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Hoyerswerda
Rad mit Trethilfe bekommt Kultstatus

Für die Hersteller sind die Pedelecs, die Räder mit Elektromotor, das heiße Ding der Stunde. Ein Einstiegsmodell ist dieses Pedelec, das Michael Steffen, der Hoyerswerdaer Filialleiter von „Zweirad Steffen“, hier zeigt.
Für die Hersteller sind die Pedelecs, die Räder mit Elektromotor, das heiße Ding der Stunde. Ein Einstiegsmodell ist dieses Pedelec, das Michael Steffen, der Hoyerswerdaer Filialleiter von „Zweirad Steffen“, hier zeigt. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Dieses Frühjahr zeigt es wieder sehr deutlich: Pedelecs sind zunehmend gefragt. Auch bei den hiesigen Fahrradhändlern. Von Rainer Könen

Fahrrad fahren macht glücklich. Das hat auch die Wissenschaft längst erkannt. Rad fahren kurbelt die Produktion von Glückshormonen an, und sogar der Sexualhormonstoffwechsel wird mächtig gesteigert. Und es gibt seit einiger Zeit Räder, mit denen Berge und Distanzen locker zu überwinden sind. Mit ihnen lässt sich am Stau vorbei zur Arbeit fahren, ohne dass der Rush-Hour eine Dusch-Hour folgen muss. Die Rede ist vom Pedelec, das der Volksmund auch gern als E-Bike bezeichnet. In der Region ist es immer häufiger auf Straßen und Radwegen zu sehen.
„Es ist schon Wahnsinn, wie viele Leute auf ein Pedelec umsteigen“, sagt Nino Schwanke vom Wittichenauer Radgeschäft „Drahtesel“. Die Nachfrage nach diesen Rädern sei enorm. Die Kundschaft müsse sich mittlerweile auf längere Wartezeiten einstellen, so Schwanke weiter.

Wer hätte das gedacht! Bis vor einigen Jahren galten diese mit einem Elektromotor ausgerüsteten Räder  als Accessoires für Rentner oder Leute, die nicht gut zu Fuß waren. Mittlerweile sind andere Altersgruppen auf diesen Rad-Geschmack gekommen. „Die Pedelec-Kundschaft wird jünger“, hat Sven Philipp registriert. Der Inhaber des Lautaer Geschäftes „Philli’s Fahrrad Shop“ berichtet, dass auch bei ihm die Nachfrage nach Pedelecs beträchtlich angewachsen sei. Das liege sicher daran, dass Radler die Vorteile dieser Zweiräder erkannt haben.
Die Motorleistung eines Pedelecs ist über einen Kraft- beziehungsweise Bewegungssensor automatisch an die Muskelkraft des Fahrers gekoppelt. Da der Motor nur während des Tretens aktiv ist, steht die Muskelkraft immer im Vordergrund. Die Motorleistung eines E-Bikes wird beansprucht, wenn am Gasgriff, respektive dem Knopf für den Antrieb, gedrückt wird. Bei E-Bikes gilt: Muskelkraft und Elektromotor sind unabhängig voneinander wirkende Systeme. Daher können E-Bikes sowohl rein elektrisch wie auch im Mischbetrieb gefahren werden. Ebenso ist das reine Treten möglich.
Michael Steffen,  Hoyerswerdaer Filalleiter von „Zweirad Steffen“, erzählt, dass in der Zuse-Stadt sicher auch der demografische Wandel für diesen Trend mitverantwortlich ist, dass „die Pedelecs so gut ankommen“. Denn wessen Kräfte altersbedingt nachließen, schätze so ein elektrisch unterstütztes Zweirad. Ergo, so der 37-Jährige, „mit einem Pedelec oder E-Bike lässt sich weiterhin etwas für die körperliche Gesundheit tun.“
Die Beliebtheit der Pedelecs nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Rund 75 Millionen Fahrräder besitzen die Deutschen, jährlich kaufen sie etwa vier Millionen neue, darunter zunehmend Pedelecs. So wurden 2015 bundesweit mehr als eine halbe Million dieser Räder verkauft, und die Tendenz ist steigend. Und das liegt sicher auch am Design, denn mittlerweile kommen Pedelecs nicht mehr wie ein Treppenlift auf Rädern daher. Sie werden zunehmend mit integriertem Akku produziert und angeboten. Etwas schwerer als herkömmliche Räder sind sie jedoch nach wie vor, sagt Michael Steffen. Ein Pedelec wiege im Schnitt zwischen 20 und 25 Kilogramm, ein normales Bike im Schnitt zwischen acht und zwölf Kilogramm.

