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| 01:03 Uhr

PDS will Zugangssperre für Kitas kippen

Hoyerswerda.. Es war das heißeste Thema, das 2004 im Jugendhilfeausschuss diskutiert wurde: die Kürzung der Betreuungszeit für Kinder, bei denen eines oder beide Elternteile zu Hause sind. Einer der härtesten Gegner war damals die PDS. Und die Stadtratsfraktion ist es bis heute. Mit dem neuen sächsischen Koalitionsvertrag wittert Dietmar Jung, PDS-Landtags abgeordneter und Stadtrat, nun eine Chance, die Zugangsbeschränkung zu kippen. Von Christiane Klein

„Die Koalition will die Zuschüsse pro Kind und Jahr auf genau 1800 Euro erhöhen“ , erklärt Jung gegenüber der RUNDSCHAU. Damit bekäme die Stadt pro Jahr rund 200 000 Euro mehr vom Freistaat - also etwa die Summe, die durch die Zugangsbeschränkung eingespart werden soll. „Dann könnte man die Beschränkung wieder aufheben“ , sagt Jung. Beschlossen ist auf Landtagsseite allerdings noch nichts. Ob es tatsächlich mehr Geld pro Kind gibt, werden die Haushalts-Verhandlungen zeigen. Wenn alles in trockenen Tüchern ist, dann will die PDS-Stadtratsfraktion einen Antrag einbringen und versuchen, den Beschränkungsbeschluss aufzuheben. Ein längst überfälliger Schritt, findet Dietmar Jung. „Aus unserer Sicht werden dadurch die Kinder, die eh schon benachteiligt sind, ihrer sozialen Kontakte beraubt“ , so der PDS-Politiker.
Das Jugendamt betrachtet die Betreuungs-Novellierung hingegen als Gewinn. Daran ließ zumindest Mitarbeiterin Marlies Röhle während der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses keinen Zweifel. Mehr als 1000 Anträge hat die Behörde 2004 bearbeitet. „Auf diesem Wege haben wir Eltern und Erzieher besser kennen gelernt“ , verwies Marlies Röhle auf einen Vorteil, den die Regelung gebracht hätte. So habe das Jugendamt auch erkannt, dass viele Familien organisatorische Probleme haben. „Bei vielen gibt es keine Regeln und Normen, keine festen Zeitvorgaben“ , erklärte Röhle. Auf der anderen Seite seien die Kitas stärker gefragt, die Wünsche der Eltern bei den Betreuungszeiten zu berücksichtigen. Da das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht, habe das Amt für zahlreiche Fälle Hilfepläne erarbeitet, die genau festlegen, wie das Kind zu fördern ist. „Durch die Anträge sind wir auf Fälle aufmerksam geworden, von denen wir sonst nichts erfahren hätten“ , steht auch Jugendamtsleiterin Birgit Hoff mann hinter der Regelung. Durch die engere Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Erziehern sollen die Familien befähigt werden, ihre Probleme besser zu managen.
Inzwischen habe die Behörde feste Regeln bei der Befürwortung von Eltern-Anträgen. Dem Wunsch nach erhöhtem Betreuungsbedarf wird nachgekommen:
wenn die Kita-Betreuung Familien unterstützenden Charakter hat (zum Beispiel wenn eine Mutter kurz vor der Entbindung steht und ihr älteres Kind deshalb zeitweise in einer Einrichtung unterbringen möchte)
wenn die Eltern mit der Erziehung ihres Kindes überfordert oder hilflos sind
wenn die Kinder in ihrer Entwicklung hinterher hinken
wenn die Familie ökonomische Zwänge plagen.
Dann steht das Jugendamt zur längeren Betreuung in der Kita, weil die Kinder so einen regelmäßigen Tagesablauf erfahren, „alltagstauglich“ werden und so später auch leichter in der Schule zurecht kommen. Gleichzeitig gibt es regelmäßige Gespräche mit Eltern und Erziehern, um den Entwicklungsstand der Kinder zu begleiten.