Und jedes Wochenende unternehmen wir wunderschöne Ausflüge“ , sprudelt die 19-Jährige heraus. Die Wanderung und Felsenkraxelei in der Sächsischen Schweiz hat sie dabei am meisten beeindruckt. „Das und die herzliche Atmosphäre hier werde ich nicht so schnell vergessen.“

Zum Thema Gasteltern gesucht
 Der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ empfängt in diesem Jahr noch in zwei weiteren Durchgängen Gastkinder aus Buda Koscheljowo
- vom 7. Juli bis 31. Juli und
- vom 4. August bis 28. August.
Nur für den letzten Durchgang werden noch Gasteltern gesucht. Ansprechpartner sind Elke Förster (035722/ 3 09 19) und Ralf Zeidler (03571/ 41 08 53). Die Tagesbetreuung der Kinder erfolgt zentral.