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| 15:20 Uhr

Altenpflege
Pflege-Nachwuchs kennt kein Alter

Zuckertüten für den Nachwuchs: In dem siebenköpfigen Altenpflege-Azubi-Team der Arbeiterwohlfahrt Lausitz sind unter anderen die 17-jährige Erika Finkbeiner (l.) genau wie die 44-jährige Liane Krautz (2.v.l.).
Zuckertüten für den Nachwuchs: In dem siebenköpfigen Altenpflege-Azubi-Team der Arbeiterwohlfahrt Lausitz sind unter anderen die 17-jährige Erika Finkbeiner (l.) genau wie die 44-jährige Liane Krautz (2.v.l.). FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Die Seniorenbetreuung braucht Fachkräfte. Neben Schulabgängern bilden sich auch immer mehr erfahrene Pfleger weiter. Von Anja Hummel

Seit zehn Jahren ist Liane Krautz in der Pflege beschäftigt. Senioren betreuen, versorgen, waschen. Doch bei der medizinischen Versorgung war bisher immer Schluss. „Ob Wundversorgung oder Spritzen geben – als Pflegehilfe war ich dazu nie befugt“, erzählt die Hoyerswerdaerin. „Unterfordert“ habe sie sich gefühlt. Als würde sie auf einer Stelle treten, nicht vorankommen. Jetzt aber geht Liane Krautz einen Schritt weiter. Symbolisch für den Mut dieser Weiterentwicklung hält sie eine kleine Zuckertüte in ihrer Hand.

Mit sechs anderen Nachwuchs-Pflegefachkräften hat Liane Krautz ganz frisch ihren Ausbildungsvertrag erhalten. Die Arbeiterwohlfahrt Lausitz (AWO) wird sie in den kommenden drei Jahren zur Fachkraft für Altenpflege ausbilden. Freude darüber herrscht nicht nur beim „Nachwuchs“. „Die Reihe der Azubis wird langsam wieder länger“, sagt Cora Rotgardt. Die AWO-Pflegefachbereichsleiterin hat in der Vergangenheit stets schwächere Jahrgänge begrüßen müssen. „Viele erfüllen leider die Zugangsvoraussetzungen nicht“, so Rotgardt. „Und die Gymnasiasten gehen woanders hin“, stellt sie fest. Mittlerweile wichtiger als die Noten: die Persönlichkeit. „Man muss als Mensch für den Beruf geeignet sein. Ich denke, wir haben in diesem Jahr wieder tolle Leute gefunden“, sagt die Fachbereichsleiterin. Von erfahrenen Pflegern bis Schülern frisch von der Schulbank. „Die Gruppe ist sehr gemischt.“

Jüngste Azubine ist die 17-Jährige Erika Finkbeiner. Von klein auf, sagt sie, möchte sie mit älteren Menschen arbeiten. „Die Dankbarkeit ist das Schönste am Beruf“, sagt die ehemalige Lessing-Gymnasiastin.  Auch wenn zwischen ihr und Azubi-Kollegin Liane Krautz einige Jahre Lebenserfahrung liegen. Auch die 44-Jährige schwärmt: „Die älteren Leute sind so dankbar. Wenn sie einen drücken, ist das einfach wunderschön.“ Als weniger schön allerdings empfindet sie den Personalschlüssel. „Man kommt oft an seine Grenzen, bräuchte mehr Zeit für die Senioren“, bemerkt Krautz kritisch. Torsten Ruban-Zeh, AWO-Geschäftsführer, stellt eine für ihn entscheidende Frage in den Raum: „Was sind das Lebensalter und die Pflege älterer Menschen wert?“ Die AWO selbst kämpfe schon für bessere Bedingungen, „aber nur die Politik kann eine wesentliche Verbesserung der Umstände für Pfleger und Senioren bewirken“. Was Ruban-Zeh schon jetzt sicher sagen kann: „Auch nach der Ausbildung wird jeder Nachwuchs bei uns gebraucht.“ Durchweg, seit der Wende, wird die Altenpflegeausbildung bei der AWO angeboten.

Eine, die ihre Fachausbildung gerade frisch abgeschlossen hat, ist Rita George. Zuvor hat die 47-Jährige jahrelang als Hilfskraft gearbeitet. „Ich wollte meine Kompetenzen erweitern.“ Für sie am schwierigsten? Das Schulfach Englisch. Ihr Tipp für die Neu-Azubis: „In der Schule zuhören ist die halbe Miete. Das spart zu Hause beim Lernen sehr viel Zeit“, sagt sie schmunzelnd. Ab September wird sie als Fachkraft die Senioren in Hoyerswerda pflegen.

„Der Fachberuf hat einen sehr hohen Stellenwert“, bezeugt Cornelia Fiedler. Als Pflegefachleiterin am Berufsschulzentrum Konrad Zuse (BSZ) in Hoyerswerda betreut sie in diesem Ausbildungsjahr wieder 150 neue Pflegeazubis. „Die Zahl ist recht stabil“, sagt Fiedler. Auch die sieben AWO-Nachwuchskräfte werden im BSZ die Schulbank drücken. „Oftmals merken die Schüler während der Ausbildung, dass der Beruf vielleicht doch nicht für sie geeignet ist“, stellt sie fest.

Dass die Altenpflege das perfekte Berufsfeld für sie ist, weiß Liane Krautz nach ihrer langjährigen Erfahrung längst. Angst vor der Schulbank? „Habe ich nicht. Meine Kinder sind mittlerweile groß, ich habe jetzt viel Zeit und Ruhe zum Lernen“, sagt sie lachend. Dazulernen – genau das ist es, was sie wollte. Damit sie den Senioren nach der dreijährigen Ausbildung endlich die volle Pflege geben kann – vom liebevoll zubereiteten Tee bis zum notwendigen Verbandswechsel.