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| 14:42 Uhr

Puppenspielfest
Teufel will gemahlene Pferdeäpfel

Was kaspern der Müllerbursche, der Teufel, Ekkehart Heute und der Müllermeister miteinander aus? Und welche Rolle spielt dabei das Smartphone? Zum Puppenspielfest gibt es die Antwort.
Was kaspern der Müllerbursche, der Teufel, Ekkehart Heute und der Müllermeister miteinander aus? Und welche Rolle spielt dabei das Smartphone? Zum Puppenspielfest gibt es die Antwort. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Zum zehnten Mal findet auf der Kleinkunstbühne Unterm Schloss 48 das Bautzener Puppenspielfest statt. Für Gastgeber Ekkehart Heute markiert es einen Neuanfang. Von Uwe Menschner

„Seine Frau zum Weibe? Nee, nee. Die behalt mal selber.“ Meckernd lacht der Teufel über die Vermutung des Müllers zu dem Deal, den er ihm gleich anbieten wird. Nein, er braucht nicht des Müllers Gemahlin. Er will etwas ganz anderes: „Auf ewige Zeiten will ich im 16. Mahlgang meine Pferdeäppel mahlen.“

Es sind derbe, volkstümliche Stoffe, die auf der kleinen Bühne von Ekkehart Heute zur Aufführung kommen. Inspiration liefert dem Bautzener schon seit jeher die reichhaltige Sagenwelt seiner Heimat – so auch die Sage vom Blutfleck an der Großen Mühle, die nicht nur in der näheren, sondern in der unmittelbaren Umgebung spielt: Ekkehard Heutes Domizil, „die 48 unterm Schloss“, liegt nur einen Steinwurf vom Schauplatz der Geschichte entfernt.

Seit vielen Jahren ist „Ekki“, wie ihn seine Freunde und Bekannten nennen, eine feste Größe in den Reihen derer, die Besuchern die Schönheiten und Besonderheiten Bautzens nahebringen. Als Stadtführer im Gewand des früheren Stadtbaumeisters Wenzel Röhrscheidt, als Darsteller im Laientheater oder – seit gut zehn Jahren – mit seiner eigenen Kleinkunstbühne im Spreetal zu Füßen der historischen Altstadt. Letztere ist seit 2009 Schauplatz des jährlichen Bautzener Puppenspielfestes, das in diesem Jahr – am 25. und 26. August – zum zehnten Male stattfindet.

Also alles wie immer? Nicht ganz. Ekkehard Heute hat nämlich vor nicht allzu langer Zeit etwas durchgemacht, was man als „Schaffenskrise“ bezeichnen könnte. „Beim altertümlichen Adventsmarkt im vergangenen Jahr habe ich festgestellt, dass ich mit meinen alten Puppen, Kulissen und der Bühne nicht mehr spielen kann.“ Was jahrelang so viel Spaß bereitet hatte, fiel auf einmal unendlich schwer. „Natürlich hat das auch das Publikum bemerkt. Für mich war klar: Entweder ich erfinde mich neu, oder ich höre auf.“

Ekki entschied sich fürs „neu Erfinden“. Er begann von vorn: baute eine neue Bühne auf und bevölkerte diese mit neuen Puppen. Er studierte die eigentlich seit Jahren erprobten Stücke neu ein. Kurz und gut: Er fand die Freude am Puppenspiel wieder. Und diese Freude soll auf die Besucher beim Puppenspielfest am letzten Augustwochenende überspringen, bei dem Ekkehard Heute zwei Adaptionen Bautzener Sagen auf die Bühne bringen wird: „Die Sage vom tollen Bartholomäus oder zu Budissin hängt man die Diebe zweimal“ sowie eben die Sage vom Blutfleck an der Mühle. Bei der erstgenannten Aufführung kann es – so viel sei schon verraten – ein bisschen gruselig werden.

Doch natürlich bestreitet Ekkehart Heute das Programm des Festes nicht allein. „Die Organisation liegt in den Händen des Steinhaus e.V., und das hat eine ganze Reihe namhafter sächsischer Puppenspieler engagiert“, berichtet er. Dazu zählen das Erzähltheater „Papperlapapp“ aus Leipzig, das Puppentheater Funke aus Coswig, die Puppenbühne Hellwig aus Radebeul, das Puppentheater Eckstein aus Leipzig sowie als weitere Lokalmatadoren das „Spinnrad“ aus Bautzen. Historische, aber auch aktuelle Stoffe kommen auf die Bühne der „sagenhaften 48 unterm Schloss“.

Einen ganz besonderen Programmpunkt stellt das Konzert von Iris Romen und Band am Sonnabend 21.30 Uhr dar: Mit ihm bedankt sich der Wasserkünstler Tilo Rosjat bei allen, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten bei der Gestaltung des Wasserkunstfestes unterstützt haben, das 2017 zum letzten Mal stattfand. Dafür feiert in diesem Jahr das vom Bautzener Tourismusverein organisierte Altstadtfestival am ersten Septemberwochenende seine Premiere. „Es gab Überlegungen, unsere Veranstaltung in das Altstadtfestival zu integrieren, doch wir haben uns dann für ein eigenständiges Event entschieden“, so Ekkehard Heute. „Aber natürlich freue ich mich über alles, was zur Belebung Bautzens beiträgt, und bin für jede Zusammenarbeit offen.“

Ach ja, und was ist nun eigentlich aus den gemahlenen Pferdeäppeln geworden? „Keine Ahnung. Niemand weiß, wozu die gut sein sollen.“ Vielleicht liefert ja die Aufführung am 26. August neue Erkenntnisse zu dieser Frage.