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| 02:47 Uhr

Nur das Taubenhaus fehlt noch

Inzwischen wächst auf dem Partwitzer Ganzhufengut mittlerweile die vierte Generation heran: Acht Monate zählt Paula Nawka, die Tochter von Katja Nawka (r.), hier mit Schwester Anja Vogt.
Inzwischen wächst auf dem Partwitzer Ganzhufengut mittlerweile die vierte Generation heran: Acht Monate zählt Paula Nawka, die Tochter von Katja Nawka (r.), hier mit Schwester Anja Vogt. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Partwitz. Das Lausitzer Seenland verändert stetig sein Antlitz. Bergbausanierung und Seenflutung sorgen für neue Landschaften. Anders dagegen in den kleinen Dörfern. Der Geist der "guten alten Zeit" ist dort mancherorts noch spürbar. Beispielsweise im Partwitzer "Ganzhufengut". Torsten Richter-Zippack / trt1

Klein Partwitz ist ein Dorf der Gegensätze. Auf der einen Seite steht die rasante Entwicklung am Partwitzer See mit schwimmendem Haus, Jetbootzentrum und Seglerareal. Doch wer in der Lindenstraße im historischen Ortskern unterwegs ist, fühlt sich in eine ganz andere Zeit versetzt. Die durchaus den Charme einer "heilen Welt" besitzt. Vierseithof reiht sich an Vierseithof. Prächtige Klinkerfassaden prägen die stattlichen Anwesen, in denen teilweise bis heute die Bauernfamilien lebten. Beispielsweise in der Lindenallee Nummer 13. "Familie Vogt" steht dort an der Eingangstür. Die Vogts sind allerdings keine alteingesessenen Partwitzer. Erst seit dem Frühjahr 1999 leben sie auf dem imposanten Vierseitenhof, den sie als "Ganzhufengut" bezeichnen. Eine Hufe beschreibt ein altes Flächenmaß, das im sächsischen Raum rund zwölf Hektar entspricht. Ganz so groß präsentiert sich das Anwesen zwar nicht, dafür aber architektonisch harmonisch abgeschlossen.

Vom Ende der 1990er-Jahre bis 2006 hat die ursprünglich als Bergen stammende Familie das Ensemble durchweg saniert. "Es befand sich in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand", erinnert sich Norbert Vogt. Kein Wunder, war die letzte Bewohnerin, Oma Wentzko, bereits im Jahr 1966 ausgezogen. Bis zur Wende nutzte dann die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) den Hof vorwiegend als Lager. Nach der Wende wurde das Anwesen an die Erbengemeinschaft übertragen. "Ich kannte es bereits aus LPG-Zeiten", sagt Norbert Vogt. Und als die Familie Mitte der 1990er-Jahre mithilfe des Elsterheider Bürgermeisters Dietmar Koark einen leer stehenden Hof suchte, fiel die Wahl ziemlich schnell auf die Partwitzer Lindenallee 13. "Quasi Liebe auf den ersten Blick", sagt Vogt schmunzelnd.

Dann begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten. Aus der Scheune wurde das Wohnhaus. Die Schwiegereltern fanden im umgebauten Kuhstall ein neues Heim. Oberhalb des Schweinestalls entstanden Ferienwohnungen. Unten befindet sich dagegen die Sommerküche. Dort bereitet Tochter Anja Vogt das Futter für die zahlreichen Tiere zu. Ziegen, Hühner, Enten, Hasen und Katzen wollen versorgt sein. Und bis zum vergangenen Jahr auch ein Schwein. Ansonsten kümmere sich die 25-Jährige um das Wohl der Urlauber. Der alte Backofen existiert bis heute. "Eigner Herd ist Goldes wert" steht darüber geschrieben. Hin und wieder backen die Vogts ihre Brote selbst.

Bis zu 25 Feriengäste finden in den drei Wohnungen sowie einem Zimmer Platz. Überall ist Fachwerk präsent. Wie alt die mächtigen Kiefernbalken sind, vermag Norbert Vogt nicht zu sagen. "Der letzte Umbau des Hofes ist auf das Jahr 1887 datiert." Allerdings dürfte das Anwesen wesentlich älter sein. Möglicherweise reiche seine Geschichte bis in die Anfangszeit des Dorfes zurück. Im Jahr 2018 können die Klein Partwitzer die 450. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung ihres Dorfes feiern.

Zum Erhalt der alten Holzbalken greift Norbert Vogt auf Lausitzer Leinöl zurück. "Das wirkt wie eine Lasur. Zudem kommt die Maserung des Holzes besser zur Geltung, und der Staub lässt sich besser entfernen." Verraten hätten ihm den Trick alteingesessene Partwitzer. Ohnehin die lieben Nachbarn: "Die Leute haben gemeinsam mit uns die alten Steine geputzt. Wir wurden sofort herzlich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen", erinnert sich Vogt. Das beweise nicht zuletzt die "Einbürgerungsurkunde" an der Wand.

Inzwischen scheint das "Ganzhufengut" sanierungstechnisch vollendet. Nun ja, nicht ganz. Denn ein wesentlicher Teil fehlt noch: das Taubenhaus. Die hölzerne Wohnstätte solle aber noch vor Frühjahrsbeginn aufgebaut werden. Die Tauben würden dann allerdings nicht die einzigen geflügelten Bewohner auf dem Hof sein. "Wir leben schon seit vielen Jahren mit Schwalben und Fledermäusen unter einem Dach", stellt Anja Vogt schmunzelnd klar. "Sie gehören einfach dazu."