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| 02:46 Uhr

Ramses geht bei Schleife auf das Wildschwein los

Der Parcours der Teilnehmer mit ihren Vierbeinern beginnt.
Der Parcours der Teilnehmer mit ihren Vierbeinern beginnt. FOTO: igt
Schleife. Hundefreunde können manchmal ein ganz verrücktes Völkchen sein. Einen Beweis dafür gab es jüngst. Ingolf Tschätsch

Die eiskalte Neujahrsveranstaltung war weidmännisch angelegt.

Das Thermometer zeigte zehn Grad unter Null. Morgendliche Stille lag noch über dem Land, als etwa 20 Pkw in Richtung Schleife starteten. Fast jedes der Autos hatte einen Vierbeiner an Bord. Treffpunkt war die Kirche der Gemeinde. Angelika Reif, die Familienhundausbilderin aus Bad Muskau, hatte ihre Hundefreunde zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen. "Wir begrüßen das neue Jahr immer auf unsere Weise. Heute wird es weidmännisch zugehen", erklärte sie der RUNDSCHAU, wobei ein Schleier des Geheimnisvollen über ihren Worten lag.

Rund 40 Zweibeiner - viele mit Hund - ließen sich von der grimmigen Kälte nicht abhalten, um diesen Jahresauftakt mitzuerleben. Von Schleife aus ging die Tour danach tief hinein in den Wald. Ziel war das Jagdpachtgebiet von Revierförster Hubertus Scammel. Er und Bernd Stienert vom Bundesforstamt Muskauer Heide in Weißkeißel erwarteten bereits die Kolonne. Die beiden Männer befinden sich mit ihren Hunden in der Ausbildung bei Angelika Reif. "Sie sollen dort Sozialverhalten lernen, damit sie sowohl bei Artgenossen als auch anderen Menschen richtig reagieren", so Hubertus Scammel. An diesem Nachmittag wollten er und sein Kollege den Gästen bei der Fährtenarbeit zeigen, was ihre beiden Lieblinge jagdlich schon drauf haben.

Ramses, der Bayerische Gebirgsschweißhund von Scammel, hatte die Aufgabe, eine 600 Meter lnge Fährte, die nur mit den Füßen getreten worden war, zu verfolgen. An ihrem Ende musste ein totes Wildschwein gefunden und gestellt werden. Damit sollte die Arbeit nach dem Schuss des Jägers demonstriert werden.

Auf Emy, die Tiroler Bracke von Stienert, wartete etwas anderes: Stöbern. Eine leichtere Fährte von etwa 250 Metern, auf der zuvor wegen des Geruchs ein Rotwild-Kopf geschleppt worden war, galt es aufzuspüren und zu verfolgen. Das richtige Verhalten vor dem Schuss des Jägers war hier zu beurteilen.

Alle waren gespannt, ob Ramses diese echte Herausforderung schafft. "Auf Grund der Kälte kann es durchaus sein, dass er die Fährte verliert", hegte selbst sein Herrchen gewisse Zweifel. Sie waren schließlich unbegründet. Was für ein spannender Moment für die Zuschauenden, als der Vierbeiner auf das Schwein losging und es nicht mehr entkommen ließ. Um ihm etwas Leben einzuhauchen, zog Bernd Stienert das Wild an einem langen Seil immer wieder hoch und runter, was das Ganze noch interessanter gestaltete.

Zur Begrüßung eines neuen Jahres gehören Gaumenfreuden. Auch daran war gedacht worden. Wildsuppe, Rauchwurst und andere Leckereien ließen sich die Hundefreunde bei Glühwein schmecken und erwärmten sich ein wenig am Feuer.

Später mussten sie selbst ran, indem sie mit ihren Vierbeiner einen von Hubertus Scammel angelegten Parcours zu bewältigen hatten.

Ja, ein verrücktes Völkchen, sind diese Angelika Reif und ihre Mitstreiter schon, die es selbst bei minus zehn Grad und Sonntagsruhe mit ihren Hunden nicht zu Hause hält.