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| 16:15 Uhr

Sächsischer Literaturpreis
Róža Domašcyna in Hoyerswerda geehrt

Róža Domašcyna und Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst.
Róža Domašcyna und Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Als junge Frau arbeitete die heutige Dichterin und Autorin als Sekretärin im Braunkohlewerk Knappenrode. Von Katrin Demczenko

Die Dichterin und Übersetzerin Róža Domašcyna hat in Hoyerswerda den Sächsischen Literaturpreis 2018 von Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, erhalten. Die Politikerin würdigte, dass die Autorin mit ihrer zum Nachdenken anregenden sorbischen und deutschen Lyrik und Prosa Brücken zwischen diesen Welten baut.

Den Ausgangspunkt für diesen Weg bildeten Róža Domašcynas Kindheit und Jugend in Zerna bei Kamenz, die vom ständigen Wechsel zwischen ihrer sorbischen Muttersprache und der deutschen Umgangsprache geprägt waren. Das schrieb der 90-jährige Schriftsteller Gerhard Wolf in seiner Laudatio geschrieben, die das Mitglied der Preisvergabejury Dr. Tomas Gärtner im Saal Visavis vor Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora und anderen Vertretern aus Politik, Wirtschaft sowie Kultur verlesen hat. Gerhard Wolf hatte 1991 „Zaungucker“ als erstes deutschsprachiges Buch von Róža Domašcyna verlegt und vermerkte, dass für sie „die Lausitz ein Zwieland“ ist. Das betrifft die beiden Sprachen und Kulturen sowie die Veränderung der Heidelandschaft durch den Aufschluss von Tagebauen.

Als Jugendliche schrieb Róža Domašcyna erste Gedichte in ihrer Muttersprache. Nach dem Schulabschluss arbeitete sie für sorbische Zeitungen. Doch ihr heimlicher Wunsch, Autorin zu werden, sollte sich erst später erfüllen. Zuerst wechselte die junge Frau als Sekretärin ins Braunkohlewerk (BKW) Knappenrode und bekam über den Betrieb 1975 mit ihrer Familie eine Neubauwohnung im Wohnkomplex III E. „Ich war glücklich über die schöne Wohnung mit Balkon“, erzählt Róža Domašcyna.
In ihrem Hauseingang lebten damals viele Familien mit Kindern und es herrschte ein angenehmes Miteinander. Manchmal wurde auch zusammen gefeiert. Im Sorbenaktiv des BKW organisierte sie mit anderen kleine Ausstellungen, um die Kultur ihres Volkes im Gedächtnis der Menschen zu halten. Von 1979 bis 1984 studierte Róža Domašcyna Ingenieurökonomie des Bergbaus an der damaligen Außenstelle Laubusch der Ingenieurschule Senftenberg.

Sie erlebte die Zerstörung der Lausitzer Landschaft durch Braunkohletagebaue mit und entschied deshalb, nach Bautzen zu ziehen und für die sorbische Tageszeitung Nova doba zu schreiben. 1985 bekam Róža Domašcyna die Chance, sich für ein Direktstudium am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ Leipzig zu bewerben und eine Hoffnung keimte in ihr auf: Konnte sie nun endlich Dichterin werden? Als Arbeitsprobe hatte sie 40 sorbische Gedichte eingesandt und diese interlinear, also inhaltlich, ins Deutsche übersetzt. „Das war notwendig, damit die Jury die Inhalte verstand“, erklärt Róža Domašcyna. Sie durfte studieren und konnte 1990 ihren ersten sorbischen Gedichtband veröffentlichen.

Nach der Preisübergabe las die Geehrte aus ihren Gedichten und Geschichten, die entweder auf Deutsch geschrieben oder aus dem Sorbischen und Tschechischen nacherzählt Details des Alltages schildern. Schon wenige, ineinander verwobene Sprachbilder zeigen den Zuhörern Róža Domašcynas Blick auf die Welt. Sie warnt vor dem Braunkohleabbau, einem „Wolfspfad“, der die Vernichtung von Heimat und sorbischer Kultur verursacht und regt an „lebbare Wege“ zu finden, in die alle Menschen einbezogen werden müssen.