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Pfarrer Monz verabschiedet sich aus der Lausitz

Einen Erinnerungs-Fotoband übergab Kirchenrat Enrico Pech (v.l.n.r.) Pfarrer Monz. Von Bürgermeister Thomas Leberecht und Ortsvorsteher Jens Kieschnick erhielt er einen regionalen Präsentkorb.
Einen Erinnerungs-Fotoband übergab Kirchenrat Enrico Pech (v.l.n.r.) Pfarrer Monz. Von Bürgermeister Thomas Leberecht und Ortsvorsteher Jens Kieschnick erhielt er einen regionalen Präsentkorb. FOTO: mft1
Groß Särchen. In einem winterlichen Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Groß Särchen verabschiedete sich gestern Pfarrer Matthäus Monz aus der Lausitz. Für die Gemeinden Wittichenau und Groß Särchen beginnt damit wieder eine Zeit der Vakanz. Mandy Fürst / mft1

Noch künden Adventsstern und Weihnachtsbaum vor dem Altar der evangelischen Kirche in Groß Särchen von der Jugend des neuen Jahres, da wurde in dem Gotteshaus schon der vielleicht größte Umbruch in 2017 zelebriert. In einem emotionalen Gottesdienst verabschiedete sich der junge Pfarrer Monz aus seiner ersten Anstellung, um künftig im Pfarrsprengel Liebenwalde im brandenburgischen Oberhavelkreis tätig zu werden. Die Groß Särchener werden zwar nicht zum ersten Mal in die Vakanz gehen, hoffen aber doch auf eine baldige Nachfolge. Vorerst wird Pfarrer Jörg Michel aus Hoyerswerda Neustadt die Vakanzverwaltung für die in Summe etwa 1000 Mitglieder zählenden Gemeinden von Wittichenau und Groß Särchen übernehmen.

Matthäus Monz hätte nicht zwingend aus der Lausitz weggehen müssen. Mit Ablauf des zweijährigen Entsendungsdienstes, den jeder junge Pfarrer nach dem Studium leisten muss, hätte er sich um die Stelle bewerben können. Dass er das nicht getan hat, habe seine Gründe, sagt Matthäus Monz.

Er erinnere sich gut an die ersten Gottesdienste, die er im März 2014 nach seiner Ankunft aus Oranienburg in Groß Särchen und Wittichenau gehalten hatte. Wie jeder Neuerung im Leben habe auch diesem Anfang eine gewisse Spannung inne gewohnt. Die Routine der Gemeindearbeit müsse erst ergründet werden. Monz erinnert sich auch an die vielen unbekannten Gesichter im neuen Pfarrkonvent, die ihm heute so vertraut seien. Und er ruft die Gemeinden auf, sich lieber mutig an neue Dinge zu wagen, als diese schon im Vorfeld aufzugeben.

Nicht nur die berufliche Zukunft von Matthäus Monz habe die Entscheidung erwirkt, erklärt Superintendent Dr. Thomas Koppehl. Wie in diesem Fall spiele immer öfter die Familiensituation eine wichtige Rolle. So hat auch Michaela Jecht, die einst an der Seite ihres Ehemannes in die Oberlausitz gekommen und in Hoyerswerda als Pfarrerin tätig war, den Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz inzwischen verlassen. Außerdem hätte in jedem Fall das Problem im Raum gestanden, dass die Gemeinden in Wittichenau und Groß Särchen mit weniger als 1200 Mitgliedern zu klein sind, um noch eine ganze Pfarrstelle finanziert zu bekommen. Daher müsste über eine Partnerschaft zwischen den Gemeinden oder die Orientierung beispielsweise nach Hoyerswerda Neustadt oder Lohsa nachgedacht und diskutiert werden. Überhaupt müssten die Gemeinden in Zeiten eines jährlichen Mitgliederrückgangs von 1,5 bis 2 Prozent die Arbeit selbstständiger tragen, mahnt Koppehl.

"Er hatte sich eingelebt und wieder Kontinuität in die Kirchenarbeit gebracht", drückt Ortsvorsteher Jens Kieschnick sein Bedauern aus. Doch das Leben sei nun einmal Veränderung und die Gemeinde nun aufgerufen, sich zu positionieren. Schade findet auch Bürgermeister Thomas Leberecht den Verlust des Pfarrers. Matthäus Monz habe die Kirchengemeinde gestärkt und Vorhaben wie die Sanierung der Orgel oder der Friedhofsmauer aus Kirchensicht und mit klaren Vorschlägen zur Umsetzbarkeit untermauert.

Er nehme einen wahren Schatz an Erfahrungen aus Groß Särchen und Wittichenau mit, sagt Matthäus Monz, aus dem er Leben und Kraft ziehen könne, egal, wohin sein Weg ihn führe. Und als Matthäus Monz dann ganz selbstverständlich um eine Gabe " für die Sanierung unserer Orgel" bittet, weisen in seinem Rücken Adventsstern und Weihnachtsbaum den Weg in eine versöhnliche Zukunft.