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Ovationen vor Luftschlangen-Vorhang

Mit Fontänen und einem Vorhang aus Luftschlangen haben die Techniker der Lausitzhalle Publikum und Musiker überrascht.
Mit Fontänen und einem Vorhang aus Luftschlangen haben die Techniker der Lausitzhalle Publikum und Musiker überrascht. FOTO: uhz1
Hoyerswerda. Die Mitglieder des Hoyerswerdaer Sinfonischen Orchesters, die längst nicht mehr alle in der Stadt zu Hause sind, haben das traditionelle Silvesterkonzert in der Lausitzhalle für mehr als 800 Gäste zu einem kulturvollen Jahresausklang werden lassen. Die etwa 70 Musiker spielten zum 33. Konzert auf, das zum zweiten Mal von Dirigentin Eva Meitner geleitet wurde. Ulrike Herzger / uhz1

Als unterhaltsamen Einstieg für ihr Publikum hatten die Sinfoniker die Ouvertüre zur Operette "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß gewählt. Die Gäste wurden danach auch von Friedhart Vogel herzlich willkommen geheißen. Wie immer sorgte der gewohnt bestgelaunte Stamm-Moderator für den einen oder anderen Spaß, unterstrich mit Charme die Passagen, die es verdient hatten, und gab parallel dazu auch so manch musikgeschichtliche Ergänzung weiter.

Besonders freute er sich, dass mit der Leipziger Sopranistin Amrei Rebekka Beuerle sowie dem Dresdener Bariton Jörg Hempel wieder zwei Gesangsolisten mit von der Partie waren. Mit ihren glanzvollen Auftritten, ganz besonders mit ihrem gemeinsam abschließenden Duett "Joseph, ach Joseph" aus der Operette "Madame Pompadour" von Leo Fall, konnten die beiden Künstler das Publikum sehr überzeugen. Ebenso erwähnenswert sind "Da geh ich zu Maxim" (Jörg Hempel), die Auftrittsarie des Danilo aus der Operette "Die lustige Witwe" von Franz Lehar, das Lied des Ollendorf "Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst" aus "Der Bettelstudent" von Carl Millöcker oder auch "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" (Amrei Rebekka Beuerle) aus der Operette "Der Favorit" von Robert Stolz sowie "Höre ich Zigeunergeigen", das Lied der Gräfin aus der Operette "Gräfin Mariza" von Emmerich Kálmán. Die Zuhörerschaft zeigte sich hierbei ebenso wie bei den reinen Orchesterbeiträgen während der Zweistundenveranstaltung sehr applausfreudig.

Uraufführung

Darunter war auch die gut angenommene Uraufführung des "Hoyerswerd'schen Marsches". Er stammt aus der Feder des 23-jährigen Lars Engeln, der an der TU Dresden Mediengestaltung studiert. Bei dem Stück hatte er auf Wunsch des Sinfonischen Orchesters auch einen Harfenpart eingebaut. Und Friedhart Vogel wusste in seiner Anmoderation sogleich beizutragen, dass die Harfe das Instrument des Jahres 2016 sei.

Gedenken an Lutz Michlenz

Mit dem Walzer "Dorfschwalben aus Österreich" von Josef Strauß erinnerten die Sinfoniker in ehrendem Gedenken an ihren langjährigen musikalischen Leiter Lutz Michlenz , der dieses Stück besonders liebte und der mit ihnen gemeinsam 31 glanzvolle Silvesterkonzerte in der Lausitzhalle gestaltet hatte. Lutz Michlenz war am 2. Juni 2016 verstorben. "Wir waren bei der bewegenden Trauerfeier am 7. Juni in seinem Heimatort Schleife dabei", erfuhren die Gäste von Friedhart Vogel. Dieser würdigte Lutz Michlenz als Mitbegründer des Hoyerswerdaer Orchesters und für sein uneingeschränktes Engagement wie Einfühlungsvermögen, weil es ohne ihn das Sinfonische Orchester nicht so gegeben hätte. Er habe es verstanden, so für die Musik zu begeistern, dass viele zur Stange hielten, obwohl sie inzwischen nicht mehr in Hoyerswerda wohnen. So hätten die Mitglieder mit dazu beitrugen, dass sich das Orchester in Hoyerswerda und über die Grenzen der Stadt hinaus seit Jahrzehnten zu einem anerkannten Laienorchester etabliert habe.

Mit der schnellen Polka "Ohne Sorgen" von Josef Strauß setzten die Sinfoniker das eigentliche Programmende. Und Friedhart Vogel gab nicht nur dem Publikum, sondern auch den Ehrengästen wie Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) den gut gemeinten Rat mit auf den Weg, es künftig mal wie die Musiker in diesem Stück zu machen und die Sorgen einfach wegzulachen.

Gut lachen hatten dann alle auf und vor der Bühne nochmals gemeinsam, als der "Radetzky Marsch" von Johann Strauß (Vater) und die Polka "Auf Ferienreisen" von Josef Strauß für euphorische Zugaben bei stehendem Applaus sorgten. Umrahmt wurden Musik und Beifall von Fontänen und einem Vorhang aus Luftschlangen, der über die Bühne fiel.