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Oberlausitzer Moorveilchen ziehen um

Naturwächter Peter Ulbrich an einem von zwei Umsiedlungsstandorten, an denen insgesamt 16 Moorveilchen gepflanzt wurden.
Naturwächter Peter Ulbrich an einem von zwei Umsiedlungsstandorten, an denen insgesamt 16 Moorveilchen gepflanzt wurden. FOTO: amz1
Kreba-Neudorf. Veilchen gelten als Inbegriff des Frühlings. Dank ihres reizvollen Aussehens und vor allem wegen ihres Duftes sind die Frühlingsboten in vielen Gärten zu finden. amz1

Anders dagegen beim Moorveilchen: Diese Art ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht. Im ganzen Land gibt es lediglich noch rund 7000 Exemplare. Und die wachsen inmitten der Teichlausitz an einem feuchten Standort.

Es sind zu wenig, um die Art dauerhaft im Gebiet zu erhalten, befinden die Experten des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Daher sind bereits im Herbst mehrere Veilchen an zwei neue, benachbarte Standorte behutsam umgesetzt worden und das mit den entsprechenden Bodensubstraten. Inmitten einer Wiese wurden 50 mal 25 Zentimeter große Flächen dafür ausgestochen.

Das ehrgeizige Vorhaben scheint gelungen, wie die jetzigen Kontrollen ergeben haben. Die Veilchen präsentieren sich in sattem Grün. Manche haben bereits geblüht. Ob sie sich am neuen Standort tatsächlich auf Dauer halten, könne noch niemand sagen, erklärt Naturwächter Peter Ulbrich. "Die Pflanzen brauchen eine ganze Weile, bis sie sich wirklich gefestigt haben", weiß der Experte, der fast seit einem Vierteljahrhundert für das Reservat tätig ist. Hinzu komme, dass sie besipielsweise von Brombeeren überwuchert werden könnten, die den zarten Veilchen das Licht nehmen. Und Rehen scheinen die Blüten besonders gut zu schmecken. Zumindest finden sich inmitten der Neupflanzungen mehrere Trittsiegel dieser Tiere.

Die Wiese, auf der die Moorveilchen neu angesiedelt wurden, wird von Bauer Steffen Ladusch aus Kreba-Neudorf bewirtschaftet. Er mäht die Fläche, auf der auch Orchideen wachsen, erst um den 15. Juli, erklärt er. Über die beiden neuen Moorveilchen-Standorte würden die Mähwerke schon deshalb nicht fahren können, da sie ganz am Rand liegen. Wichtig sei, für einen konstanten Wasserstand zu sorgen, erklärt Peter Ulbrich. Zudem dürfe sich das Nährstoffangebot nicht verändern.

In den vergangenen Jahrzehnten sind andernorts in der Oberlausitz mehrere Vorkommen des Moorveilchens erloschen, etwa am Rothstein zwischen Löbau und Görlitz. Die konkreten Ursachen könne kaum jemand benennen. Vielleicht seien landwirtschaftliche Meliorationen mitverantwortlich, vielleicht auch konkurrenzstärkere Pflanzen oder Düngung oder auch die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen. Und bei einem alten Moorveilchen-Standort bei Kreba-Neudorf nutzte ausgerechnet diesen über längere Zeit ein Fischotter für seinen Ausstieg aus dem Wasser. So mussten die Veilchen den Kürzeren ziehen.