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Porträt
Seit 20 Jahren im Einklang mit der Lausitzer Natur

Zum jüngsten Adventsbasteln im Zejler-Smoler-Haus Lohsa bot die ehrenamtliche Naturführerin Kerstin Robel das Basteln mit Schätzen aus der Natur an. Auch eine kleine Futterstation, die sie hier präsentiert, gehörte dazu – samt Meisenknödel.
Zum jüngsten Adventsbasteln im Zejler-Smoler-Haus Lohsa bot die ehrenamtliche Naturführerin Kerstin Robel das Basteln mit Schätzen aus der Natur an. Auch eine kleine Futterstation, die sie hier präsentiert, gehörte dazu – samt Meisenknödel. FOTO: Heinz Hirschfeld
Groß Särchen/Lohsa. Die Ehrenamtlerin Kerstin Robel aus Groß Särchen zeigt Besuchern die schönsten Ecken der Gegend. Von Heinz Hirschfeld

Die 63-jährige Kerstin Robel hat in der Knappenseeregion einen hohen Bekanntheitsgrad: als ehrenamtliche Naturführerin im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und damit als echter Naturmensch, der ohne seine Oberlausitzer Natur einfach nicht kann. Aus diesem Grund bewarb sich die Erzieherin 1997 beim Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft als ehrenamtliche Naturführerin. Sie wollte vor allem eines: dem immer stärker werdenden interessierten Besucherstrom gerecht werden und Kinder und Jugendliche mit ihrer Heimat und den darin lebenden Tieren vertraut machen.

Als Naturführerin hat sie in den knapp 20 Jahren vier Paar robuste Wanderschuhe verschlissen, denn wer Kerstin Robel kennt, der weiß, dass ihre Führungen immer zu Fuß stattfinden. „Zu Fuß kann man einen viel innigeren Kontakt zur Natur herstellen“, begründet sie ihre „Wanderlust“. Viele ihrer Naturwanderungen kann sie schon gar nicht mehr durchführen, da durch Sanierungen und Rutschungen an Silber- und Knappensee etliche seltene Tierarten und Pflanzen nicht mehr existieren oder vertrieben wurden. „Die Sanierungen sind zwar notwendig, aber einen Eingriff in die Natur bedeuten sie dennoch“, so Kerstin Robel. Und das bedeute schließlich auch einen Rückgang an Besuchern. Doch es gebe noch genug Teichlandschaft in der Knappenseeregion, die man „erschließen“ könne.

Außerdem nutzt die Naturführerin das Krabatvorwerk in Groß Särchen sowie das Gebiet darum, um Schul-, Hort-, Kita- und Ferienkindern bei kürzeren und längeren Wanderungen am Objekt zu erläutern, dass die Tiere der Natur alle eine Aufgabe in ihrem Lebensraum haben und ein Teil der Natur sind. In ihren 20 „Natur-Jahren“ hat sie schon so manches erlebt. Oft denkt sie daran zurück – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ihr fällt da spontan ein Reisebus mit Naturfreunden aus Bayern ein. Die Gruppe wollte bei den Steinitzer Teichen die Grünschenkel, eine Vogelart, beobachten. Ausgerüstet mit Fernglas und allem was dazugehört, machte sich die Gruppe auf die Pirsch. Auf einmal rief eine ältere Naturfreundin voller Verzückung: „Ein Laubfrosch!“ „Weil der Laubfrosch in der bayerischen Region nicht mehr vorkommt, stürmten alle hin, um einen Blick auf den Frosch zu erhaschen“, erinnert sich Kerstin Robel. „Plötzlich stand ich mit meinen ganzen Geräten für die Grünschenkel-Beobachtung alleine da.“

Gern führt die 63-Jährige die junge Generation durch die Natur, damit sie durch verschiedene Erlebnisse in der Natur etwas für die Zukunft mitnehmen. Auch etwas mitgenommen hatten einige Schüler der neunten Klasse der Oberschule Lohsa, die an einem abgelassenen Teich Schnecken sammeln gingen. Kerstin Robel belehrte die Schüler vor der Exkursion, nicht zu dicht an den abgelassenen Teich zu gehen, um dem übelriechenden Fischschlamm aus dem Weg zu gehen. Doch da war es bereits zu spät. Einige waren schon drin. Als Kerstin Robel einige Stunden später an der Schule vorbeikam, standen alle Schuhe vor der Tür – alles stank fürchterlich nach Fischschlamm.

Auch nach knapp 20 Jahren macht ihr die Arbeit enorme Freude, wie sie versichert. Besonders wenn sie bei ihren Exkursionen in die Natur einige „Wiederholungstäter“ sieht. „Dann weiß ich, dass es immer wieder interessant ist, was die Lausitzer Natur den Besuchern zu bieten hat“. Die Groß Särchenerin, die in Groß-Zeißig geboren wurde, übt außerdem ein jahrelanges Hobby aus. Sie hat Akkordeon in der Musikschule gelernt und sich das Gitarrenspiel selbst beigebracht. So manches Mal greift sie noch in die Tasten und Saiten. Sehr zum Leidwesen ihres Mannes, der dann lieber angeln geht. Denn sie ist nun mal kein Profi und nicht gleich sitzt jeder Griff am Instrument. „Vor allem zu Geburtstagen und anderen Familienfeiern, greife ich schon noch zu den Musikinstrumenten“, sagt sie.