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| 13:01 Uhr

Buchlesung
Reiner Kunzes Briefe an Reimann

Angela Putowski liest aus dem neuen Buch über Brigitte Reimann Reimann. ⇥Foto: Katrin Demczenko
Angela Putowski liest aus dem neuen Buch über Brigitte Reimann Reimann. ⇥Foto: Katrin Demczenko FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Lesung erzählte über eine Schriftstellerfreundschaft in politisch unruhigen Zeiten. Von Katrin Demczenko

Die Lebensfreundschaften der Schriftstellerin Brigitte Reimann, die 1973 an Krebs verstarb, bringen immer noch Neues zu Tage. Erst Ende vorigen veröffentlichte hatte S. Fischer erstmals Briefe veröffentlicht, die ihr der Dichter Reiner Kunze von 1953 bis 1972 geschrieben hatte. Die Originale liegen im Reimann-Nachlass des Literaturzentrums Neubrandenburg. Die Bibliografin der Autorin, Kristina Stella, hat sie zusammengestellt. „Gestern bekamen wir das Buch“, berichtete Helene Schmidt vom Hoyerswerdaer Kunstverein, gerade noch rechtzeitig, um am 21. Februar in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte daraus zu lesen.

Begangen wurde dort der 45. Todestag Brigitte Reimanns. Sie hatte in den 1960er-Jahren den Aufbau der Neustadt miterlebt und diese Zeit in ihrem Roman „Franziska Linkerhand“ eindrucksvoll beschrieben. Der Kunstvereins-Vorsitzende Martin Schmidt ergänzte, dass der Sender mdr Figaro Zeitzeugeninterviews mit dem Rundfunkjournalisten Juergen Schulz und Irmgard Weinhofen brachte, die beide mit Brigitte Reimann befreundet waren.

Doch nun lasen Helene Schmidt und Angela Potowski vor vielen Gästen Reiner Kunzes Briefe, die Einblick geben in das Leben beider Autoren.

Das gelang, weil Brigitte Reimann den Freund in ihren leider nicht erhaltenen schriftlichen Antworten immer gut informiert hatte. Zu hören war von ersten Treffen Anfang der 1950er-Jahre in der Arbeitsgemeinschaft Junge Autoren Magdeburg und von späteren im Schriftstellerheim Petzow, von Problemen beim Schreiben und von Krankheiten. Beide unterstützten sich und sprachen intensiv über Veränderungen in der DDR, die sie unter anderem in der Ablehnung ihrer Werke durch die Obrigkeit erkannten.

Reiner Kunze begann deshalb, in der BRD zu veröffentlichen und verzog 1977 dorthin. In den 1960er-Jahren verschafften Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann dem Dichter aus dem thüringischen Greiz Aufträge in Hoyerswerda und Cottbus.

Er sprach in dem von dem Schriftstellerehepaar geleiteten Zirkel Schreibender Arbeiter des Kombinates Schwarze Pumpe über Lyrik. Dieses Anliegen und die Bitte, Reiner Kunze möge den jungen, literarisch begabten Volker Braun unterstützen, hatte Siegfried Pitschmann schriftlich formuliert. 1967 lud Brigitte Reimann Reiner Kunze zu einer gemeinsamen Lesung in den Klub der Intelligenz Hoyerswerda ein und vermittelte ihm den Kontakt zum damals neu gegründeten Freundeskreis für Künste und Literatur, heute Kunstverein.

Von 1968 bis zur Gegenwart fanden weitere Veranstaltungen mit Reiner Kunze statt. Da seine die DDR-Wirklichkeit ehrlich beschreibende Miniaturprosaarbeiten und Gedichte vom Schriftstellerverband abgelehnt wurden, war es damals in Hoyerswerda schwer, Räume für seine Auftritte zu finden. „Einmal las er im Kinghaus“, sagte Helene Schmidt. Kunstvereinsmitglied Gerhard Schlegel erzählte von einem Auftritt im Kastanienhof.

An der Veranstaltung in der Begegnungsstätte hatten aber auch Nichtvereinsmitglieder wie die in Hoyerswerda-Altstadt aufgewachsene Johanna Ruhla Freude. Die Seniorin erfuhr viel Neues und möchte wiederkommen.