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| 19:00 Uhr

Puppenklinik in Hoyerswerda
Puppenklinik macht in Hoyerswerda Station

Ute Geier kommt nach Hoyerswerda und behandelt am 24. Mai in der RUNDSCHAU-Redaktion „kranke“ Teddys und Puppen.
Ute Geier kommt nach Hoyerswerda und behandelt am 24. Mai in der RUNDSCHAU-Redaktion „kranke“ Teddys und Puppen. FOTO: Günter Geier
Hoyerswerda. 56 Jahre hat Günter Geier Puppen und Teddys gesund gepflegt. Seit kurzem hat Ehefrau Ute, gebürtige Hoyerswerdaerin, „die Fäden“ in der Hand. Am Donnerstag machen beide ambulanten Klinikstopp in der Rundschau-Lokalredaktion Hoyerswerda. Günter Geier verrät im Interview vorab, was ein Puppendoktor macht. Von Anja Hummel

Wie sieht eine Sprechstunde in einer Puppenklinik aus?

Günter Geier: Die Leute bringen die Patienten vorbei und dann wird geprüft, wie lange die Behandlung dauert. Das ist das Grundprinzip. Wenn es nur eine Kleinigkeit ist, können die Leute warten. Manchmal dauert es aber auch länger.

Welche Krankheiten behandeln sie denn am häufigsten?

Geier: Das ist wie bei den Menschen auch. Schädelbasisbruch, Rheuma, Leistenbruch, Blinddarm und so weiter. Nur bei uns fließt kein Blut, das ist das Schöne dabei. Wenn zum Beispiel der Kopf total hinüber ist, muss man den ersetzen und das mache ich nur mit Originalteilen. Sonst mindert das den Wert der Puppen. Originalköpfe müssen aber meistens bestellt werden.

Mit welchen „Werkzeugen“ arbeiten Sie denn?

Geier: Das ist wie beim Chirurgen. Säge, Pinzette, Feile, Schere. Und wenn Kinder kommen hab ich auch ein Stethoskop dabei, um Puppe oder Teddy abzuhören. Für die ist das ihr Lieblingsstück. Die machen dann immer große Augen. Augen haben wir übrigens auch genügend mit. Wir kommen mit 4000 Ersatzteilen wie Bärenaugen, Puppenaugen, Köpfen, Armen, Beinen und sehr vielen Perücken. Die sind sehr gefragt, weil es geknüpfte  kaum mehr gibt. Und Kunststoffperücken verwende ich nur in ganz seltenen Fällen. In unserer stationären Praxis zu Hause in Lisberg bei Bamberg gibt es etwa 25 000 Ersatzteile.

Sie haben Anfang des Jahres offiziell Ihre Arbeit als Puppendoktor beendet. Nun hat Ihre Ehefrau Ute  Faden und Schere in der Hand.

Geier: Wir wollten das nicht aufgeben, es gibt immer noch genügend Anfragen. Die Puppendoktoren sterben aus und da hat meine Frau gesagt, dass sie, 20 Jahre jünger als ich, weitermacht. Sie war immer meine Assistenzärztin, sie kann genauso viel wie ich und ist auch mit Begeisterung und Leidenschaft dabei. Solange es noch geht, begleite ich meine Frau bei den ambulanten Stationen. Ich bin auch bei der Hoyerswerdaer Sprechstunde dabei.

Welchen Wert hat Ihr Beruf als Puppendoktor?

Geier: Das ist ein ideeller Wert. Man interessiert sich schon für die Arbeit, auch die Presse. Ich mache es aber aus Liebe, sonst hätten wir längst gesagt, dass wir aufhören. Und auch die Puppenbesitzer kommen mit ideellen Werten. Es kommen wenig Kinder, sondern eher ältere Herrschaften, die die Puppen ihrer Kindheit gerettet haben. Und das sind natürlich Edelpuppen. Früher gab es wirklich tolle Puppen, heute gibt es viel Schrott, der aus Fernost kommt. Das mag ich überhaupt nicht.

Wenn wir mal vom ideellen zum materiellen Wert übergehen: Welche war denn Ihre wertvollste „Patientin“?

Geier: Das war das Kaiserbaby, welches vom letzten deutschen Kaiser (Anmerk. d. Red.: Wilhelm II.) geformt wurde. Das war aus Porzellan. Die Kundin wusste gar nicht, was sie da hatte. Ich habe viermal hin geschaut, ob das ein Original ist und das war es. Das hat einen Wert von etwa 17 000 Euro. Ich musste bei der Puppe nur eine Kleinigkeit reparieren und das war mir auch recht so. So eine teure Puppe sollte einem nicht herunterfallen oder wegkommen. Da hat man Ehrfurcht davor.

Wie viele Puppen haben Sie insgesamt schon behandelt?

Geier: Das kann ich nicht sagen. Das waren zigtausende Puppen und Plüschtiere. Wir haben aber keine der Patienten auf den Puppenfriedhof schicken müssen.

Am Donnerstag, 24. Mai, sind Ute und Günter Geier von 10 bis 16 Uhr mit ihrer ambulanten Puppenklinik in der Rundschau-Lokalredaktion Hoyerswerda, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 12, zum Behandeln von Puppen und Plüschtieren im Einsatz. RUNDSCHAU-Abonnenten bekommen 20 Prozent Nachlass auf die Behandlungskosten.

Günter Geier (78).
Günter Geier (78). FOTO: Günter Geier