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| 15:28 Uhr

WM-Umfrage
Rollt der Fußball auch ins Büro?

Die Beine vor dem Fernseher hochlegen, mitfiebern und genießen: Aber nicht jeder Fußballfan kann die WM-Spiele, die in Russland am Nachmittag stattfinden, bequem zu Hause verfolgen.
Die Beine vor dem Fernseher hochlegen, mitfiebern und genießen: Aber nicht jeder Fußballfan kann die WM-Spiele, die in Russland am Nachmittag stattfinden, bequem zu Hause verfolgen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Heute beginnt in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft. Viele Spiele werden zur Kernarbeitszeit angepfiffen. Arbeiten und Fußball schauen, geht das? Von Rainer Könen

Für eingefleischte deutsche Fußball-Fans beginnen nun wieder die Festwochen. Denn am heutigen Donnerstag wird in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 eröffnet. Vier Wochen lang rollt der Ball, natürlich auch im TV. Das Problem ist jedoch: Viele der Spiele werden schon in der Kern­arbeitszeit angepfiffen. Da dürften sich auch manche Fußball-Freunde in Hoyerswerda und Umgebung fragen, wie sie Fußball-WM und Arbeit unter einen Hut bekommen.
Die RUNDSCHAU hörte sich dazu  in einigen der hiesigen Unternehmen und Verwaltungen um. „Wir stehen natürlich diesem Ereignis offen gegenüber“, sagt Steffen Grigas, der Geschäftsführer der Hoy­erswerdaer Versorgungsbetriebe. Bisher sei aber niemand der Beschäftigten mit der Frage an ihn herangetreten, ob man während der Arbeitszeit die Spiele verfolgen könne. Und überhaupt: Einen Fernseher gebe es in der Verwaltung nicht, so Grigas weiter. Aber da „unsere normale Arbeitszeit gegen 15 Uhr endet“, könne so mancher auch die Gleitzeit in Anspruch nehmen und früher nach Hause gehen, um sich ein Fußballspiel anzusehen.
In der nur aus drei Mitarbeitern bestehenden Laubuscher Wohnungsgenossenschaft interessiere sich, so Vorstandsvorsitzende Kerstin Sauer, für die Fußball-WM wohl nur der Hausmeister. „Wenn der nachmittags ein Spiel sehen will, kann er das ohne Probleme“, so Sauer weiter. Schließlich habe er ja oft genug an Wochenenden Dienst.

Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch gibt zu, dass er mit diesem Ansinnen, während der Arbeitszeit Fußball zu schauen, „gar nichts anfangen“ kann. Und was sei, wenn Formel-1-Rennsportfans, die es sicher auch unter den Verwaltungsmitarbeitern gebe, einen WM-Lauf von Vettel & Co. während der Arbeitszeit gucken wollten? Nein, nein. Wer sich die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft anschauen wolle, könne das gerne zu Hause tun, so Bürgermeister Posch. Und gegebenenfalls könne man auch die Gleitzeit in Anspruch nehmen.

Für Lausitzcenter-Manager Dieter Henke ist die Sache hingegen ziemlich klar: „Von mir aus können die Mitarbeiter während der Arbeitszeit die Spiele verfolgen. Hauptsache ist aber, dass sie ihre Arbeit erledigen.“

Lebensräume-Vorstandsvorsitzender Axel Fietzek gibt zu, dass er eigentlich ein Fußball-Muffel sei. Aber natürlich werde er in den nächsten Wochen immer mal mit einem Auge auf die deutsche Nationalmannschaft schauen. Man habe in den Kunden-Wartezonen des Verwaltungsgebäudes Fernseher, da könne man sich, „wenn interessante Spiele anstehen“, diese sicher anschauen. Fietzek: „Wir sind bei diesem Thema auf jeden Fall flexibel“.

Hoyerswerdas Zoodirektor Eu­gène Bruins ist Niederländer und betrachtet diese Fußball-WM mit etwas gemischten Gefühlen. Was daran liegt, dass sich die Auswahl seines Heimatlandes nicht für diese Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. „Das tut immer noch ein wenig weh“, sagt er. Hat das tierpflegende Personal die Gelegenheit während der Arbeitszeit Fußball-TV zu schauen? „Wir haben hier Tiere, die müssen, ganz unabhängig von irgendwelchen sportlichen Großereignissen, täglich gefüttert werden“, erklärt er. Mit anderen Worten: Das Leben geht im Zoo weiter, egal ob da gerade eine aufregende Partie im TV übertragen wird.

Und überhaupt: Spannend wäre es doch, so Bruins weiter, wenn seine Landsleute dabei wären, um wenigstens einmal Weltmeister zu werden. Für die deutsche Nationalmannschaft hingegen, sagt er grinsend, sei es fast schon „das Normalste auf der Welt, wieder einen Weltmeistertitel zu holen“.

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matroschka 4c FOTO: fotolia / mspoint