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| 16:30 Uhr

Wider das Vergessen
Begegnungen mit Zeitzeugen wider das Vergessen

 Im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda hat Dr. Charles Melis mit Zehntklässlern über die nationalsozalistische Vergangenheit gesprochen.
Im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda hat Dr. Charles Melis mit Zehntklässlern über die nationalsozalistische Vergangenheit gesprochen. FOTO: Cindy Paulick
Nachgefragt: Wie das Projekt „Wider das Vergessen“ einen entscheidenden Beitrag gegen Rechtsextremismus und Gwalt an Schulen leistet. Von Anja Hummel

Es sind wertvolle Begegnungen in der Stadt: Seit 23 Jahren kommen Zeitzeugen nach Hoyerswerda, um Schülern die nationalsozialistische Geschichte zu erzählen. Was das Projekt „Wider das Vergessen“ besonders macht, erklärt Cindy Paulick von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektive (RAA) Hoyerswerda.

Welche Zeitzeugen haben Sie in diesen Jahr nach Hoyerswerda eingeladen?

Paulick In diesem Jahr waren 13 Zeitzeugen anwesend, die die Gymnasien und Oberschulen in Hoyerswerda besuchten. Ein Zeitzeuge, Roelof Ijspeerd, ist aus den Niederlanden angereist. Andere kamen aus Dresden, Berlin und Leipzig. Die Älteste in diesem Jahr ist 90 Jahre alt. Es ist jedes Jahr festzustellen, dass die Schüler sehr interessiert an den Erzählungen und Erlebnissen der Zeitzeugen der ersten und zweiten Generation sind. Weit mehr als 100 Schüler haben am Wider das Vergessen“-Projekt teilgenommen.

Welche Bedeutung hat das Projekt für die Stadt Hoyerswerda und vor allem für die Schüler?

Paulick Das Projekt wird in diesem Jahr zum 23. Mal durchgeführt, was in Kontinuität und Qualität ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal darstellt. Den Jugendlichen der Klassenstufen neun und zehn der fünf Hoyerswerdaer Projektschulen wird ermöglicht, einen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Aus diesem Grund kommen Zeitzeugen, Menschen, die ihre Lebens- und Leidensgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus erzählen, zu Wort. Der im Unterricht erarbeitete allgemeine Wissensstand wird in diesen Gesprächsrunden durch die persönliche, subjektive Sicht der Zeitzeugen ergänzt. Auch Exkursionen an authentische Orte nationalsozialistischer Verbrechen leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung bei den am Projekt beteiligten Jugendlichen. Dank „Wider das Vergessen“ wird eine aktive Prävention gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt an Schulen geleistet.

Das Projekt gibt es schon seit mehreren Jahren. Was hat sich an der Herangehensweise an das Thema und Durchführung seither verändert?

Paulick Der Ablauf hat sich eigentlich nicht geändert. Es gibt am Zeitzeugentag selbst im Nachgang sowie im Verlauf des Schuljahres Auswertungsrunden, bei denen Optimierungspotenzial für das nächste Jahr aufgedeckt wird. Um auch jüngere Kinder für das Thema zu sensibilisieren, wird in jedem Schuljahr auch ein Filmprojekttag für Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben durchgeführt. Wir zeigen den Jugendlichen, dass es immer möglich und notwendig ist, gegen Unrecht und für Menschenrechte und Demokratie einzutreten. Den Schülern soll ein „Hineindenken“ in die Zeit des Nationalsozialismus, in die Perspektive der Opfer und Verfolgten ermöglicht werden.