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Prozess von Kommunikation und Debatte

Abschluss Zuse-Seminar: ZCOM-Leiterin Andrea Prittmann (r.) nahm sich trotz Eröffnungsstress die Zeit für die Arbeitstreffen und die Präsentation der Seminargruppe "Zuse und die Kunst".
Abschluss Zuse-Seminar: ZCOM-Leiterin Andrea Prittmann (r.) nahm sich trotz Eröffnungsstress die Zeit für die Arbeitstreffen und die Präsentation der Seminargruppe "Zuse und die Kunst". FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Während seit Wochen hinter den Kulissen fleißig an der Eröffnung gefeilt wurde, hat das neue Zuse-Computer-Museum ZCOM bereits ab und an die passende Arbeitsfläche für manche Themenveranstaltung geboten. Am Freitag präsentierten die etwa 50 Teilnehmer des 10. Zuse-Seminares hier ihre Ergebnisse aus vier Monaten Workshop-Arbeit. Mandy Fürst / mft1

Kein geringerer als Horst Zuse, der Sohn des Hoyerswerdaer Ehrenbürgers und Computer-Erfinders Konrad Zuse, hatte den Teilnehmern des Jubiläumsseminares zur Eröffnung im September 2016 den Auftrag erteilt, ruhig jede verrückte Idee in die Forschungstat umzusetzen.

Schließlich sei das Zuse-Seminar der Lausitzer Technologiezentrum GmbH, kurz Lautech, das einzige seiner Art weltweit. Und mit fünf statt bisher vier Workshops hatten die Macher vom Lautech den Schülerinnen und Schülern der Hoyerswerdaer Gymnasien ein noch breiteres Angebot an Themen unterbreitet, als es bisher der Fall war.

Im Workshop 1 suchten und untersuchten die Teilnehmer Zusammenhänge zwischen dem Computer und dem sozialem Verhalten seiner Nutzer. Sie fanden heraus, dass fast 100 Prozent der jungen Leute im Alter zwischen 14 und 20 Jahren ein Smartphone, aber nur an die zehn Prozent ein e-Book nutzen. Das "normale Buch" sei also noch oder wieder im Trend, so ihr Schlussfolgerung. Außerdem ermittelten die Workshopteilnehmer, dass sich 43 Prozent der Befragten täglich zwischen ein und drei Stunden mit digitalen Medien beschäftigen. 28 Prozent verbringen drei bis fünf Stunden mit Computer & CO. Knapp 22 Prozent bringen es sogar auf mehr als fünf Stunden Mediennutzung am Tag.

Folgerichtig geben 62 Prozent an, digitale Medien seien für sie "sehr wichtig". 20 Prozent beschreiben den Stellenwert der Medien für ihr Leben gar als "unverzichtbar". Die wichtigste Quelle für Informationen über die Nutzung der Neuen Medien sei die Schule, sagen mehr als 40 der 114 Befragten. Familie und Freunde liegen mit Abstand dahinter, aber knapp vor der Auskunft von 31 Umfrageteilnehmern, sie seien von niemandem explizit über den Umgang mit Medien unterrichtet worden. Wichtigste Regel des von den Jugendlichen entwickelten Verhaltenskodex: "Man steht in der eigenen Verantwortung!"

Workshopleiter Günter Kiefer lobte den kritischen Blick und die Meinungsfestigkeit der Jugendlichen. Die gemeinsame Arbeit sei vom Beginn bis zur Entwicklung der Präsentation ein stetiger Prozess von Kommunikation und Debatte gewesen.

Im zweiten Workshop zum Thema Biotechnologie lernten die Jugendlichen unter Anleitung von Professor Schierack von der BTU Cottbus-Senftenberg, Bakterienkulturen anzulegen und einen Biofilm zu erstellen. "Ich will einen Einblick in die Komplexität des Themas und die hohe Technisierung der Forschung vermitteln", sagte Schierack und betonte, er würde sich freuen, "wenn Viele naturwissenschaftliche und technische Fächer studieren würden".

Workshop Nummer drei beschäftigte sich mit technischen und künstlerischen Voraussetzungen der Fotografie. Die Arbeitsgruppe fünf lieferte dem ZCOM-Inventar unter Anleitung von Museumsleiterin Andrea Prittmann 30 in der Klebeband-Technik "Tape Art" gestaltete Stuhlkreationen zu. Die Teilnehmer hätten sogar freiwillige Mehrarbeit geleistet, lobte Prittmann ihre Seminargruppe.

Während alle anderen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse präsentierten, steckt Gruppe vier dieser Tage noch mitten in ihrem Projekt, dessen Ziel ein Film über das 10. Zuse-Seminar sein wird. Die letzten Aufnahmen dazu liefert Seminarleiter Dirk Lienig von der Medienwerkstatt der KuFa und seinen Schützlingen nicht die Veranstaltung, sondern die kurz danach folgende Abschlussfahrt nach Berlin, deren Höhepunkt ein Wiedersehen und ein Rundgang durch das Technikmuseum mit Horst Zuse sein wird.

Der Film zum Seminar wird unter anderem in dem neuen Internetauftritt der Lautech zu sehen sein, der jetzt freigeschaltet ist.

Den unter allen Seminar-Teilnehmern verlosten Laptop konnte die überglückliche Franziska Roeke vom Leon-Foucault-Gymnasium mit nach Hause nehmen. Sie muss das Arbeitsgerät nun nicht mehr mit ihrem Bruder teilen.