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| 01:04 Uhr

Preisgekrönte Luftkuriere

Hoyerswerda.. Simon Ullrich ist erst 17 Jahre alt. Und doch hat er die erfahrene Konkurrenz bei der diesjährigen Brieftaubenschau des Regionalverbands 300 Berlin/Brandenburg souverän hinter sich lassen können. Thomas Köhler

Seine Taube 1708 - das ist die Ringnummer des Tieres - gewann den Wettbewerb „Standard männlich“ .
Die Taubenschau fand am Wochenende in der Hoyerswerdaer Lausitzhalle statt. Dort präsentierten sich auch die Brieftaubenzüchter der Reisevereinigung Hoyerswerda, die dem Regionalverband 300 angehören.
Mit dem Siegervogel verbindet Simon Ullrich eine ganz besondere Geschichte: "Die Taube ist der Nachkomme von dem Vogel, den mir damals noch mein Opa geschenkt hat. Bei uns zu Hause bin ich mittlerweile die vierte Generation, die diese Tradition aufrechterhält", erzählt der 17-Jährige aus Nauen bei Potsdam. Und Simon Ullrich weiß, was einen guten Züchter erst ausmacht: "Die Nähe zu den Tieren und die Kunst, Vertrauen zu ihnen aufbauen zu können, macht den Unterschied."
Auch heute noch erfüllen die Brieftauben den guten alten Zweck, das Verschicken kleiner Mitteilungen ist heutzutage noch nicht ganz ausgestorben: "Wenn mir eine Taube eines anderen Züchters zufliegt, dann schicke ich sie schon mal mit einer Nachricht zurück", erzählt Simon Ullrich.
Auch Regionalverbandsvorsitzender Hans Kula (69) freut sich über den so erfolgreichen Nachwuchs: "Die Ausstellung soll auch wieder bei der Jugend etwas mehr Interesse an der Taubenzucht wecken", erzählt der Vogelfreund. Der Verband hat, wie viele andere Züchtervereine auch, große Nachwuchssorgen.
Hans Kula selbst geht diesem sehr aufwendigen und intensiven Hobby nun schon über 50 Jahre nach. "Vom Verein aus veranstalten wir immer wieder Wettflüge, in denen die Tauben Entfernungen von 200 bis 700 Kilometer zurücklegen. Ein Chip am Bein der Taube kann dank GPS dann die genaue Geschwindigkeit des Vogels messen. So können wir mit modernster Technik die besten Brieftauben ermitteln", erzählt Hans Kula begeistert. Er weiß, dass nicht jeder Vogel ein Spitzenathlet ist: "Wenn die Brieftauben im Geburtsjahr ihre ersten Flüge absolviert haben, trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Die wenigen sehr guten Tiere in meinem Taubenschlag verdanke ich der Auslese bei der Zucht selbst", sagt Hans Kula.
Bei dem eigentlichen Phänomen, der Rückkehr in den Taubenschlag, teilen sich die Meinungen der Wissenschaftler bis heute. "Man kann noch immer nicht konkret sagen, warum eine Brieftaube immer wieder den Weg zurück nach Hause findet. Manche sprechen von Magnetfeldern, wiederum andere von Kreisbahnen, die die Vögel möglicherweise ziehen. Bis heute gibt es dafür keine wirkliche Erklärung", sinniert Hans Kula.
Die Taubenschau am Wochenende in Hoyerswerda war aber auf jeden Fall eine gelungene Sache, die auch jede Menge Besucher anlockte.