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| 01:05 Uhr

Orgel bald mit „voller Stimme“

Hoyerswerda.. Die Orgel gilt nicht umsonst als Königin der Instrumente. „Sie kann lachen und weinen, ausgelassen jauchzen oder trauernd klagen“ , sagt Joseph Hoffmann, der Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde „Zur heiligen Familie“ in Hoyerswerda. Im Blick hat er „seine“ Jehmlich-Orgel. Zum 50. Mal jährte sich am Sonnabend der Tag, an dem sie im Gotteshaus Klangpremiere hatte. Von Uwe Menschner

Gute Dienste verrichtet das in der berühmten Dresdener Werkstatt hergestellte Instrument. Mit einem Dan keskonzert wurde die Orgel am Sonnabend gefeiert. Dem Laien fällt nicht auf, dass ihr Klang derzeit zwar auch rein und klar, aber nicht komplett ist.

Das Rückpositiv fehlt
„Der Hoyerswerdaer Orgel fehlt noch immer das so genannte 'Rückpositiv', das erst dafür sorgt, dass der Klang optimal wahrgenommen wird“ , erläutert Horst Jehmlich, Geschäftsführer des Unternehmens, das das Instrument erbaut hat. Das Rückpositiv „strahlt“ die Töne direkt in den Kirchenraum. Ohne verliere sich ein Teil der möglichen Klangfülle im Gewölbe unter dem Kirchendach, weiß der Experte. In den ursprünglichen Bauplänen sei es zwar enthalten gewesen. Wahrscheinlich aber konnte es aus Geldmangel nicht ausgeführt werden, vermutet der Chef der Jehmlich Orgelbau GmbH Dresden. „Es ist schon bemerkenswert genug, dass die Hoyerswerdaer Katholiken im Jahre 1953 die Kraft aufbrachten, eine solch hervorragende Orgel in Auftrag zu geben“ , würdigt Pfarrer Joseph Hoffmann das Engagement der Mitglieder seiner Kirchengemeinde.

Spendenaktion läuft
Jetzt jedoch, wo das Instrument 50 Jahre auf dem Buckel habe, scheine aber die Zeit gekommen, den alten Makel auszumerzen, meint er. Und so hat die Kirchgemeinde eine Spendenaktion initiiert, um das Rückpositiv zu beschaffen. Mit rund 50 000 Euro werden die Kosten dafür in einer Dokumentation, die im Kirchengebäude ausgestellt ist, beziffert.
Horst Jehmlich fühlt sich dem Instrument, das seine Vorgänger einst für Hoyerswerda schufen, verbunden. „Auch wenn es noch Zukunftsmusik ist, man sollte daran denken, dem Instrument jetzt endlich die Vollendung zu schenken“ , sagt er. Was selbst aus der halb fertigen Orgel an Tönen hervorzulocken ist, belegt Jehmlich im Anschluss an seine kurze Einführung selbst. Bewegt verfolgen die Besucher, wie er einige der möglichen Klangkombinationen zeigt. Alle Register zu ziehen, war ihm jedoch nicht möglich. „Wollte man alle möglichen Kombinationen nur kurz anspielen, bräuchte man dafür mehr als ein Jahr“ , erläutert der Baumeister. Da allerdings weit weniger Zeit ist, übergibt Jehmlich nach seiner Demonstration an Kirchenmusikdirektor Thomas Sayda aus Görlitz, der das Festkonzert gibt. Die Besucher danken mit Applaus - dem Künstler und der „Königin“ von Hoyerswerda.