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| 02:40 Uhr

Rezept gegen Hausärztemangel nötig

Vor allem bei Hausärzten mangelt es an Nachfolgern. Offene Stellen bleiben deshalb unbesetzt.
Vor allem bei Hausärzten mangelt es an Nachfolgern. Offene Stellen bleiben deshalb unbesetzt. FOTO: dpa
Hoyerswerda. Um den drohenden Notstand bei der hausärztlichen Versorgung in Hoyerswerda zu verhindern, will die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen nun mit Patenschaften und finanziellen Anreizen für ansiedlungswillige junge Mediziner gegensteuern. Ob das reicht, wird sich zeigen. Catrin Würz

Die Lage ist ernst und Handeln dringend geboten: Jedesmal, wenn in Hoyerswerda ein Hausarzt oder eine Hausärztin altersbedingt und meist ohne Nachfolger die Praxis aufgibt - und das wird in diesem Jahr mindestens in zwei Fällen so sein - stehen Hunderte Patienten vor der bangen Frage: Werde ich in einer anderen Praxis unterkommen? Werde ich einen neuen Arzt finden?

Die Situation ist alarmierend und auch für alle noch praktizierenden Allgemeinärzte sehr schwierig: Denn um die Betreuung ihrer angestammten Patienten zu sichern und auch, um sich selbst zu schützen, können viele Arztpraxen schon längst keine neuen Patienten mehr aufnehmen, arbeiten am Limit.

Eine unhaltbare, beunruhigende Situation, gegen deren Zuspitzung unbedingt etwas getan werden muss. Deshalb haben fünf Ärzte aus der Stadt gemeinsam die Initiative ergriffen und ein Treffen mit Politikern und Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) auf den Weg gebracht. Vor wenigen Tagen fand diese Gesprächsrunde, unterstützt vom Hoyerswerdaer Landtagsabgeordneten Frank Hirche (CDU) und im Beisein der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Michalk, statt.

Im Ergebnis hat die Kassenärztliche Vereinigung Erleichterungen für ansiedlungswillige junge Mediziner in Hoyerswerda angekündigt. Konkret sind dabei Patenschaften der KV für die neuen Kollegen gemeint, denen umfangreiche Unterstützung bei der Medikamentenverordnung und Abrechnung erbrachter Leistungen angeboten werden. Außerdem fördert die KV mit einer Anschubfinanzierung für die Praxiseinrichtung und mit einer Einkommenssicherung über ein Jahr junge Ärzte im ländlichen Raum. "Damit konnten die Weichen für die Niederlassung neuer Hausärzte für Hoyerswerda gestellt werden", heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Hoyerswerdaer Facharzt Dr. Alexander Eberth sieht dieses erste Angebot der KV ebenfalls als "einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Es sei jedenfalls keine schlechte Voraussetzung, um junge Ärzte aus den Universitätsstädten für eine Niederlassung in der Region zu interessieren. "Jetzt muss die Stadt allerdings auch selbst noch mehr ihre Attraktivität hervorstellen und eigene Lockmittel finden, um sich für junge Mediziner interessant zu machen", sagt Dr. Eberth. Denkbar wären zum Beispiel solche Dinge wie die Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz für den Partner.

Dass es heute zu wenig junge Allgemeinmediziner gibt, hat viel auch mit den Lebensansprüchen des Ärzte-Nachwuchses zu tun, der lieber in einer Festanstellung in modernen, großen Krankenhäusern arbeitet und in der Großstadt lebt.

Die Gesprächsrunde der Hoyerswerdaer Mediziner - neben Dr. Eberth gehörten auch Marcus Meixner, Dr. Paul Jesche, Solveig Rys und der Kardiologe Dr. Jörn Schäfer dazu - wünscht sich auch Veränderungen bei der Medizinerausbildung. Angeregt wird, dass der praktische Teil des Medizinstudiums künftig zwingend einen allgemeinmedizinischen Teil in einer Ausbildungspraxis einschließen soll und die Facharztausbildung für Allgemeinmediziner von derzeit fünf auf vier Jahre komprimiert werden sollte. Im Lausitzer Seenland-Klinikum Hoyerswerda werden optimale Möglichkeiten für die Weiterbildung zum Facharzt in Kooperation mit Ausbildungspraxen geboten. Dies ist längst ein gut geschnürtes Gesamtpaket.

Zum Thema:
Im hausärztlichen Planungsbereich Hoyerswerda beträgt der Versorgungsgrad derzeit 90,4 Prozent. Jeder fünfte der praktizierenden Hausärzte in der Region ist bereits über 60 Jahre.Nach Angaben der KV Sachsen sind Förderungen in der Region wie folgt ausgelobt: Stadt Hoyerswerda: 3 Förderstellen; Region Bernsdorf: 1 Förderstelle; Region Lauta: 2 Förderstellen