ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:42 Uhr

Puppendoktor im Einsatz
Plüschige Heilung dank Doktorin Geier

Dr. Ute Geier mit einem ihrer Patienten in der Hoyerswerdaer Lokalredaktion. Die wurde am Donnerstag zur Krankenstation umfunktioniert. Der gelbe Riesenteddy musste an Ohr und Arm genäht werden.
Dr. Ute Geier mit einem ihrer Patienten in der Hoyerswerdaer Lokalredaktion. Die wurde am Donnerstag zur Krankenstation umfunktioniert. Der gelbe Riesenteddy musste an Ohr und Arm genäht werden. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Puppendoktorin Ute Geier verarztet in ihrer alten Heimat Hoyerswerda Sammlerstücke und Kuschelbären. Von Anja Hummel

Früher hatte sie schöne große Kulleraugen, heute erinnert ihr Blick eher an den Augenaufschlag von Karl Dall. Lisa muss schnellstens behandelt werden. Das rechte Augenlid hängt nach unten, die linke Pupille starrt leer in die Ferne. Dr. Ute Geier soll das wieder richten. Das hofft zumindest Annemarie Schubert aus Hoyerswerda. „Ich habe seit mehr als einem Jahr nach einem Doktor gesucht, jetzt habe ich endlich einen gefunden“, erzählt die 82-Jährige. Gemeinsam mit Urenkelin Heidi sitzt sie im Wartezimmer.

Nicht in einer Arztpraxis, sondern in der Hoyerswerdaer Rundschau-Redaktion. Denn die wurde für einen Tag in eine ambulante Krankenstation verwandelt. Operationsfläche statt Schreibtisch, Wartezimmer statt Küche. Schere, Säge, Pinzette, Zange  – all die Utensilien liegen bereit, um „kranke“ Puppen und Teddys zu verarzten. „Bei uns fließt kein Blut“, sagt Dr. Ute Geier sichtlich erleichtert. Neben ihr steht Ehemann Günter, der Anfang des Jahres seinen „Chefarztposten“ an die Ehefrau übergab. Mit 78 Jahren und nach Tausenden behandelten Schädelbasisbrüchen und Arthrosebeschwerden war es Zeit für die Rente. Auf den regelmäßigen ambulanten Krankenfahrten begleitet er seine Frau Ute aber weiterhin.

Das Sprechzimmer ist wieder frei. Annemarie Schubert tritt mit Puppe Lisa im Arm ins Behandlungszimmer. Der erste Schnellcheck von Ärztin Geier ergibt: „Das bekommen wir hin.“ In einer halben Stunde kann Lisa wieder abgeholt werden.

Zahlreiche Puppen und auch ein riesiger Teddy wurden am Donnerstag in die Hände der „Plüschdoktoren“ gegeben. Monika Kühne aus Lauta hatte etwas ganz Besonderes dabei. „Das ist eine originale Schildkröt-Puppe“, sagt Ute Geier. Puppenfreunde wissen: Die Rede ist von der ältesten Puppenmanufaktur in Thüringen. Etwa 90 Jahre soll das Exemplar alt sein. Von zwei Beinen ist nur noch eines übriggeblieben. „Das ist die Puppe meiner Schwiegermutter. Sie hat einen gebührenden Platz in der Wohnung“, erzählt Monika Kühne. Nur wenig später darf sie die „Schildkröt“ wieder mitnehmen – Ute Geier hat ihr ein neues „gesundes“ Bein verpasst.

Seit mehr als 50 Jahren zieht das „Ärztepaar“ gemeinsam durch die Republik. Seit Jahren in Bamberg wohnhaft, ist Ute Geier eine gebürtige Cottbuserin, hat zehn Jahre in Hoyerswerda gelebt. Seit Ewigkeiten ist sie wieder einmal in der Region. „Es hat sich nie ergeben, wir waren immer unterwegs“, sagt die leidenschaftliche Fotografin. Umso mehr staunt sie nun über die Entwicklung. Sehr verändert habe sich die Stadt. Von der Hoyerswerdaer „Kundschaft“ können die Doktoren nur schwärmen: „Die Leute hier gehen viel sorgsamer mit den Puppen um“, stellt Günter Geier fest. Sie sind zufrieden mit der Sprechstunde. Härtefälle gab es keine. Sie haben Gelenke eingerenkt, Köpfe ausgebeult und Augen ausgebessert.

So wie die von Puppe Lisa. Kurz vor Sprechstundenende steht die achtjährige Heidi mit Uroma Annemarie wieder im Behandlungszimmer. Ganz fest drückt Heidi die Puppe an sich. „Auf die passe ich jetzt immer auf.“ Vor allem, wenn ihre kleine Schwester in der Nähe ist. „Die hat ihr die Augen eingedrückt“, erzählt Heidi. Aber  Dr. Ute Geier hat Lisa ihren Augenaufschlag zurückgeschenkt. „Mit ein paar Tropfen Speiseöl werden die Augen noch beweglicher“, rät die Ärztin zur häuslichen Weiterbehandlung. Weiter geht es auch für das Ehepaar Geier. Die nächsten Patienten in Hessen warten bereits. Auf neue Kulleraugen, bewegliche Plastebeine und farbenfrohe Häkelkleidchen.

Da ist doch Hopfen und Malz verloren! Nein, sagen die Puppendoktoren.
Da ist doch Hopfen und Malz verloren! Nein, sagen die Puppendoktoren. FOTO: LR / Anja Hummel
Geheilt: Die Puppendoktorin hat alle Körperteile wieder zusammengebracht.
Geheilt: Die Puppendoktorin hat alle Körperteile wieder zusammengebracht. FOTO: LR / Anja Hummel
Eine wahre Besonderheit im Behandlungszimmer: eine echte „Schildkröt“-Puppe aus den 1920er Jahren .
Eine wahre Besonderheit im Behandlungszimmer: eine echte „Schildkröt“-Puppe aus den 1920er Jahren . FOTO: LR / Anja Hummel
Lisa hat gleich die ganze Familie mitgebracht. Bei der bevorstehenden Augenbehandlung leisten ihr die achtjährige Heidi und Oma und Opa Schubert aus Hoyerswerda Beistand.
Lisa hat gleich die ganze Familie mitgebracht. Bei der bevorstehenden Augenbehandlung leisten ihr die achtjährige Heidi und Oma und Opa Schubert aus Hoyerswerda Beistand. FOTO: LR / Anja Hummel