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| 02:44 Uhr

Regine Hildebrandt in Liedern von Gundermann und anderen

Carmen Orlet und Ingo "Hugo" Dietrich während ihres Programms.
Carmen Orlet und Ingo "Hugo" Dietrich während ihres Programms. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Die Kulturfabrik Hoyerswerda und Gundermanns Seilschaft feiern jährlich im Bürgerzentrum Braugasse 1 die Gundermann-Party zum Geburtstag des baggerfahrenden Liedermachers. Dieses Mal war der Auftritt der Sängerin Carmen Orlet und des Gitarristen Ingo "Hugo" Dietrich, eines musikalischen Weggefährten von Gerhard "Gundi" Gundermann, der Höhepunkt. Katrin Demczenko / dcz1

Sie spielten im gut gefüllten Kufasaal das sehr persönliche Programm "Liedergeschichten", das an die streitbare SPD-Politikerin Regine Hildebrandt erinnert. Mit nur 60 Jahren starb die Frau, die ihre Meinung überall frei und unkonventionell äußerte, viel zu früh an Krebs.

Passagen eines Briefes, den sie in ihrem Haus am Woltersdorfer See bei Berlin 1999 an ihre Enkel geschrieben hatte, und Erinnerungen ihrer Angehörigen machten sie lebendig. Das "Teilhabenlassen anderer" habe sie als Kind in der kargen Nachkriegszeit geprägt, verlas Carmen Orlet aus dem Brief. Gundermanns Lied "Vögelchen" blickte dazu passend auf die Jugendzeit und die späteren Jahre eigener Kindererziehung zurück. 1961 hatte Familie Hildebrandt, die damals an der Bernauer Straße an der Zonengrenze wohnte, den Mauerbau erlebte und musste aus dem nunmehrigen Gebiet der Staatsgrenze zu Westberlin wegziehen, erzählte Carmen Orlet. Als Mitglied der evangelischen Kirche suchte Regine Hildebrandt wegen des wachsenden politischen Drucks eine geistige wie menschliche Nische und fand sie in der Berliner Domkantorei, in der sie bis zum Ende ihres Lebens 2001 mitsang. Die junge Frau fand auch Kraft bei der Familie, ihren Kindern und Enkeln. Seit den 1950er-Jahren buk sie für jeden zum Geburtstag einen Frankfurter Kranz. Da die Torte aus mehreren Schichten Teig und Puddingcreme besteht, passte dazu das "Schichtenlied" von Tobias Burger, das Ingo "Hugo" Dietrich vertont hatte. Nicht nur die obere Schicht des Backwerkes soll luftig und sahnig sein, fair wäre, wenn der mittlere und der untere Teil genauso gut schmecken, hieß es im Song. Er beschrieb natürlich auch die politische Haltung von Regine Hildebrandt, die wollte, dass alle Menschen gleiche Chancen haben.

Gundermanns Demokratie-Tango und Lutz Kerschowskis Lied "Brüderchen, Schwesterchen" erzählten von den Zuständen vor, während und nach der Wiedervereinigung. Regine Hildebrandt war ab 1989 als Mitglied der neu gegründeten Sozialdemokratischen Partei der DDR aktiv. Sie gehörte 1990 als Arbeits- und Sozialministerin zur ersten und letzten frei gewählten Volkskammer des Landes. Den Posten übernahm die SPD-Politikerin später auch im Land Brandenburg. Sie trat immer für die Benachteiligten der Gesellschaft ein und wurde deshalb besonders in Ostdeutschland zur Identifikationsfigur, sagte Carmen Orlet. Das Programm endete vor begeisterten und gerührten Zuhörern mit zwei Zugaben.

Peggy Jakob aus Leipzig war als Mitglied der Unterstützergruppe "Lebensläufer" da, die Auftritte von Gundermanns ehemaliger Band "Die Seilschaft" vorbereitet. Da das Konzert der Gruppe am Samstag wegen Krankheit ausfiel und erst im Februar 2018 stattfindet, genoss sie das Erinnerungskonzert für Regine Hildebrandt. Die Politikerin war bodenständig und den Menschen zugewandt. Das könnten die heutigen Politiker übernehmen, sagte Peggy Jakob.