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| 12:10 Uhr

Lausitzer Wappentier wird rar
Nur noch neun Storchenpaare in und um Hoyerswerda

Hoske: Eines von neun Weißstorchpaaren in der Region Hoyerswerda brütet in Hoske.
Hoske: Eines von neun Weißstorchpaaren in der Region Hoyerswerda brütet in Hoske. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Zum ersten Mal seit zehn Jahren rutscht die Anzahl der Adebare in den einstelligen Bereich. Noch sieht der Storchenbeauftragte der Region aber keinen Grund zur Sorge. Von Sascha Klein

In den vergangenen Tagen ist Marko Zischewski viel mit dem Blick gen Himmel unterwegs gewesen. Denn nur so kann er erkennen, wie es um seine tierischen Lieblinge steht. Und wie und wo sie wohnen. Wonach er schaut: Weiß-schwarzes Gefieder und auffallend roter und langer Schnabel. Der Weißstorchbeauftragte für die Region Hoyerswerda hat Ende April bis Mitte Mai Jahr für Jahr eine feste Tour. Im Fokus: Welche Storchenhorste sind besetzt? Wo wird gebrütet? Wo sind noch Einzeltiere?

Auch 2018 hat er diese Tour über die Dörfer gemacht und festgestellt: So wenige Storchenpaare wie in diesem Jahr hat es in den vergangenen 13 Jahren nicht gegeben. Neunmal zwei Schnäbel im Nest hat Marko Zischewski, hauptamtlich bei der Vogelwarte in Neschwitz beschäftigt, in der Region Hoyerswerda gezählt. Die Brutplätze in Kotten, Saalau, Wittichenau (Brauerei), Hoske, Keula (Mast), Schwarzkollm, Wiednitz, Dörgenhausen und Steinitz sind besetzt. Besonders storchenreich ist traditionell die Stadt Wittichenau mit ihren Ortsteilen. Aber generell herrscht Flaute bei den Störchen in der Region – jetzt schon das zweite Jahr in Folge. Im vergangenen Jahr waren es immerhin noch zehn Brutpaare. Doch auch das war schon ein Tiefschlag.

Marko Zischewski lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen: „Ich bin eigentlich immer optimistisch“, sagt er. Zwei schlechte Jahre seien noch kein Problem. Allerdings könne auch er nicht erkennen, weshalb es in diesem Jahr so wenige Storchenpaare in der Region sind. Es gebe immer wieder einmal schlechte Jahre, sagt er. Der Fachmann spricht von „Störjahren“, wenn die Störche womöglich erst spät aus ihren Winterquartieren kommen, sich in der Region aufhalten, aber nicht mehr brüten. „Auch schwere Regenschauer schlagen bei geringer Population besonders rein“, sagt Marko Zischewski. Dann kann es vorkommen, dass zwar eigentlich genügend Nachwuchs da ist, dieser es aber aufgrund von Kälte oder Nässe trotzdem nicht schafft.

Das große Problem, nicht nur in der Region Hoyerswerda, ist oftmals jedoch die Futtersuche. Frösche, Mäuse, Regenwürmer – all das fressen Störche. Doch die Alt-Tiere finden auf vielen landwirtschaftlich genutzen Flächen nicht mehr genug Nahrung für sich und den Nachwuchs. „Früher hatte man vor allem an den Dorfrändern noch eine reich strukturierte Nutzung der Felder“, sagt Zischewski. „Es gab viele verschiedene Kulturen zu verschiedenen Zeiten.“ So hatten die Störche einen reich gedeckten Tisch und konnten sich über Frühjahr, Sommer und Herbst bedienen. „Zudem wurde früher gestaffelt gemäht“, sagt der Weißstorchbeauftragte. Das bedeutet: Nach und nach konnte der Storch die kurzen Grasflächen zur Jagd nutzen. „Heute ist es oft so, dass große Flächen in ganz kurzer Zeit gemäht werden“, sagt Zischewski. Dann hätten die Störche über eine ganz kurze Zeit ein Nahrungs-Überangebot – anschließend jedoch über längere Zeit sehr wenig.

Einen großen Anteil daran trägt die moderne Landwirtschaft. „Es wäre leicht, jetzt auf die Landwirtschaft draufzuhauen“, sagt Marko Zischewski. Er würde das Problem eher von einer anderen Seite angehen. „Viele Bauern sind von Fördermitteln abhängig. Danach bestellen sie die Felder. Man müsste dort ansetzen und die Förderpolitik ändern“, betont er.

Dem Weißstorch in der Region würde es zugute kommen, wenn sich an den Rahmenbedingungen etwas ändert. Allerdings sind die Rotschnäbel in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten auch so relativ gut zurechtgekommen, wie ein Blick in Zischewskis Statistik zeigt. Zwischen den Jahren 2006 und 2016 hat es jeweils konstant mehr als 13 Storchenpaare in der Region Hoyerswerda gegeben. Im Jahr 2016 hat der Storchenexperte sogar 16 Paare auf dem Zettel gehabt – und der Glaube, dass sich jetzt etwas verbessert. „Da habe ich wirklich Hoffnung gehabt, dass es mit den Paaren längerfristig nach oben geht“, sagt er. „Der Trend der vergangenen zwei Jahre hat die Hoffnung aber zerstreut.“

Die Hoffnung auf mehr Weißstörche und Storchennachwuchs im Altkreis Hoyerswerda aufgeben wird Marko Zischewski definitiv nicht. Er hofft auf einen nicht zu heißen Sommer und darauf, dass es möglichst wenige Starkregen-Tage gibt, die dem Storchen-Nachwuchs zu schaffen machen. Denn: In den nächsten Tagen könnten die ersten Jungen des Jahrgangs 2018 schlüpfen.