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Reichenturm wieder hüllenlos

Die farbliche Veränderung am Reichenturm ist nur minimal. Als auffälliger erweist sich die neue Bleiverkleidung der Turmhaube.
Die farbliche Veränderung am Reichenturm ist nur minimal. Als auffälliger erweist sich die neue Bleiverkleidung der Turmhaube. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Die Hüllen am Bautzener Reichenturm sind gefallen. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Kreisstadt präsentiert sich jetzt wieder ohne Baugerüst. Uwe Menschner /

Die umfangreichen Sanierungsarbeiten der letzten Monate am Reichenturm sind äußerlich abgeschlossen, im Inneren - insbesondere in der Türmerstube - wird allerdings noch gewerkelt.

Den Grund für die Baumaßnahmen bildeten Verschleißerscheinungen und Witterungsschäden, die in den 25 Jahren seit der letzten großen Sanierung entstanden waren. "Reparaturen am Mauerwerk und am Putz sowie der Austausch schadhafter Teile am Natursteinaufsatz" nannte Baubürgermeisterin Juliane Naumann vor dem Beginn der Arbeiten im Juni 2016 als deren hauptsächlichen Inhalt. Die Wasserableitung und die Durchlüftung mussten verbessert werden, um das Risiko künftiger Schäden zu verringern. Einer Erneuerung bedurften weiterhin die Holzbalkendecke in der obersten Ebene der Turmhaube, die verrotteten Rundfenster in deren Gauben sowie die Blitzschutzanlage. Um den Vorschriften der Unfallkasse Genüge zu tun, war zudem der Einbau einer neuen Steigleiter zur Aussichtsplattform erforderlich.

Einen weiteren Bestandteil der Arbeiten bildete die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes hinsichtlich der Farbgebung. "Es soll eine farbliche Angleichung des Putzes am Turmschaft an den natursteinsichtigen Aufsatz erfolgen, wie er von der Denkmalpflege bereits in den 1950er-Jahren empfohlen wurde," so die Bautzener Baubürgermeisterin im Mai 2016. Diese Veränderung ist erfolgt, allerdings fällt sie geringfügiger aus, als bei Baubeginn erwartet und ist erst bei genauerem Hinsehen wahrnehmbar.

Als auffälliger erweisen sich da schon die Bleibleche, mit denen die gesamte Turmhaube verkleidet wurde und die vor allem dem Witterungsschutz dienen. Auf der Aussichtsplattform werden künftig Besucher vor allem das Fehlen des Pendelschachtes wohlwollend zur Kenntnis nehmen, der zuvor teilweise die Sicht versperrt hatte. Das Pendel dient dazu, die Neigung des auch als "schiefer Turm" bekannten Reichenturms zu messen - in den letzten Jahren betrug sie stets 1,44 Meter.

Die Wiedereröffnung des Turms für die Öffentlichkeit ist für den April geplant. Dann will auch Türmerin Renate Peter wieder Gäste empfangen und ihnen die Besonderheiten des berühmtesten Bautzener Stadtturmes erläutern.

Zum Thema:
Der Reichenturm in Bautzen stammt in seiner jetzigen Form aus den Jahren 1715 bis 1718. Er wurde auf einem viel zu schwachen Fundament errichtet, wodurch es zu seiner Schiefstellung kam. Dieser konnte erst eine Verstärkung und Befestigung in den Jahren 1953/54 Einhalt gebieten.