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Reitsport
Enkelin verwirklicht Omas Traum

Seit drei Jahren sind Wendy Brachmann und ihre „Picona“ ein Herz und eine Seele.
Seit drei Jahren sind Wendy Brachmann und ihre „Picona“ ein Herz und eine Seele. FOTO: amz
Klein Partwitz. Wendy Brachmann aus Sedlitz ist auch selbst glücklich auf dem Pferderücken.

Wendy lautet der Titel einer Zeitschrift für junge Pferdefreunde. Wendy heißt auch eine begeisterte Reiterin vom Partwitzer Hof. Denn Wendy Brachmann gehört während des Partwitzer Hallenspringturniers, dem Jahreshöhepunkt am Partwitzer See am Wochenende, neben Mandy Schindler zu den beiden Lokalmatadoren des örtlichen Reit- und Fahrvereins (RFV). Zu Buche stehen für die 24-jährige Sedlitzerin in den Springprüfungen ein zweiter Rang sowie Platzierungen im guten Mittelfeld, Experten sprechen von der Reserve.

„Ich bin ganz zufrieden“, resümiert Wendy Brachmann und streichelt Picona, ein neunjähriges deutsches Sportpferd. Seit nunmehr drei Jahren bilden Frau und Tier eine Einheit. „Picona ist klasse. Wir verstehen uns fast blind“, lobt Brachmann.

Bereits seit fast anderthalb Jahrzehnten steigt Wendy Brachmann auf Pferde. Treibende Kraft sei ihre Oma gewesen. „Sie wollte, dass ich Pferdewirtin lerne“, erinnert sich die Sedlitzerin. Warum? „Weil meine Großmutter diesen Beruf einst selbst gern ergriffen hätte. Allerdings machte ihr der Zweite Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung“, erzählt Wendy Brachmann weiter. Schließlich habe Oma, die als Hutmacherin arbeitete, beim Reit- und Fahrverein Klein Partwitz vorgesprochen und ihre Enkeltochter angemeldet. „Ich wollte das auch selbst schon immer gern“, bestätigt die junge Dame. Angst habe sie auf dem Rücken der Pferde nie verspürt. Relativ schnell habe die damals als Heranwachsende das Abc des Reitens erlernt. Vor allem komme es darauf an, das Gleichgewicht zu halten. Zigmal ist Wendy Brachmann auf ihrem Pferd über den Reitplatz geführt worden. „Longieren“ heißt dieses Prozedere in der Fachsprache. Vor zehn Jahren durfte sie dann erstmals an einem Turnier teilnehmen. „Damals war ich schon Tage vorher komplett nervös, das hat sich mittlerweile gegeben. Erst unmittelbar vor meiner Prüfung werde ich richtig aufgeregt“, berichtet die Sedlitzerin, jetzt sicher auf dem Pferd.

Nach der Schule erfüllte sie tatsächlich Omas Traum und erlernte den Beruf der Pferdewirtin. Während die praktische Ausbildung auf dem Partwitzer Reiterhof von statten ging, hieß es in der Dresdener Berufsschule Theorie büffeln. Da sei es längst nicht nur ums Reiten, sondern ebenso um die Haltung und Zucht von Pferden, um den Bau und die Unterhaltung von Koppeln und natürlich ebenso um betriebswirtschaftliche Dinge gegangen. Heute verdient Wendy Brachmann ihren Lebensunterhalt allerdings als Physiotherapeutin. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht mehr als Pferdewirtin arbeiten“, lautet die Begründung. Nicht zuletzt sei es schwierig, in der Region eine Anstellung als Pferdewirtin zu bekommen. In Deutschlands Westen sehe es da schon wesentlich besser aus.

Trotz dieser Rückschläge bleibt Wendy Brachmann den Rössern treu. „Die Pferde sind an sich schon sehr faszinierende Tiere. Zudem besteht immer die Chance, sportlich voranzukommen“, erklärt sie. Mittelfristig will sie beim M-Springen mitmischen. M stehe für „mittelschwer“. Das sei schon wesentlich anspruchsvoller als die „A-Klasse“. „Und ich hoffe, noch ein paar Ausscheide zu gewinnen“, gibt sich die 24-Jährige kämpferisch. Die relativ kleingewachsene Frau mit den langen blonden Haaren befasst sich mit den Pferden und der Reiterei in fast jeder freien Minute. „Das ist nun mal mein großes Hobby.“ Und vielleicht werden die 36 Mitglieder des Vereins bei den eigenen großen Reitturnieren auch bei den anspruchsvolleren Prüfungen wieder jemanden aus den eigenen Reihen auf dem Siegertreppchen bejubeln.

(amz)