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Plattenbauten mit hohem Komfort

Erbauer von Hoyerswerda (v.l.): Dr. Peter Wehle, Manfred Pilz, Peter Biernath, Reinhard Schneider und Jürgen Lienig.
Erbauer von Hoyerswerda (v.l.): Dr. Peter Wehle, Manfred Pilz, Peter Biernath, Reinhard Schneider und Jürgen Lienig. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Vor 60 Jahren hat der Aufbau von Hoyerswerda-Neustadt als "zweiter sozialistischer Wohnstadt" für das entstehende Gaskombinat Schwarze Pumpe (GSP) begonnen. Das Besondere an dem Großvorhaben war, dass von Beginn an alle Kommunalbauten und fast alle Wohnhäuser in industrieller Betonplattenbauweise errichtet wurden. Katrin Demczenko / dcz1

Das sagte Bauingenieur Manfred Pilz während einer Veranstaltung des Hoyerswerdaer Kunstvereins.

Ab Ende 1958 wechselten er und sein Kollege Dr. Peter Wehle als Statiker vom GSP zum Aufbaustab der Neustadt. Dessen Leiter Professor Richard Paulick betraute die beiden gerade 21-Jährigen mit der Aufgabe, die Statik der in Deutschland noch wenig angewandten Plattenbautechnologie zu berechnen, berichtete Dipl.-Ing. Manfred Pilz.

Zuerst bereiteten sie die Errichtung der vierstöckigen Häuser im Wohnkomplex III mit dem Bockkran vor. Schnurgerade stehen die Bauten bis heute, weil die Fahrtrichtung des Krans nichts anderes zuließ.

Dann standen er und sein Kollege im Wettstreit mit Professor Hermann Henselmanns Team, das in Berlin die Stalinallee (heute Frankfurter Allee) baute. Hier wie dort sollten die ersten Plattenbauhochhäuser Deutschlands entstehen, wozu umfangreiche Statikberechnungen und Baugrunduntersuchungen nötig waren. Pilz stellte fest, dass in Hoyerswerda vom Keller an mit Platten gebaut werden könne. Der erste Achtgeschosser an der Magistrale (heute Bautzener Allee) war also eher fertig als der Zehngeschosser in Berlin. Die Erbauer dort mauerten aus Sicherheitsgründen die beiden unteren Etagen, erklärte der Statiker.

In Hoyerswerda sind um 1960 fünf achtgeschossige Wohngebäude entstanden, die heute unter Denkmalschutz stehen. Die Ein- und Zweiraumwohnungen hatten damals einen hohen Standard, nämlich Zentralheizung, Einbauküche, Bad und warmes Wasser aus der Wand. "Sie waren mit dem Fahrstuhl erreichbar und hatten auf jeder Etage einen Müllschlucker", erinnerte sich Manfred Pilz, der bis 1969 mit Frau und Kindern in einem der Aufgänge gewohnt hatte. Viele Singles zogen ein, Paare und einige Familien.

Die Hausgemeinschaften pflegten vor ihren Eingängen selbst gepflanzte Sträucher sowie Blumen und vereinzelt richteten sie in Kellern kleine, für alle nutzbare Werkstätten ein. Runde Geburtstage und andere Anlässe wurden oft gemeinsam im zum Partyraum unfunktionierten Wäschetrockenraum gefeiert.

Alle Achtgeschosser gehören heute der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda und wurden von ihr nach 1989 komplett renoviert. In den Jahren 2012/13 schuf das Unternehmen im Hochhaus Bautzener Allee 45 bis 51 ein Angebot des betreuten Wohnens. Der Pflegedienst Nächstenliebe kümmert sich seitdem um dort wohnende Senioren und organisiert für sie Veranstaltungen in einer Begegnungsstätte im Erdgeschoss.