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| 08:00 Uhr

Jagd-Kolloquium in Wartha
Regenwürmer helfen gegen Wildschäden

Wartha. Schweine, Hirsche und Rehe machen Land- und Forstwirten zu schaffen. Dabei könnten schon Regenwürmer Helfen, die Schweineplage einzudämmen.

180 000 Euro. Solch einen Schaden hat das Wild im Jahr 2016 allein auf den Flächen der Jagdgenossenschaft Klitten angerichtet. Zweites Beispiel: Auf einem Maisfeld am Rand des nicht allzu weit entfernten Teichgebietes Milkel-Kaupa sorgten die Wildschweine in nur einer Nacht für einen finanziellen Ausfall von rund 5000 Euro. Diese Zahlen nennt Lothar Jentschel, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Bautzen, während des Jagd-Kolloquiums im „Haus der Tausend Teiche“ in Wartha.

Die Agrargenossenschaft „Heidefarm“ Sdier bewirtschaftet diesen Maisschlag. Landwirt Philipp Schlachte weiß aus Erfahrung, dass auf solchen Flächen zur Erntezeit vielleicht noch 20 Prozent der Pflanzen stehen. Den großen Rest hätten die Schwarzkittel zunichte gemacht. Diese Ernteausfälle seien die eine Seite der Medaille. Die andere befasse sich mit den Nachfolgekulturen. Denn die Schweine würden auch noch Monate nach der Maisernte nach im Boden befindlichen Kolben graben. Dadurch sei nicht nur die neue Kultur stark gefährdet, sondern könnten auch gefährliche Schädlinge wie der Maiszünsler weiterverbreitet werden. Und zu guter Letzt leide auch die teure Landtechnik. Denn die durch das Schwarzwild heimgesuchten Flächen müssten nachbearbeitet werden. Zudem sei es für die Erntemaschinen kaum von Vorteil, wenn diese auf den zerwühlten Äckern unterwegs seien.

Daher setzen die „Heidefarm“-Landwirte auf ein alternatives Konzept. Mittels Regenwürmern solle die Schweineplage eingedämmt werden. Konkret, so Philipp Schlachte, sorgten die Bauern für Bejagungsschneisen, auf denen die Waidmänner die Tiere erlegen können. Damit sich diese nicht dauerhaft im dichten Mais verstecken, müsse in den breiten Streifen ein Bodenzustand geschaffen werden, in dem sich Regenwürmer wohlfühlen. Also lockerer Boden, der möglichst lange feucht ist. Der Grund: Regenwürmer schmeckten den Schwarzkitteln ebenso gut wie Maiskolben. Daher verweilen sie auf den Schneisen und könnten so leichter erlegt werden. Das Konzept scheine sich zu bewähren, für konkrete Zahlen sei es aber noch zu früh.

Die Jäger seien indes angehalten, möglichst viele Frischlinge zu schießen. Ansonsten sei kaum eine Reduzierung des Schwarzwildbestandes möglich. Immerhin gebe es für diese „Nachwuchssauen“ eine höhere Abschussprämie als für ältere Tiere.

Im Wald seien die Wildschäden im Vergleich zur Landwirtschaft indes relativ gering. Nach Angaben von Forstmann Jan Prignitz vom Biosphärenreservat Oberlausitz lautet der Grundsatz, dass sich die vier Hauptbaumarten Kiefern, Fichte, Eiche und Buche ohne Zaun vermehren können, ohne komplett vom Wild aufgefressen zu werden. Weitere Schäden entstünden durch das Abreißen der nahrhaften Baumrinde insbesondere durch das Rotwild. Jäger sprechen vom „Schälen“. Glücklicherweise, so Prignitz, seien die Kiefern wesentlich weniger gefährdet als etwa Fichten und Buchen. Der „Lausitzer Brotbaum“ könne die entsprechenden Stellen wesentlich schneller überwallen und sich damit gegen Pilzbefall schützen.

(amz)