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| 17:19 Uhr

Hoyerswerda
Positiv-Trend fürs Lausitzer Seenland

Hoyerswerda. Tourismusbarometer zeigt Zuwächse für Betriebe. Riesenproblem bleibt der Fachkräftemangel. Von Sascha Klein

Das Lausitzer Seenland und seine größte Stadt Hoyerswerda zeigen sich anlässlich der Vorstellung des Sparkassen-Tourismusbarometers von der allerbesten Seite. Sonne satt, leichte Schäfchenwolken am Himmel, die Zahlen stimmen – und trotzdem ist im sächsischen Tourismus noch lange nicht alles so, wie es sich Experten und Unternehmer vorstellen.

Die nackten Zahlen, die im Zuse-Computermuseum (Zcom) vorgestellt werden, versprechen erst einmal Gutes – vor allem für das Lausitzer Seenland im Ganzen. Im Vergleich zu 2012 hat die Region ein Plus von 27,7 Prozent bei gewerblichen Übernachtungen hingelegt. Das bedeutet: Rund 754 000 Übernachtungen sind gezählt worden – viele kleine Betriebe, von denen das Seenland eine Menge hat, tauchen in der Statistik aber gar nicht auf. Während die Urlauber in der Region allerdings trotzdem abtauchen und die Landschaft im Wandel erleben, hat das Lausitzer Seenland weiterhin das Problem, nicht als eigene Tourismusdestination anerkannt zu werden. Das hat auch Dr. Mathias Feige von der Firma „dwif-Consulting“ längst registriert. Er und sein Kollege Dr. Manfred Zeiner haben am Donnerstag die Sachsen-Ergebnisse des Tourismusbarometers vorgestellt. „Für eine eigene Destination braucht das Lausitzer Seenland eine Million Übernachtungen pro Jahr“, sagt Feige. „Eigentlich haben sie die längst, es ist aber statistisch nicht anerkannt.“ Deshalb plädiert er dafür, das Seenland auch institutionell als eigene Tourismusregion anzuerkennen.

Was in ganz Sachsen hoch ist, ist die Zufriedenheit der Gäste. Laut des Sparkassen-Tourismusbarometers sind in Sachsen im Jahr 2017 insgesamt 83,3 Prozent der Gäste zufrieden wieder nach Hause gefahren. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei schneidet die Oberlausitz, zu der auch das Seenland gehört, mit 83,7 Prozent sogar noch besser als der Durchschnitt ab. Besser sind nur noch das Erzgebirge (84,2 Prozent) und Spitzenreiter Sächsische Schweiz (85,5 Prozent).

In der Oberlausitz gibt es ein Hotel, das durch die Experten von „dwif-Consulting“ sogar als eines der besonderen im Freistaat herausgestellt wird: Das Hotel „Insel der Sinne“ am Berzdorfer See nahe Görlitz – also auch an einem einstigen Tagebau. Das Haus mit 46 Zimmern und Suiten ist erst im Juli dieses Jahres eröffnet worden. Geschäftsführerin ist Ina Lachmann. Den Angaben zufolge sind dort mehr als vier Millionen Euro investiert worden. Das ist einer der höchsten Invesitionen in Hotels in Sachsen in diesem Jahr, heißt es im Tourismusbarometer.

Sachsen, und auch Seenland und Oberlausitz, haben zwei gemeinsame, große Probleme. Auch das ist ein Ergebnis der Untersuchung. Die Internet-Erreichbarkeit und das Internet-Angebot vor Ort sei noch zu gering. Das sei einer der Kritikpunkte von Gästen. Zudem bereitet der Fachkräftemangel vielen Unternehmen in der Tourismuswirtschaft große Sorgen. Besserung ist zurzeit nicht in Sicht, sagt Mathias Feige: „Im Moment gibt es kein Rezept zum Thema Fachkräftemangel.“

Allerdings gibt es während der Vorstellung des Tourismusbarometers jede Menge Hinweise, wie sich Hoteliers, Gaststätten- und Pensionsbetreiber in ein besseres Licht rücken können. Das Rezept laut Experte Manfred Zeiner: Unternehmen brauchen eine Positionierung. Das bedeutet: Es sollte sich für eine bestimmte Zielgruppe interessant machen. Die Aussage ist: Diejenigen, die ein wenig von allem bieten wollen, sind für viele potenzielle Gäste uninteressant. Im Neudeutsch heißt das: Jedes Unternehmen braucht eine Story – eine Geschichte, um für Urlauber interessant zu sein. Im Erzgebirge wie im Seenland kann es das Thema Bergbau sein, in Thüringen die Bratwurst, im Spreewald die Gurke. Ein Beispiel Zeiners ist auch der Krimi. Es gebe in Deutschland Millionen Krimi-Fans, die womöglich auch bewusst ein Krimi-Hotel besuchen, das entsprechend eingerichtet ist. Die nackten Zahlen unterstreichen das: 69 Prozent der Unternehmen haben keine Positionierung. Deshalb rät Experte Manfred Zeiner: „Der Markt ist süchtig nach neuen Ideen. Sie müssen sich den Mut gönnen, eine Nische zu bedienen.“