Forstleute und Forscher haben Strategien gegen ihn entwickelt.
Die Nadeln werden hell, die Zweige schlaff - und in ein, zwei Jahren ist die bis dahin stämmige Kiefer abgestorben. „Revierförster haben das in einzelnen Beständen sorgenvoll beobachtet“ , erzählt Harald Marwan, Leiter der Oberförsterei Senftenberg, und schnell festgestellt, hier grassiert der Wurzelschwamm. „Das ist ein äußerst aggressiver Weißfäulepilz, der als bedeutsamer Schaderreger gilt.“ Indem sich die Kiefer gegen ihn wehrt und verharzt, bringt sie sich selbst um: Sie kann keine Nährstoffe und kein Wasser mehr transportieren. „In den letzten zehn Jahren hat sich der Wurzelschwamm deutlich sichtbar ausgebreitet“ , bestätigt Dr. Michael Haubold-Rosar, wissenschaftlicher Direktor des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelanschaft e. V. in Finsterwalde (FIB). Er kann mit Luftbildern mehrere Standorte nachweisen, auf denen der gefräßige Pilz Lücken in den Wald gerissen hat. Sein Team erforscht im Landesauftrag das Treiben des Parasiten. Denn das Besondere an dem gefürchteten Forstschädling ist: Er fühlt sich am wohlsten auf Lausitzer Kippenflächen. Für die Forstleute eine bedrohliche Erkenntnis. Immerhin ist die Hälfte der aufgeforsteten Bergbaufolgelanschaft Kiefernwald - und der ist bedroht. „Vor allem die feuchten, basischen Standorte mag der Pilz“ , verschmäht dagegen die eher typischen Lausitzer Sandböden, so Haubold-Rosar. „Und er kommt fast immer erst, wenn in dem aufgeforsteten Wald die Pflege begonnen hat.“ Dann nämlich greift er sich Stubben und zieht von dort aus meist durch Wurzelkontakt seine unheilvollen Kreise.
„Der Wurzelschwamm wird uns in Zukunft weiter auf Trab halten“ , ist sich Harald Marwan sicher und froh darüber, das FIB an seiner Seite zu wissen. Gemeinsam sind jetzt Strategien entwickelt, wie man dem Parasiten zu Leibe rücken will. „Die entstandenen Lücken werden mit Laubgehölzen aufgeforstet. Auf den guten Böden, die der Pilz ja gerade liebt, gedeihen beispielsweise Eichen besser als je gedacht“ , so der FIB-Chef. Und denen kann der Wurzelschwamm nichts anhaben. „Auf 15 Hektar absterbender Kiefernfläche sind in den letzten zwei Jahren bereits Eichen gepflanzt worden“ , bestätigt der Oberförster für seinen Amtsbereich. Dort werde man auch weiter Mischwälder anlegen und auf ärmeren Standorten Laubgehölze als Barrieren einbringen. Möglich wäre es theoretisch auch, den Riesenrindenpilz als natürlichen Gegenspieler des Wurzelschwammes auf den Stubben anzusiedeln.
„Die Entwicklung muss in den nächsten Jahren auf jeden Fall weiter beobachtet werden“ , so Haubold-Rosar. Immerhin seien alle drei Amtsbereiche mit Kippenwäldern betroffen. Denn der Wurzelschwamm wurde bereits in Waldgebieten von Schlabendorf/Seese, um Klettwitz und Welzow nachgewiesen.
An anderen Gehölzen (außer der Fichte), also auch am Obstbaum im Garten, hat nach Aussagen von Michael Haubold-Rosar der Wurzelschwamm kein Interesse.