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| 01:35 Uhr

Richtiger Schritt

Gerade in Zeiten verklärender Ostalgie ist es wichtig, auf die Missstände und das Unrecht im alten DDR-System hinzuweisen. Das ehemalige Cottbuser Stasi-Gefängnis ist ein Symbol für den menschenverachtenden Umgang dieses Regimes mit Gegnern und politisch Andersdenkenden.

Dass diesem Ort und den dort inhaftierten politischen DDR-Gefangenen so lange nur wenig Aufmerksamkeit in Cottbus geschenkt worden ist, spiegelt, wie schwer es vielen noch heute fällt, ehrlich und offen mit der eigenen Geschichte umzugehen.
Es nützt nichts, zu beklagen, dass die Jugend im Osten zu wenig über die DDR-Geschichte weiß. Das ist lediglich ein Beleg dafür, wie sehr die Eltern- und Großelterngeneration das Thema aus dem Alttag verdrängt hat. Umso mehr brauchen junge Menschen aber Orte, an denen der Unrechtsstaat DDR erlebbar ist.
Schulklassen aus der Region besuchen ganz selbstverständlich im Geschichtsunterricht ehemalige Konzentrationslager der Nazi-Zeit. Genauso sollten sie künftig ohne Scheuklappen eine Stätte des SED- und Nazi-Terrors in Cottbus kennenlernen. Unrecht muss Unrecht genannt werden, egal ob von rechts oder von links oder unter welchen politischen Systemen es Menschen angetan worden ist.
Die Cottbuser Haftanstalt war die zweitgrößte für politische Häftlinge in der DDR. Es gibt deshalb kaum einen besseren Ort, um sich mit den Verbrechen zweier Dikaturen ausein anderzusetzen. Dass nicht nur die Stadt Cottbus eine derartige Gedenk- und vor allem Bildungsstätte unterstützt, sollte in einer Demokratie selbstverständlich sein. Der Kampf gegen Geschichtsklitterung ist Bürgerpflicht.