| 14:13 Uhr

Lauta
Rick Liebscher will an die Spitze

Rick Liebscher (11) im Trikot seines Teams Lückersdorf-Gelenau nahe Kamenz, für die er zurzeit in der Bezirksklasse spielt. Die Familie will demnächst nach Dresden ziehen, damit es Rick nicht mehr so weit zur Schule hat.
Rick Liebscher (11) im Trikot seines Teams Lückersdorf-Gelenau nahe Kamenz, für die er zurzeit in der Bezirksklasse spielt. Die Familie will demnächst nach Dresden ziehen, damit es Rick nicht mehr so weit zur Schule hat. FOTO: Sascha Klein / LR
Lauta. Der Elfjährige aus Lauta ist eines der größten Tischtennis-Talente Sachsens. Sein Traum ist klar definiert: Mit 14 Regionalliga spielen und irgendwann Profi werden. Von Sascha Klein

Wer Rick Liebscher nicht kennt, unterschätzt ihn leicht. Wenn der drahtige Elfjährige an der Tischtennis-Platte steht und auf den Ball fixiert ist, geht es wenige Sekunden später rund. Am Wochenende sind Landesmeisterschaften der U 15. „Ich will gut abschneiden“, sagt er und wirkt, als wäre er nicht elf, sondern schon einige Jahre älter. In seiner Altersklasse ist er einer der Besten, misst sich mit Sachsens Spitze. Bei den Größeren steht er auch schon am Tisch und hofft, dort zumindest in die K.O.-Runde zu kommen. Aber im Doppel, da rechnet er ein wenig mit Edelmetall, denn: Sein Partner aus Dresden gehört ebenfalls zur sächsischen Spitze.

Der Tagesablauf des Lautaers hat es für Elfjährige bereits in sich. Seit August geht Rick Liebscher auf die Sportschule in Dresden. Das bedeutet: Gegen 6.15 Uhr geht es aus Lauta los. Sein Vater Andreas (48) fährt ihn hin und holt ihn nachmittags wieder ab. Vor Ort Training und Schule, manchmal steht er schon morgens in der Halle. Doch der Elfjährige sieht das locker. Denn er will Tischtennis spielen, sich mit den Besten messen. Die Doppelbelastung Schule und Sport steckt er gut weg.

Von seiner Mutter Ines Mietzsch (47) hat Rick das Tischtennis-Gen. Als junge Frau hat sie in Kraupa bei Elsterwerda gespielt, nach der Wende sogar in Bayern in der 2. Bundesliga. „Ich hatte ein Angebot aus der ersten Liga“, sagt sie. Aber dann erwischten sie zwei schwere Bandscheibenvorfälle und die Karriere war passé. Doch sie will ihren Sohn nicht ihre Träume leben lassen. Dass Rick zum Tischtennis gekommen ist, war eher Zufall. Nach 20 Jahren Pause hatte Ines Mietzsch vor gut sieben Jahren mal wieder einen Schläger in der Hand. Der damals vierjährige Rick war sofort fasziniert. Seit er sechseinhalb ist, steht er selbst am Tisch. Ines Mietzsch ist allerdings keine Mutter, die ihren Sohn zum unbedingten Erfolg trimmt. „Ich mache ihm keinen Stress“, sagt sie. „Er braucht einen freien Kopf. Druck kommt schon noch früh genug.“ Rick neben ihr nickt.

Der Lautaer spielt für sein Alter unglaublich gut und bringt viele Gegner mit seinem Offensivdrang in echte Bedrängnis. Seit Februar 2015 ist Rick Liebscher im Kader des Sächsischen Tischtennis-Verbandes. Niederlagen muss er trotzdem immer wieder verkraften: „Dann sollte man ihn die erste Zeit danach nicht ansprechen, dann hat er schlechte Laune“, sagt sein Vater Andreas Liebscher. Doch das hält nicht lange an: „Eine Stunde später springt er schon wieder lachend herum.“

Begonnen hat der damals Sechsjährige das Tischtennis-Spielen beim TTC Hoyerswerda, hat auch für Hoske/Wittichenau gespielt und ist aktuell für die SG Lückersdorf/Gelenau aktiv. Dort spielt er bei den 3. Herren in der Bezirksklasse. Es kommt öfter vor, dass der Elfjährige einem 35-Jährigen gegenüber steht. Doch meist ist schon nach einigen Ballwechseln klar, dass es für den Routinier alles andere als einfach wird. Rick Liebscher gewinnt oft. Er hofft, dass er bald ins 2. Männerteam aufrückt.

Sein Zimmer in Lauta ist gespickt mit Pokalen und Medaillen. Ein kurzer Auszug: Kreismeister im Einzel und Doppel in seiner Altersklasse, Ostsachsenmeister, mehrfacher Jugendspartakiadesieger, dreimal Vize-Landesmeister, zweimal Zweiter in der Landesrangliste.

In den nächsten Jahren will Rick Liebscher die nächsten Schritte machen: „Mit 14 würde ich gerne in der Regionalliga spielen“, sagt er forsch. Seine Gelenauer müssten dafür mit den 1. Männern noch zweimal aufsteigen. In Sachsen ist die Tischtennis-Hochburg in Hohenstein-Ernstthal. Die spielen bereits Regionalliga. Doch der Elfjährige will noch höher hinaus: „Irgendwann will ich in der 1. Bundesliga spielen und Profi werden.“ Das Talent dazu hat er.

Rick Liebscher ist hochkonzentriert am Ball.
Rick Liebscher ist hochkonzentriert am Ball. FOTO: Ines Mietzsch