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Raritäten, Teile und Geschichten

Ein Fahrrad Flugzeugtrümmern, wie Wojciech Dabrowicz (l.) es zeigte, sieht auch Gernot Gentschorek nicht alle Tage.
Ein Fahrrad Flugzeugtrümmern, wie Wojciech Dabrowicz (l.) es zeigte, sieht auch Gernot Gentschorek nicht alle Tage. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Lauta. Am Samstag zeigte der Verein für historische Technik Lauta beim traditionellen Oldtimer-, Kfz- und Trödelmarkt wieder die Schätze, die in seinen Hallen zu neuem Leben erwachen. Am Rande des Ersatzteilhandels gab es vor allem spannende Lagerfeuer-Geschichten aus dem Leben der historischen Gefährte. Mandy Decker / mdr1

Auf jedem Trödelmarkt riecht es nach den Tinkturen der Auffrischung von Geschichte. Doch die 21 Tausch- und Verkaufsstände dieses Lautaer Trödelmarktes verströmen traditionell den Duft von gut gefetteten Drehteilen und öligen Lappen. Auf den Auslagen zeigen sich erfahrene Motoren-, Getriebe- und Karosserieteile und warten geduldig auf den kommenden Einsatz. Zwischen den Ständen stehen die Schätze, deren Wartung eine ganz spezielle Liebe voraussetzt. So wie das Fahrrad von Wojciech Dabrowicz. "DKW-Hans", wie der Pole hier respektvoll genannt wird, kommt jedes Jahr aus Nowa Sol zu den Technikfreunden nach Lauta. Und immer hat er eine Rarität dabei: In diesem Jahr ist es ein Fahrrad-Unikat aus dem Jahr 1953. Der Schmied Stanislaw Skura habe das Gefährt aus eingeschmolzenen deutschen Flugzeugteilen zusammengebaut, erzählt Dabrowicz in beherztem Deutsch. Diese Flugzeuge könnten mit Aluminium aus dem alten Werk in Lauta hergestellt worden sein, scherzen die Männer. Dann sei das Fahrrad womöglich in seiner Heimat zu Besuch, orakeln sie weiter.

Der Clou: Das 60 Jahre alte Vehikel verfügt neben seinem geschichtsträchtigem Grundstoff über eine Dreigangschaltung, Bug- und Heckfederung, ein Speichenschloss und eine in den Rahmen eingelassene Luftpumpe. Eine kleine Serie habe der begnadete Konstrukteur unter Duldung der damaligen politischen Führung Polens bauen dürfen, munkelt Dabrowicz. Für die denkwürdigen motorisierten Ausführungen habe der Erbauer Skura seinerzeit jedoch keine Lizenzen bekommen.

Es sind diese Geschichten, die die Vereinsmitglieder 2006 veranlassten, über ihre Weihnachtsfeier genauer nachzudenken. "Wir wollten nicht in irgendeiner Gaststätte sitzen und uns beim Bierchen anstarren", erinnert sich der Vorsitzende Gernot Gentschorek. Die Feier sollte ebenso Raum geben für den fachmännischen Plausch am Feuer bei Kaffee, Glühwein und Stolle wie für das gemeinsame Tüfteln und Schrauben in den großen Hallen des Vereinsgeländes. Schließlich sei jede Minute kostbar, die in einem Alltag zwischen Arbeit und Familienleben für das geliebte Hobby abgezweigt werden kann, betont der Vorsitzende. Das sehen auch die befreundeten Clubs so. So sind auch in diesem Jahr wieder die Kameraden aus Ottendorf-Okrilla, Vetro, Oßling und viele private Bastler aus der Region zum Stöbern und Schwatzen gekommen.

Unter Gentschoreks Leitung geht es im Verein bewusst wenig bürokratisch zu. Die "Vereinsmeierei" werde vom Vorstand bewusst auf das Nötigste reduziert, bestätigt Frank Helbig. 20 bis über 70 Jahre alt sind die knapp dreißig Mitglieder. Das liebste seien ihnen neben den stillen Stunden in der Werkstatt die gemeinsamen Ausfahrten, auf denen die Oldtimer-Fans eher der Langsamkeit als dem Adrenalin-Kick auf der Spur sind. Ein eigenes Fahrzeug sei jedoch kein Zwang, betont Frank Helbig. Es gibt genügend Projekte, an denen die Gruppe gemeinsam werkelt.

Im kommenden Jahr, am 3. Mai, feiert der Verein mit dem traditionellen Hühnerschreckrennen und einem bunten Rahmenprogramm sein zehnjähriges Bestehen. Wer sich zum Mitmachen entschließt, könnte dann vielleicht auf seinem eigenen Schmuckstück dabei sein.