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| 02:40 Uhr

Rechts rum um die Kirche

Die Blunoer Kartenspieler zogen im Zampertrupp durchs Dorf. Nebenbei wurde auf der B 156 noch so mancher Autofahrer abkassiert.
Die Blunoer Kartenspieler zogen im Zampertrupp durchs Dorf. Nebenbei wurde auf der B 156 noch so mancher Autofahrer abkassiert. FOTO: trt1
Mit Lausitzer Blasmusik, bunten Kostümen und schrillen Gefährten sind die Blunoer durch ihr Dorf gezampert. Das war nicht nur Vergnügen, sondern teils harte Arbeit. In acht Stunden werden mehr als 100 Gehöfte besucht. Torsten Richter-Zippack / trt1

Bluno. Der Charakter des Zamperns hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewandelt, das sagt Gerhard Brantzko, der in der lustigen Gesellschaft seit dem Jahr 1983 das Kommando führt. "Am Anfang gab es noch gewisse sorbische Kostüme. Zudem sind die Leute mit Schlips und Anzug zum abendlichen Tanz gegangen", erinnert sich der 60-jährige Kfz-Mechaniker.

Heute dagegen könne jeder frei entscheiden, welches Kostüm er anziehen möchte. Da seien der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Vom Huhn über das Königinnen-Quartett bis zu den Kartenspielern reichte diesmal das Repertoire. Letztere haben sogar ein eigenes Kartenhaus zusammengezimmert, das auf einem Hänger mit Kubickis Trecker durchs Dorf kutschiert wurde.

Dass die Blunoer beim Zampern jede Menge Kreativität haben, bewiesen sie bereits in den vergangenen Jahren. Selbst ein Dixi-Klo inklusive eines Porno-Kinos fehlte nicht. Aus der sorbischen Tradition resultiert heute immerhin noch die Hauptkasse, die die Einnahmen, egal ob Eier, Speck oder Geld, sicher verstaut. Und da kommt stets ein ganzer Batzen zusammen. Gerhard Brantzko spricht von rund 2000 Euro. Das Geld werde in einen gemeinsamen Ausflug der Zampergesellschaft investiert. So wird im Sommer eine Vorstellung der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz besucht.

Doch an einer Tradition halten die Blunschen bis heute unbeirrbar fest. Der lustige Trupp müsse nämlich immer rechts herum um die historische Fachwerkkirche aus dem Jahr 1673 marschieren, niemals links herum. Ansonsten drohe Unglück, glauben die Zamperer. Diese Regel sei noch nie gebrochen worden.

Insgesamt gebe es im Ort vier Zamperrunden. Neben dem Männerzampern, zu dem jedoch auch Frauen mitdürfen, gehen die Kita- und Schulkinder und die dörfliche Jugend auf eigene Zampertouren.