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Panflöte trifft Orgel in der Johanneskirche

Organist Matthias Keller und Ullrich Herkenhoff an der Panflöte haben die Konzertbesucher in der Johanneskirche begeistert.
Organist Matthias Keller und Ullrich Herkenhoff an der Panflöte haben die Konzertbesucher in der Johanneskirche begeistert. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Der gemeinsame Klang von Panflöte und Orgel hat am zurückliegenden Sonntag zahlreiches Publikum in der Johanneskirche Hoyerswerda begeistert. Das Konzert erklang im Rahmen der 50. Musikfesttage Hoyerswerda. Katrin Demczenko / dcz1

Rentner, die mittlere Generation und Schüler gehörten zum zahlreich erschienenen Publikum. Der 13-jährige Gymnasiast Richard Palinske war sogar auf dem Langbord aus seinem Heimatort Maukendorf nach Hoyerswerda gerollt. Da er im zweiten Jahr bei der Kantorin Simone Weinberg Orgel lernt, wollte er sich diesen Konzertabend nicht entgehen lassen. Richard Palinske erzählte, dass er dafür die Musikfesttage-Flatrate für junge Leute nutzt, mit der er alle Veranstaltungen besuchen kann. Das Eröffnungskonzert habe er ebenso besucht wie das Konzert am Sonntag in der Johanneskirche. "Für nur fünf Euro - das ist toll", stellte der Schüler zufrieden fest.

Ullrich Herkenhoff an der Panflöte und der Organist Matthias Keller erfüllten die Stille der altehrwürdigen Kirche mit frischen und sehr vielfältigen Klängen. Die beiden aus Osnabrück stammenden Musiker treten seit 25 Jahren zusammen auf, wie Matthias Keller erzählte. Sie hatten damals zufällig dieselbe Klavierlehrerin und studierten später in München Musik. Die Lehrerin schickte den jüngeren Ullrich Herkenhoff zu Matthias Keller und so sei die dauerhafte musikalische Verbindung zwischen den Männern entstanden. "Panflöte und Orgel sind die idealste Kombination", findet Ullrich Herkenhoff. Die Instrumente hätten eine enorme Verwandtschaft. Die Panflöte sei die Urform der Orgel, begründete er.

In Hoyerswerda spielten die Musiker unter anderem Stücke von Bach, Cesar Franck und Barbirolli, die meist für Oboe oder Querflöte mit Streicherbegleitung geschrieben worden waren. Während die Panflöte, dieses einfache und alte Hirteninstrument, die Solostimmen spielte, übernahm die Orgel die Rolle des ganzen Orchesters und zeigte sich als wahre Königin der Instrumente. Besonders die Darbietung des von Cesar Franck Ende des 19. Jahrhunderts für Klavier geschriebenen Prelude, Fuge et Variation Op.18 war hervorzuheben. Das Stück ist für Orgel und Panflöte transkribiert worden und hatte teilweise einen experimentell anmutenden Charakter. Die beiden Sätze kontrastierten miteinander und gehörten dennoch zusammen.

Filmmusiken wie der Soundtrack des Sydney Pollack-Streifens "Out of Africa" erklangen ebenfalls. Das Besondere an diesem Stück war, dass es auf dem 2. Satz von Mozarts Klarinettenkonzert basiert. Panflöte und Orgel sprachen förmlich miteinander, der große Melodiebogen der Panflöte machte eine weite, offene Landschaft förmlich greifbar. Im letzten Teil des Konzertes improvisierten die Musiker Melodien im rumänischen Stil, wie der Programmzettel verriet. Matthias Keller schuf die klangliche Grundlage, Ullrich Herkenhoff spielte klagende Klezmer-Musik ebenso wie fröhlich-tänzerische Passagen. Selbst eine schnaufende Eisenbahn imitierte der Panflötist täuschend echt.

Herkenhoffs Musizierfreude und die Leistung beider Musiker während des gesamten Konzertes in der Johanneskirche ließen die Zuhörer ausgiebig Beifall klatschen. Die Veranstaltung endete mit zwei Zugaben.