30 Jahre nach den pogromartigen Ausschreitungen in Hoyerswerda hat die Stadt gemeinsam mit der Initiative Zivilcourage und weiteren Akteuren ein Gedenkwochenende vom 17. bis 19. September organisiert. Unter dem Motto „Hoyerswerda 1991: Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven“ werden insgesamt zehn Veranstaltungen stattfinden – darunter Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Gottesdienst und Buchlesung. Zu allen Veranstaltungen sind die Bürger der Stadt eingeladen. Allerdings muss man sich wegen der pandemiebedingten Auflagen für manche Veranstaltung zuvor anmelden (www.zivilcourage-hoy.de).

Situation der Vertragsarbeiter steht im Fokus

Im Mittelpunkt mehrerer Veranstaltungen steht die Situation der mosambikanischen Vertragsarbeiter. Die Opfer der rassistischen Ausschreitungen wurden 1991 überstürzt aus dem Land gebracht und leiden bis heute darunter – in ihrer Heimat sind sie stigmatisiert als „Madgermans“ („verrückte Deutsche“) und mit dem Verlust eines Teils ihres Transfer-Arbeitslohnes.
Einstiger Vertragsarbeiter aus Mosambik in Hoyerswerda Besuch in der Vergangenheit

Hoyerswerda

Mit der Situation dieser Menschen befasst sich eine Fotoausstellung im Lichthof des Lausitz-Centers Hoyerswerda (Eröffnung am Freitag, 17. September, um 15 Uhr) sowie ein Gespräch mit Filmvorführung „Das war schön und am Ende schlimm (Samstag, 18. September, 15 Uhr in der Lausitzhalle). Gast wird dann auch der aus Mosambik angereiste Zeitzeuge und frühere Vertragsarbeiter David Macou sein.

Hoyerswerda – Rostock – Mölln – Solingen

Ebenfalls am Freitag findet um 17 Uhr ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Hoyerswerda – Rostock – Mölln – Solingen“ in der Lausitzhalle statt, das die Ausschreitungen in einem größeren gesamtdeutschen Kontext betrachtet. Dazu werden Vertreter aus allen vier Städten sowie Betroffene der Anschläge auf dem Podium diskutieren. Dabei wird unter anderem die Frage nach dem heute richtigen und angemessenen Gedenken aufgeworfen. Für diese Veranstaltung in der Lausitzhalle ist eine Anmeldung nötig im Internet auf www.vhs-hoyerswerda.de.

Kritischer Stadtspaziergang durch Hoyerswerda

Auf einem Critical Walk – einem kritischen Stadtspaziergang – werden am Sonnabend, 18. September, die Orte abgelaufen, an denen sich die Ausschreitungen 1991 abspielten. An den einzelnen Stationen soll eine Auseinandersetzung mit den Ursachen, dem Ablauf und den Folgen stattfinden. Startpunkt für alle Teilnehmer ist um 11.30 Uhr der Bahnhofsvorplatz Hoyerswerda, Endpunkt ist der Lausitzer Platz.
Rassistische Angriffe Hoyerswerda 1991 So begeht Hoyerswerda den schwierigen Jahrestag

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Geplant sind außerdem eine Gedenkveranstaltung in der Lausitzhalle (18. September, 17 Uhr), auf der auch der Film „1991“ von Falk Hoysack als künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema gezeigt wird. Ein Gesprächsabend unter dem Titel „Das habe ich nicht gewusst“ mit Pfarrer Jörg Michel will betrachten, wie die Bürger der Stadt die Ereignisse und die Folgen empfunden haben. Ihre bis dahin attraktive und moderne Stadt wurde 1991 auf einen Schlag weltweit bekannt und berüchtigt als ein Ort von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus (18. September, 19 Uhr, Lausitzhalle Forum-Saal).
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Buchpremiere: Eine Kindheit in Hoyerswerda

Am Sonntag, 19. September, lädt das Bürgerzentrum Braugasse 1 zur Buchpremiere „Kinder von Hoy. Freiheit, Glück und Terror“ ein (Lesung um 11 Uhr ist ausgebucht, eine zweite gibt es um 19 Uhr). Die Autorin Grit Lemke, die in Hoyerswerda aufwuchs, erzählt in ihrem Doku-Roman von ihrer Kindheit und Jugend in der aus Betonelementen zusammenmontierten Stadt, aber auch von der Kultur- und Kunstszene um Gerhard Gundermann und von der nach der Wiedervereinigung schnell erstarkenden rechten Szene in der Stadt. (Anmeldung 03571-2093330 oder Mail an info@kufa-hoyerswerda.de)