Ob Renn-, Stadt-, Lasten- oder Trekkingräder mittlerweile werden viele mit Elektromotor ausgerüstet. Laut Stefan Wiesner, Inhaber des Hoyerswerdaer Radgeschäftes „Bike-Point“. hat sich der Marktanteil bei den Rädern zugunsten der E-Bikes und Pedelics verschoben. Wiesner selbst trainiert derzeit für eine Alpen-Überquerung mit einem Mountainbike, das mit Akku ausgerüstet ist. Der Vorteil: „Man kurbelt gleichmäßiger, kann die Muskelkraft konzentrierter einsetzen.“ So könne er im Oberland die Berge kraftsparender bewältigen.

Statistiken zeigen, dass das Durchschnittsalter der Elektrorad-Käufer seit geraumer Zeit sinkt. Menschen ab 50 Jahren nutzen Pedelecs eher zum Einkaufen und für Ausflüge. Die 18- bis 50-Jährigen hingegen sehen Elektrofahrräder vor allem pragmatisch, als Verkehrsmittel zum Pendeln an den Arbeitsplatz.

Vor acht Jahren sah das noch anders aus, da war jeder zweite Pedelec- oder E-Bike-Kunde zwischen 45 und 60 Jahre alt. Zudem machten die über 60-Jährigen fast ein Drittel aller Käufer aus.

Seit 2012 stellt sich die Situation ganz anders dar. Die 30- bis 45-Jährigen haben das Elektrofahrrad allem Anschein nach für sich entdeckt. Ihr Anteil hat sich verdreifacht, ist von 15 auf 45 Prozent gestiegen. Damit bilden sie inzwischen die größte Käuferschicht.

Mit ein Grund für diese Entwicklung ist, dass umweltbewusste Menschen das Auto als Last empfinden. Mit einem Rad. respektive einem Pedelec, „gibt es keine Parkplatzprobleme, lassen sich Steuern und Spritkosten sparen“, so der Wittichenauer Nino Schwanke. Obendrein ließe sich auf dem Weg zur Arbeit noch etwas für die Gesundheit tun. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen auf den Geschmack kommen und in der Freizeit mit ihren Pedelecs Ausflüge und Radtouren unternehmen. Das sei die logische Konsequenz, sagt der Lautaer Sven Philipp. Eines sollte jedoch beim Fahren mit Pedelec oder E-Bike immer im Blick behalten werden: der Akku. Er muss regelmäßig aufgeladen werden. Im Schnitt reiche ein400-Watt-Akku bis zu 190 Kilometer, so Michael Steffen. Je nachdem, ob im Öko-, Normal-, Sport- oder Turbo-Modus geradelt werde.
Auf jeden Fall, so Stefan Wiesner, sei das Pedelec auf dem besten Weg, Kult zu werden. In acht bis zehn Jahren, ist sich Wiesner ziemlich sicher, „werden 80 Prozent aller Zweiräder Pedelics und E-Bikes sein“. Sicher auch, weil das Fahren mit diesen Rädern, wie es der Lautaer Sven Philipp beschreibt, „jedem ein positives Lebensgefühl“ vermittelt“.