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Klinik
Oberlausitz-Kliniken zentralisieren Frauenmedizin

Der vor zwei Jahren eingeweihte dritte Bauabschnitt des Bautzener Krankenhauses soll die zentralisierte Kinder- und Frauenklinik der Oberlausitz-Kliniken beherbergen.
Der vor zwei Jahren eingeweihte dritte Bauabschnitt des Bautzener Krankenhauses soll die zentralisierte Kinder- und Frauenklinik der Oberlausitz-Kliniken beherbergen. FOTO: Uwe Menschner / Menschner Uwe
Bautzen/Bischofswerda. Die bisherigen Kliniken in Bautzen und Bischofswerda werden in der Kreisstadt zusammengefasst. Bischofswerda fühlt sich ein weiteres Mal abgehängt. Von Uwe Menschner

Die Oberlausitz-Kliniken GmbH (OLK) vereinigt ihre Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin sowie für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhausstandort Bautzen. „Der vor zwei Jahren in Betrieb genommene dritte Bauabschnitt am Krankenhaus Bautzen bietet dafür ideale räumliche und strukturelle Voraussetzungen“, erklärt der Geschäftsführer der OLK, Reiner E. Rogowski.

Allerdings ist mit diesem Schritt der Rückzug der Frauen- und Geburtsklinik vom Standort Bischofswerda verbunden, was heftige Reaktionen auslöst: „Nach der Schließung vieler anderer kreiseigener Einrichtungen in unserer Stadt ist dies ein weiterer Nackenschlag, den wir aber nicht hinnehmen werden“, kündigt Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) an. „Bischofswerda darf als Pfeiler der regionalen Entwicklung nicht noch weiter in die Bedeutungslosigkeit getrieben werden.“ Er, so Große, wolle „alle politischen Mittel und Ebenen nutzen, um für die Zukunft der Geburtenstation und unseres Krankenhauses zu kämpfen“.

Diese ist laut Reiner E. Rogowski allerdings gar nicht in Gefahr. „Es ist keineswegs unsere Absicht, den Standort Bischofswerda zu schwächen.“ Er solle sich „im besten Sinne zu einem Medizinischen Zentrum entwickeln. Rettungsdienst, Nierenzentrum, Kurzzeitpflege, die ambulante Rehabilitation sowie Praxen im Haus und in der Umgebung ergänzen das Angebot des eigentlichen Krankenhauses“, wie der Geschäftsführer betont. Schwerpunkt soll neben der Viszeralchirurgie (Chirurgie des Bauchraums) und der Inneren Medizin künftig auf der Orthopädie liegen. Ab 2018 sei darüber hinaus die stationäre Behandlung von Schmerzpatienten vorgesehen.

Den Vorwurf, die Oberlausitz-Kliniken würden mit der Schließung der Frauen- und Geburtsklinik zum Niedergang der Stadt Bischofswerda beitragen, weist Reiner E. Rogowski entschieden zurück. „Wohl kaum jemand anderes hat in den letzten Jahren so viel für die Lebensqualität in Bischofswerda geleistet wie wir“, unterstreicht er und verweist unter anderem „auf die zahlreichen Arztpraxen, die ohne unser Engagement nicht mehr existieren würden.“ Über ihre Tochterfirma MVZO übernimmt die OLK seit Jahren brachfallende Arztpraxen im gesamten Landkreis Bautzen und besetzt sie mit bei ihr angestellten Medizinern, so auch wiederholt in Bischofswerda. In die frei werdenden Räumlichkeiten des Krankenhauses sollen ebenfalls Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen einziehen.

Es sei jedoch aufgrund der vorhandenen personellen Ressourcen nicht mehr möglich, Kliniken parallel in Bautzen und Bischofswerda zu betreiben: „Wir können von unseren Ärzten und Hebammen keine 24-Stunden-Dienste verlangen.“ Die Geburtenzahlen im Altkreis Bautzen seien in den letzten Jahren auf jährlich etwa 1300 gestiegen, auch für 2017 sei diese Zahl zu erwarten. Davon kommen etwa 900 Kinder in Bautzen und 400 in Bischofswerda zur Welt.

„Die ambulanten gynäkologischen Behandlungen im Rahmen einer geplanten Tagesklinik, die geburtsvorbereitenden Kurse und das beliebte Babyschwimmen werden fortgeführt“, versichert Rogowski.

Rückendeckung bekommt er vom zuständigen Geschäftsbereichsleiter im Landratsamt Bautzen, Mathias Bielich: „Niemand ist auf diese Entscheidung stolz, doch ihre Notwendigkeit hat sich schon seit Jahren abgezeichnet. Alle Beteiligten haben die Schließung so lange wie möglich herausgezögert, doch jetzt geht es wirklich nicht mehr anders.“