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Offen für die Jugend und die Musik

Kirchenvorstand Peter Scholze (l.) verabschiedet Pfarrer Mercin Delenk (r.).
Kirchenvorstand Peter Scholze (l.) verabschiedet Pfarrer Mercin Delenk (r.). FOTO: Martin Kliemank/mka1
Wittichenau. Die katholische Pfarrgemeinde hat am Sonntag den Seelsorger für den sorbischen Teil der Gemeinde verabschiedet. Pfarrer Mercin Delenk verlässt die Gemeinde Ende des Monats und wird ab September in Crostwitz arbeiten. Martin Kliemank / mka1

"Dass ein Wechsel in diesem Jahr bevorstünde, war mir vor etwa einem halben Jahr angekündigt worden", erklärt Pfarrer Delenk. Wohin ihn sein Priesterdienst als Nächstes führen würde, erfuhr aber auch er erst am Wochenende des Palmsonntags. "Freitag bekam ich den Anruf, dass der Bischof eine Entscheidung getroffen hat. Am Samstag dann die Nachricht, dass ich ab September in Crostwitz eingesetzt werde."

Seit 2003 war Pfarrer Delenk für die sorbische Seelsorge in der Wittichenauer Pfarrei zuständig. Ein vergleichsweise langer Einsatz eines Priesters in einer Gemeinde. Der 52-Jährige sieht dankbar auf diese Zeit zurück: "Ich habe hier viele Erfahrungen machen dürfen, die mir viel bedeuten." Dazu zählt er, dass die Wittichenauer Katholiken ihren Glauben nicht nur zu Ostern und Weihnachten leben: "Hier werden das ganze Kirchenjahr über alle Feste mitgefeiert. Das hilft einem Priester sehr." Delenk habe aus diesem Glaubensleben der Gemeinde Kraft schöpfen können: "Mein tiefstes Erlebnis hatte ich zur sorbischen Leidensandacht am Karfreitag. Die Karwoche ist mit so vielen Vorbereitungen aufs Osterfest verbunden, da war ich am Karfreitag häufig kaputt, völlig alle. Dann am Abend in der Andacht zu sitzen, wo Leute aus der Gemeinde vorbeten, als Priester selbst zur Ruhe kommen, das war mir größte Kraftquelle."

Dass Delenk in Wittichenau einen aufreibenden Job haben würde, zeichnete sich schon mit dem Zuschnitt seiner Stelle ab: Seine Arbeitszeit sollte er nur zur Hälfte der Seelsorge in der Pfarrei in Wittichenau widmen. Daneben kümmerte er sich um die sorbische Jugend im Dekanat Bautzen. An einen sorbischen Pfarrer in Teilzeit, daran musste sich die Gemeinde erst gewöhnen: "Es war ein Einschnitt", sagt Benno Mroß. "Bei der Jugendarbeit hat sich vieles aufs Dekanat verlagert." Dort seien die Wittichenauer zuvor weniger präsent gewesen. Delenk habe die Pfarrjugend motiviert, sich dort einzubringen. "Wir haben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen, ob in der Jugend oder als Ministrantenhelfer", berichtet Johannes Polk. "Dabei hat Pfarrer Delenk uns nicht alleine gelassen, sondern mit Interesse begleitet." Die beiden Jugendlichen schätzen seine offene, mitunter spontane Art. "Mercin Delenk hat Talent, auf den letzten Moment noch was zu reißen", erzählen die Jugendlichen. "Er konnte schnell ein paar Jugendliche zusammentrommeln und eine Aktion einrühren." Den jungen Leuten wird auch in Erinnerung bleiben, dass Delenk die sorbische Sprache hochgehalten hat. "Er hat viel Wert darauf gelegt, dass wir untereinander Sorbisch sprechen - und zwar ordentlich, grammatikalisch korrekt", so Polk.

Auch beim Gesang des sorbischen Kirchenchores habe der Pfarrer auf eine saubere Aussprache geachtet, berichtet Chormitglied Christine Raab. Der Priester sang bei Auftritten des Chors außerhalb der Gottesdienste im Tenor mit. "Pfarrer Delenk liebt die sorbische Musik. Er hat uns Lieder übersetzt oder bei der Liedauswahl geholfen", erzählt Raab. Von seiner Leidenschaft für die Musik hat er auch andere anstecken können. So hat er die Gründung einer Kinder- und einer Jugendschola initiiert.

Sonja Rehor, Vorsitzende von "Bratrowstwo", dem Verein katholischer Sorben der Wittichenauer Pfarrgemeinde, rechnet Delenk als größten Verdienst an, das Selbstbewusstsein der sorbischen Gemeinde gestärkt zu haben: "Er hat den Stolz auf die Zweisprachigkeit unserer Gemeinde gefördert." Zu den gemeinsam gefeierten Hochfesten habe der Pfarrer beispielsweise Liedzettel zusammengestellt. "Die sorbischen Lieder sind dann auch von manchen Deutschen mitgesungen worden", berichtet Rehor. Das habe sie gefreut. Delenk habe es gut verstanden, einen Ausgleich zwischen den Interessen beider Gemeindeteile zu finden und im Kleinen Großes zu bewirken.