| 18:32 Uhr

Klein Partwitz
Partwitzer Kochlöffel in neuen Händen

Den Kochlöffel in der Hand haben künftig die Hoyerswerdaer Steffi Schäfer und Daniel Hogh (l.). Christoph Pech wird der Lausitz erst einmal den Rücken kehren.
Den Kochlöffel in der Hand haben künftig die Hoyerswerdaer Steffi Schäfer und Daniel Hogh (l.). Christoph Pech wird der Lausitz erst einmal den Rücken kehren. FOTO: Anja Hummel / LR
Klein Partwitz. Ein neues Team übernimmt Ostern den Partwitzer Hof. Zuvor wird im großen Stil getrödelt – und Abschied genommen. Von Anja Hummel

Die Emailleschilder stapeln sich in den urigen Boxen auf der Theke,  die massiven Holztische sind mit alten Tonkrügen und Schachteln, antikem Küchengeschirr und anderen Unikaten bepackt. Ölgemälde lehnen an der Wand, urige Lederkoffer sind auf der Sitzbank abgelegt. Wer in diesen Tagen durch den Gastraum des Partwitzer Hofes schlendert, findet den Charme des rustikalen Traditionslokals als verlockende Trödelware auf Schrank, Kommode und Tisch verteilt: Der „urige Charakter“ des Partwitzer Hofes ist im Ausverkauf. „Ich bin bereit zum Feilschen“, sagt Christoph Pech mit einem Grinsen im Gesicht. Am Wochenende will er alles „raushauen“. Mit dem unverkennbaren Partwitz-Inventar wird er gleichzeitig auch 15 Jahre harte Arbeit aus seinen Händen geben.

Die Entscheidung dafür fiel im vorigen Jahr. „Akuter Personalmangel“, nennt Pech den Hauptgrund für den Abschied. Das Seenland halte dem Tourismus-Ansturm in gastronomischer Sicht nicht Stand. „Wir konnten es einfach nicht mehr bewerkstelligen, dass jeder Gast zufrieden nach Hause geht“, sagt der 57-Jährige. Für den Wirt aus Leidenschaft eine Katastrophe. „Qualität und Ruf dürfen in der Gastronomie nicht leiden“, weiß der Familienvater. Dass die Suche nach einem passenden Nachfolger nicht ganz einfach sein würde, war ihm klar. Jetzt aber hat er den „Kochlöffel“ in neue Hände gegeben.

Die wohl reizvollsten Sonnenuntergänge des Lausitzer Seenlandes gibt es am schwimmenden Haus auf dem Partwitzer See.
Die wohl reizvollsten Sonnenuntergänge des Lausitzer Seenlandes gibt es am schwimmenden Haus auf dem Partwitzer See. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Steffi Schäfer und Daniel Hogh, die bereits das Seenland Bowling und Eventhouse in Hoyerswerda betreiben, werden den rustikalen Hof künftig managen. Ostern soll die neue Saison mit frischem Wind eröffnet werden. Grundlegendes aber, sagen die neuen Betreiber, werde sich nicht verändern. Der Name bleibt, genau wie ein Teil des Personals. Und das Essen? „Das Fischangebot behalten wir bei, aber es kommen neue Wildgerichte dazu“, kündigt Steffi Schäfer einen Mix aus traditionellen und neuen Gerichten an. Auch die Hoffeste sollen bleiben. Mit hausgemachtem Eis aus Uhyst, Gulaschkanone, einem Kinderspielplatz und der Übertragung von Live-Fußballspielen halten aber auch Neuerungen auf dem Hof Einzug. „Rustikal wird es aber bleiben, nur etwas moderner“, sagt Steffi Schäfer. Die junge blonde Frau sitzt am Fenster, blickt auf einen der vollgepackten Trödeltische. Dass es bis Ostern noch stressig wird, ist ihr bewusst. Auch Daniel Hogh, der künftig als Restaurantleiter in Partwitz anzutreffen ist, weiß um die Herausforderungen. „Der Ansturm wird im Sommer nicht ohne sein“, sagt der 40-Jährige. Andererseits sei die Bewirtung für das Team kein Neuland. „Wir kennen es ja aus dem Bowlingcenter“, sagt Steffi Schäfer. Weil dort jedoch im Sommer nicht so viel los sei, war das Interesse am Partwitzer Hof von Anfang an sehr groß. Hier soll in den warmen Monaten alle Kraft hineinfließen.

Vor dem „akuten Personalmangel“ haben die neuen Chefs keine Angst. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren einen großen Mitarbeiterstamm aufgebaut“, erklärt Steffi Schäfer. So stünden bei Bedarf immer ausreichend Servicekräfte zur Verfügung. Dass der Tourismus immer weiter wächst, damit rechnen sie natürlich. Deshalb sehen die beiden ihre größte Herausforderung darin, „die Qualität auch bei Quantität hoch zu halten“.

Christoph Pech wird der Lausitz indes den Rücken kehren. Zumindest beruflich. In Glashütte möchte er in den nächsten Monaten für Bekannte ein neues Restaurant aufbauen. Diese Herausforderung, sagt er, ist genau richtig für ihn. „Aber“, schiebt er hinterher, „ich möchte danach auch wieder in die Heimat zurückkehren.“ So steht er in diesen Tagen mit gemischten Gefühlen zwischen Theke und Trödel. Während er an der Kaffeetasse nippt, erinnert sich der Lausitzer Wirt noch ganz genau an jenen Augusttag im Jahr 2003 – das zweite Wochenende nach Eröffnung des Partwitzer Hofes. „Plötzlich standen hier 150 Leute auf einmal auf der Matte. Das war Chaos pur.“ Und doch haben er und sein Team in den vergangenen 15 Jahren jede Herausforderung gemeistert. Ob sie sich nun vor Gästen kaum retten konnten oder die Stühle an den Tischen leer blieben.

Das charmante Inventar, den rustikalen Charme des Partwitzer Hofes mag der Wirt am Wochenende wohl loswerden. Auch der Kochlöffel ist symbolisch schon übergeben. Doch wenn es nur eines ist, was der Hosenaer Christoph Pech nach 15 Jahren Partwitz mit nach Hause nehmen wird, dann ist es wohl sein Gastro-Motto: „Glück gehabt bei Pech zu Gast“. Feilschen zwecklos.

Raritäten en masse: Am kommenden Wochenende können Trödelfreunde die urige Partwitzer Hof-Ausstattung ergattern.
Raritäten en masse: Am kommenden Wochenende können Trödelfreunde die urige Partwitzer Hof-Ausstattung ergattern. FOTO: Anja Hummel / LR