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Räuchergeheimnis des Lausitzer Fisches
Teichwirt fischt in Litschen ab

Karsten Ringpfeil beim Abfischen der Fischgrube zwischen dem Großen Ballackteich und dem Großen Schlossteich unweit von Litschen.
Karsten Ringpfeil beim Abfischen der Fischgrube zwischen dem Großen Ballackteich und dem Großen Schlossteich unweit von Litschen. FOTO: amz
Litschen. Warthaer Unternehmen einst in Lohsa gegründet. Gefräßige Kormorane schmälern die Ernte. Von amz

Das Reich von Teichwirt Karsten Ringpfeil ist groß: 52 Teiche mit 380 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet er im nunmehr fast 90 Jahre alten Familienbetrieb. Seit vier Jahren führt der 42-Jährige die Teichwirtschaft Ringpfeil mit Sitz in Wartha.

Eigentlich, so erklärt der Diplom-Agraringenieur für Fischwirtschaft, ist das Unternehmen einst in Lohsa gegründet worden. Doch ein Teil der Teiche musste hier dem Bergbau weichen, der Umzug nach Wartha folgte. Doch noch immer bewirtschafte die Teichwirtschaft Ringpfeil Gewässer in der Lohsaer Umgebung - auch die Ballackteiche unweit von Litschen.

Für Karsten Ringpfeil ist jetzt Erntezeit im Wasser. Der Sommer ist zwar durchwachsen gewesen. Besser wären für die Fischernte länger anhaltende Schönwetterperioden. Doch er hofft er auf ein zufriedenstellenden Fang.

Das Unternehmen hatte einst Urgroßvater Albert Ringpfeil gegründet. Anno 1930 hatte der spätere sächsische Landesfischmeister (ab 1945) die Bewirtschaftung der Warthaer Teiche übernommen. Anschließend übernahmen der Großvater und der Vater den Betrieb. Und dann Karsten Ringpfeil selbst. „Ich habe natürlich den Vorteil, dass ich bereits mit dieser Materie aufgewachsen bin“, sagt der Unternehmer. Schon in frühester Kindheit sei er an und auf den Teichen unterwegs gewesen, habe die Kunst des Fischens von der Pike auf gelernt. Im Alter von etwa 14 Jahren, so erinnert sich Karsten Ringpfeil, hat ihn sein Großvater auch in die Geheimnisse des Fischräucherns eingeführt. Das Wichtigste dabei: „Man muss den Räucherofen verstehen, genau wissen, was dort passiert.“ Zum einen werde der Fisch gegart, zum anderen sorge der Rauch nicht nur für das typische Aroma, sondern auch für eine längere Haltbarkeit. Doch die Feinheiten während dieses Prozesses gibt Ringpfeil natürlich nicht preis. „Familiengeheimnis“, sagt er schmunzelnd.

Nach dem Studium an der Berliner Humboldt-Universität führte den Lausitzer sein Weg zu verschiedenen Teichwirtschaften in Bayern sowie in Frankreich. Die bedeutendste Erkenntnis dieser Wanderjahre: „Die kochen auch nur mit Wasser.“ In Bayern ist Karsten Ringpfeil von der Naturferne der dortigen Teiche enttäuscht gewesen. „Manche Landwirte ackern dort bis an den Gewässerrand heran.“ Das sei in der Lausitz in aller Regel nicht der Fall. Die hiesigen Teiche präsentierten sich, obwohl ebenfalls allesamt von Menschenhand angelegt, wesentlich natürlicher. Zudem gebe es herrliche alte Bäume auf den Teichdämmen und ein artenreiches Umland.

Alljährlich, wenn sich die knorrigen Eichen am Großen Ballackteich bei Litschen zu färben beginnen, ist wieder Erntezeit, der Höhepunkt des Fischerjahres. Kurios: Die Fische werden hier nicht direkt im Teich gefangen, sondern in der daneben befindlichen ausbetonierten Fischgrube. „Das ist effizienter, man kommt besser ran, und die Besucher können das Abfischen wie in einem Amphitheater beobachten“, sagt Karsten Ringpfeil.

Trotz beschaulicher Natur und gutem Fischabsatz hat der Teichwirt auch Sorgen. Beispielsweise wegen der gefräßigen Kormorane. Tausende dieser Vögel fallen in die Teichlandschaft ein und vertilgen vor allem den Fischnachwuchs. So seien in ganz Sachsen die Erträge massiv zurückgegangen. Karsten Ringpfeil spricht von einem Gesamtverlust im Freistaat von rund 2000 Tonnen im Jahr. Früher seien es noch 6000 bis 7000 Tonnen gewesen. Allein am nicht weit entfernten Knappensee, der seit Jahren bergbautechnisch gesperrt ist, halten sich bis zu 500 Kormorane auf. In den Teichen machen die Vögel wegen der geringen Tiefen leichte Beute. Selbst Abschüsse, die in Sachsen mit Genehmigung möglich sind, änderten kaum etwas an diesem Desaster.

Darüber hinaus muss sich Karsten Ringpfeil Sorgen um die fünfte Generation in seinem Unternehmen machen. Eine Frau habe er noch nicht gefunden. „Die Arbeit fordert mich voll und ganz. Mit einem Acht-Stunden-Tag ist es nicht getan. Damit kommen viele Frauen nicht klar.“ Doch die Hoffnung hat der 42-Jährige noch nicht aufgegeben. „Schließlich muss der Betrieb ja weiterleben.“ Und in nicht allzu ferner Zeit steht bereits der 100. Gründungstag der Teichwirtschaft an. Bis dahin wäre es super, wenn auch die fünfte Generation der Ringpfeilschen Fischergeneration in Großvaters Räuchergeheimnisse eingeweiht wäre, so sein ganz persönlicher Wunsch.