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| 18:06 Uhr

Hoyerswerda
Problemfall Huckelpiste

Die Claus-von-Stauffenberg-Straße ist eines der Sorgenkinder der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung. Die Sanierung der Achse Stauffenberg-Straße / Weinert-Straße / Külz-Straße würde deutlich mehr als zehn Millionen Euro kosten.
Die Claus-von-Stauffenberg-Straße ist eines der Sorgenkinder der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung. Die Sanierung der Achse Stauffenberg-Straße / Weinert-Straße / Külz-Straße würde deutlich mehr als zehn Millionen Euro kosten. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Die Stadt Hoyerswerda muss rund 190 Kilometer Straßen bewirtschaften. Da bleibt wenig Geld für Großprojekte. Von Sascha Klein

Nahezu jeder kann in Hoyerswerda aus dem Stand zwei bis drei Straßen benennen, die eine Sanierung dringend nötig hätten. Wer zum Beispiel regelmäßig die Erich-Weinert-Straße und die Claus-von-Stauffenberg-Straße benutzt, hat vor Längerem bemerkt, dass diese Straßen schon beinahe historischen Charakter haben. Manche Fahrbahn-Abschnitte hätten gute Chancen, für einen Dokumentarfilm ausgewählt zu werden, der vor 1990 spielt.

In der Stadtverwaltung Hoyerswerda kennt vermutlich auch jeder den Zustand dieser großen Durchfahrtstraßen, die die Wohnkomplexe I, III, IV, VIII und IX voneinander trennen. Das Problem: Nicht einmal ein mittelschwerer Lottogewinn würde der Stadtverwaltung helfen, ihr Straßenproblem in den Griff zu bekommen. Denn: Es sind einfach zu viele Problemstellen auf einmal. Wobei die Stadtverwaltung auch betont: „Auch wenn Straßen scheinbar desolat aussehen, heißt das nicht zwingend,  dass sie nicht mehr ihrer Funktion gerecht werden.“ Bei Anliegerstraßen sei etwa die Reduzierung der Geschwindigkeit ein Mittel, um die Straßen nutzbar zu halten.

Ein Beispiel für den Sanierungsstau und die Sorgen in der Verwaltung: die Achse Claus-von-Stauffenberg-Straße / Erich-Weinert-Straße / Dr. Külz-Straße. Die Stadtverwaltung rechnet vor: Für den gesamten 2,7 Kilometer langen Straßenzug quer durch die Neustadt ist eine Machbarkeitsstudie erstellt worden. Das Ergebnis: Allein zehn Knotenpunkte sind zu beachten. Das sind mehr als fünf Einzelvorhaben, teilt Rathaus-Sprecher Bernd Wiemer mit. Das bedeutet: Die erwarteten Baukosten belaufen sich auf geschätzte zehn Millionen Euro. Eine genaue Planung gebe es dafür nicht, heißt es aus dem Rathaus. Enthalten seien darin auch keine Planungs- und Baunebenkosten. Wahrscheinlich ist deshalb: Die Kosten würden zehn Millionen Euro sehr deutlich übersteigen. Die Konsequenz für die Stadtverwaltung: „Vorerst wird nicht weiter an der Umsetzung der enthaltenen Einzelmaßnahmen gearbeitet.“ Was bedeutet: Es gibt keine Sanierung.

Allerdings: Die Stadtverwaltung muss Kosten für Straßensanierungen nicht in jedem Fall komplett aus eigener Tasche begleichen. Wie Stadtsprecher Bernd Wiemer betont, gebe es Fördermöglichkeiten durch den Freistaat. Die sperrige Richtlinie heißt „Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr für die Förderung von Straßen- und Brückenbauvorhaben kommunaler Baulastträger“ (siehe Info). Unter anderem fließt Geld für die Ortsdurchfahrt Dörgenhausen.

Jedoch ist nicht jede Straßensanierung einfach eine Straßensanierung. An vielen Projekten hänge viel mehr als der Otto-Normalbürger im Blick haben kann. Laut Stadtverwaltung sind bei etlichen Straßen neben der reinen Straßendecke auch noch viele andere Parameter zu beachten: Straßenentwässerung, Straßenbeleuchtung und auch die Erneuerung der unterirdischen Medien. Es seien immer Einzelentscheidungen, die zum jeweiligen Straßenzug getroffen werden müssten, so Wiemer. „Es genügt nicht, eine Straße optisch in einen zufriedenstellenden Zustand zu bringen, wenn anderweitige Erneuerungen zwingend erforderlich sind“, so der Rathaus-Sprecher weiter.

Allerdings, so betont die Stadtverwaltung, müsste zunächst das Hauptstraßennetz gesehen werden. Danach seien die meisten Straßen nach 1990 erneuert oder instand gesetzt worden. Jedoch schränkt Wiemer ein: „Dabei ist durchaus zu berücksichtigen, dass auch diese Instandsetzungen nunmehr bereits bis zu 25 Jahre zurück liegen und somit eine grundhafte Erneuerung schon wieder betrachtet werden müsste.“ Jedoch sind laut der Stadtverwaltung die notwendigen Ressourcen derzeit weder finanziell noch personell vorhanden, um alle Bedarfe zu erfassen und zu betrachten.  Auch durch Projekte Dritter – Wiemer nennt dabei die Deutsche Bahn AG und das Landesamt für Straßen und Verkehr – ergeben sich regelmäßig „Handlungszwänge, wo die Stadt sich einbringen und Prioritäten anpassen muss“. Und somit wird etwa die Stauffenberg-Straße auch Anfang des kommenden Jahrzehnts noch so aussehen wie heute.

Blick auf die Claus-von-Stauffenberg-Straße: Die Straße, die von der B 97 bis zur Klinikum-Kreuzung führt, ist in den vergangenen Jahren oft geflickt worden. Ob und wann es eine Sanierung gibt, ist derzeit offen.
Blick auf die Claus-von-Stauffenberg-Straße: Die Straße, die von der B 97 bis zur Klinikum-Kreuzung führt, ist in den vergangenen Jahren oft geflickt worden. Ob und wann es eine Sanierung gibt, ist derzeit offen. FOTO: LR / Sascha Klein