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Nur die Schuhe bleiben beim Sprung ins Kalte an

Die sechs Mutigen haben den Sprung in die Elster gewagt.
Die sechs Mutigen haben den Sprung in die Elster gewagt. FOTO: amz1
Neuwiese. Sechs Männer haben sich am Neujahrsmorgen in das fünf Grad kalte Wasser der Schwarzen Elster bei Neuwiese gewagt. Die fünf Neuwieser und ein Nardter hielten es zwar nur wenige Minuten im nassen Element aus. amz1

Doch sie würden es immer wieder tun, versichern sie.

Christian Bether ist auf den Geschmack gekommen. Nach einer längeren Pause will es der 37-jährige Neuwieser mal wieder wagen. Und zwar ein Bad in der Schwarzen Elster, die als Kanal sein Heimatdorf nördlich umströmt. "Bloß nicht überlegen, einfach reingehen", lautet sein Motto. Sagt's und steigt mit fünf weiteren Mutigen in die Fluten.

Allerdings sei der Fluss an dieser Stelle zwischen den beiden Neuwieser Elsterbrücken zum Ärger der Eisbader relativ flach. Gerade mal zu den Knien reiche das Wasser. Früher, als es noch die beiden Wehre gab, sollen die Badenden zumindest bis zum Bauchnabel im nassen Element verschwunden sein.

Als Christian Bether wenige Minuten später aus der Elster steigt, fühlt sich der Bergmann "hervorragend, fast wie neugeboren." Im Wasser habe er eigentlich kein Körperteil gespürt, jetzt kehre die Wärme zurück. In den Füßen kribbele es ein wenig, ansonsten sei alles in Ordnung.

Die anderen Eisbader pflichten dem 37-Jährigen bei. Manche steigen sogar ohne Badehose ins Wasser. Doch eines haben sie gemeinsam: "Die Schuhe bleiben definitiv an", erklärt Detlef Jödicke. "Auf dem Grund der Elster liegen viele, teils spitze Steine. Dort barfuß reinzugehen, wäre überhaupt keine gute Idee."

Früher sei das ganz anders gewesen, erinnert sich Manfred Fabian. Der Neuwieser erzählt, dass vor vielen Jahrzehnten die Einheimischen im Sommer nach getaner Arbeit gern in den Fluss gesprungen seien. Das funktioniere aufgrund des Ausbaus des Flussbettes nun nicht mehr.

Das Neuwieser Eisbaden gibt es indes schon seit der politischen Wende. In der Silvesternacht 1989, so heißt es im Dorf, sei in feucht-fröhlicher Runde die Idee entstanden, am Neujahrsmorgen die neue Zeit in der Schwarzen Elster zu begrüßen. Gesagt, getan: Um die zehn Leute fanden sich zusammen, die den entsprechenden Mut aufbrachten. Manche von ihnen sind heute noch dabei. Manfred Fabian fungiert dabei schon immer als Gastgeber. Denn nach dem Bad geht es in seinen als Partyraum umgebauten Schweinestall. Dort können sich die Eisbader mit heißen Getränken aufwärmen. Und in der nicht weit entfernten Mühle wird anschließend der traditionelle Neujahrshering serviert. Manfred Fabian indes erklärt, dass er selbst nie in das eiskalte Wasser steigen würde: "Nicht für 100 Euro."

Dabei sind zum Jahresbeginn 2017 die Bedingungen optimal. Die Lufttemperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt, zudem scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Da habe es auch schon andere Jahre gegeben. Der bisherige Rekord stamme vom Neujahrstag 1997. Bei minus 17 Grad musste vor 20 Jahren zunächst ein Loch in den zugefrorenen Fluss gehackt werden. "Als wir dann aus dem Wasser kamen, sah es aus, als würden wir überall am Körper bluten. Zumindest hatten sich unzählige rote Punkte gebildet", erinnert sich der langjährige Eisbader Egbert Petrick. Diesmal hingegen sind alle Mutigen unversehrt. Nach dem Bad bleibt noch Zeit zum Scherzen. Einer fragt sogar nach Sonnencreme. Doch an die hat an nun wirklich keiner gedacht.