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| 02:43 Uhr

PlusBus soll auch Tourismusgebiete bedienen

Der Zugverkehr von und nach Görlitz ist und bleibt das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Ostsachsen.
Der Zugverkehr von und nach Görlitz ist und bleibt das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Ostsachsen. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Görlitz/Bautzen. Zur Zukunft des Öffentlichen Personen- nahverkehrs (ÖPNV) im Gebiet des Zweck- verbandes Verkehrs- verbund Oberlausitz- Niederschlesien (Zvon), zu dem der Landkreis Görlitz und Teile des Landkreises Bautzen gehören, bis ins Jahr 2020 gibt der neue Nahverkehrsplan jetzt Auskunft. Uwe Menschner / ume1

Auch der Personnahverkehr in der Oberlausitz ist vom demografischen Wandel betroffen. Das Gebiet leidet unter dem Schwund an Einwohnern im ländlichen Raum und an der Überalterung. "Diese Entwicklungen stellen die Verkehrsplaner vor große Herausforderungen", stellt Hans-Jürgen Pfeifer, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), fest. Der erfasst den Landkreis Görlitz und Teile des Nachbarkreises Bautzen.

Die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich seit dem Jahr 2014 verbessert, sodass Angebotskürzungen wieder rückgängig gemacht werden konnten. Auch für die nächsten Jahre rechnet der Zvon mit einer auskömmlichen Finanzierung.

Die Eisenbahn-Infrastruktur sei in einem guten Zustand, wobei der Netzbetrieb der Deutschen Bahn zurzeit nicht mehr benötigte Anlagen zurückbaue. Dazu zählen auch Kreuzungsmöglichkeiten an eingleisigen Strecken. "Grundlegende Änderungen im Fahrplan oder die Bestellung zusätzlicher Züge werden dadurch erschwert", schätzt der Zvon ein.

Den Busverkehr stemmen zu 90 Prozent zwei Unternehmen - die Regionalbus Oberlausitz GmbH aus Bautzen und die KVG Dreiländereck aus Zittau. Die Barrierefreiheit der Bahnhöfe wird als gut, die der Bushaltestellen hingegen als mangelhaft eingeschätzt. Ab 2022 ist diese gesetzlich Pflicht. Hinsichtlich des straßengebundenen Nahverkehrs will der Zvon ein übergeordnetes Busnetz (PlusBus) vergleichbaren Bedienstandards zum Schienenverkehr etablieren. Dieses soll zentrale Orte miteinander verbinden, zwischen denen es keinen Schienenverkehr gibt.

Görlitz ist mit jährlich 1,2 Millionen Ein- und Aussteigern der mit Abstand nachfragestärkste Bahnhof des Zvon (zum Vergleich Bautzen: 680 000.) Allein die Verbindung von und nach Dresden nutzen täglich 2200 Fahrgäste. Doch auch die Strecken nach Weißwasser (1000) und Zittau (800 Fahrgäste/Tag) sind gut belegt. Die Nachfrage in Richtung Hoyerswerda ist hingegen äußerst gering.

Die Angebote auf den Strecken Görlitz-Dresden sowie Zittau-Görlitz-Cottbus bleiben im gegenwärtigen Umfang erhalten. Die Verstärkerzüge von und nach Bischofswerda sollen künftig weniger Unterwegshalte bedienen und als "Regionalexpress" firmieren.

Die Nutzung des Stadtverkehrs ist in Görlitz - bezogen auf die Einwohnerzahl - wesentlich intensiver als in Bautzen. Mit dem Demianiplatz (1 840 000) und dem Bahnhof (1 550 000) befinden sich hier auch die zwei nachfragestärksten Bushaltestellen.

Ab dem 1. Januar 2019 soll das Angebot im Stadtverkehr weiter verbessert werden - so sind eine bessere Erschließung der Altstadt und der Hochschule sowie eine Verstärkung des Verkehrs in Richtung Berzdorfer See bei Badewetter vorgesehen. Der geplante neue Haltepunkt bei Deutsch-Ossig befindet sich noch immer in der Vorplanung. Der Fahrzeugpark soll bis 2028 schrittweise auf Niederflurzüge umgestellt werden. Handlungsbedarf sieht der Zvon hinsichtlich des Ausbaus des Verknüpfungspunktes Bahnhof/Südausgang.

Weißwasser und Rietschen sind mit dem Zug von Görlitz/Zittau und Cottbus/Spremberg aus jeweils im Stundentakt erreichbar, woran sich auch nichts ändern soll. Die Belegung zwischen Weißwasser und Görlitz ist mit 1000 Fahrgästen am Tag gut, weiter in Richtung Norden nimmt sie ab. Der Stadtverkehr in Weißwasser wird als nur schwach genutzt bezeichnet, die Nachfrage liegt bei lediglich vier Fahrten pro Einwohner und Jahr (zum Vergleich Görlitz: 73). Ein Steigerungspotenzial sieht der Zvon hier nicht, und er empfiehlt daher eine Verschmelzung mit der Regionallinie 250 von und nach Bad Muskau, von wo aus dann auch die südwestlichen Stadtgebiete erreichbar seien. Dies solle als "gemeinsame Stadtbuslinie" vermarktet werden.

Zum übergeordneten Busnetz PlusBus, das sich unter anderem durch einen wochentäglichen Stundentakt und eine Mindestanzahl von Fahrten am Wochenende auszeichnen soll, könnten laut Zvon die Linien von Weißwasser nach Bad Muskau, Boxberg und Hoyerswerda zählen. Im touristischen Verkehr strebt der Verbund eine bessere Anbindung des Bärwalder Sees, von Bad Muskau und Görlitz und Cottbus an.

Der Zvon bekennt sich in seinem Nahverkehrsplan zum Erhalt der Bahnverbindung zwischen Görlitz und Hoyerswerda über Horka/Niesky, stellt diese jedoch unter den Vorbehalt einer ausreichenden Finanzierung. Der Verbund ist auch bereit, die Strecke wie schon in der Vergangenheit komplett zu finanzieren (der Abschnitt zwischen Lohsa und Hoyerswerda gehört eigentlich zum Nachbarverbund VVO). Gegenwärtig ist Horka der am siebenthäufigsten frequentierte Bahnhof im Zvon-Gebiet, was vor allem daran liegt, dass dort der Übergang zum Schienenersatzverkehr erfolgt. Dennoch wird die Nachfrage nach diesem als "außerordentlich niedrig" eingeschätzt. Der geplante Bau des neuen Haltepunktes Horka-Mitte ist aufgrund fehlender Förderung zunächst zurückgestellt worden.

Als Kandidaten für das PlusBus-Netz betrachtet der Zweckverband die Strecken Niesky-Horka-Rothenburg sowie Görlitz-Rothenburg.

Zum Thema:
Die die Einwohnerzahl im Zvon-Gebiet ist in den Jahren 2011 bis 2015 um drei Prozent gesunken. Bei den Schülern und den Mitbürgern, die älter als 65 Jahre sind, ist die Zahl indes steigend.