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| 02:42 Uhr

(Nur) Acht Talente vertreten die Zuse-Stadt

Helene Vogel (l.) von der Musikschule Hoyerswerda und Lena Witke von der Kreismusikschule Bautzen bilden für den Wettbewerb ein Streicher-Duo. Am kommenden Sonntag stellen sich die Mädchen dem Wettbewerb bei "Jugend musiziert".
Helene Vogel (l.) von der Musikschule Hoyerswerda und Lena Witke von der Kreismusikschule Bautzen bilden für den Wettbewerb ein Streicher-Duo. Am kommenden Sonntag stellen sich die Mädchen dem Wettbewerb bei "Jugend musiziert". FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. In Hoyerswerda werden am kommenden Wochenende wieder die besten Nachwuchsmusiker der Landkreise Bautzen und Görlitz um Punkte und Prädikate wetteifern. Mehr als 100 Musikschüler werden erwartet. Der diesjährige Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" geht mit dem Regionalausscheid in Hoyerswerda am 28./29. Januar in die erste Runde. Mandy Fürst / mft1

In seinem 54. Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" hat der Deutsche Musikrat als Veranstalter neun Kategorien ausgeschrieben. Bewertet werden davon am kommenden Wochenende in Hoyerswerda Solisten am Klavier, der Harfe und im Gesang sowie Streicher-, Holzbläser- und Blechbläser-Ensemble und junge Akkordeon-Kammermusiker. So bieten die öffentlichen und kostenfreien Vorspiele gerade Jungen und Mädchen auf der Suche nach dem richtigen Instrument Gelegenheit, einen Eindruck mit hoher Qualität zu bekommen. Denn die Kriterien der bundesweiten Ausschreibung sind anspruchsvoll und unumstößlich, wie Christiane Vogel betont. "Darum spielen im Wettbewerb nur die Besten", hebt die Organisatorin des Regionalwettbewerbes Sachsen/Lausitz hervor.

Die Teilnehmer sollen zeigen, was sie selbst können, und schauen, was die anderen so machen und wo sie im Vergleich dazu stehen. Die Erarbeitung der Programme erfordert einen hohen Zeitaufwand - auch von Lehrern und den Eltern, die ihre Kinder während der Vorbereitung viel öfter zum Unterricht, zur Probe mit der Klavierbegleitung oder auch zu den Übungsstunden der Ensemble fahren müssen.

Duo aus zwei Solistinnen

Dieser Herausforderung haben sich die Violinistinnen Helene Vogel und Lena Witke in besonderem Maße gestellt. Helene lernt an der Musikschule Hoyerswerda, Lena an der Kreismusikschule Bautzen. Während Lena in der vergangenen Woche zur gemeinsamen Musizierstunde nach Hoyerswerda anreiste, wird Helene am heutigen Montag zum Auftritt nach Bautzen fahren. Seit November treffen sich die Mädchen mindestens einmal pro Woche zum gemeinsamen Üben. Auf ihrem Wettbewerbsprogramm stehen eine Sonate von Jean-Marie Leclair und ein Duo für zwei Violinen von Charles de Beriot. Bei ihrer frischen Interpretation des bekannten "La Cucaracha" in einer Bearbeitung von Aleksey Igudesman haben die Teenager den zwei Dutzend Zuhörern der Musizierstunde auch so manches Schmunzeln entlockt.

Nur acht sind delegiert

Die Musikschule Hoyerswerda wird acht Teilnehmer in den Regionalwettbewerb schicken. In Relation zu 740 Schülerinnen und Schülern (inklusive Schulklassen) beziehungsweise etwa 30 Leistungsschülern, darunter fünf Landesförderschüler, mutet die Zahl eher gering an. Unabhängig vom Ergebnis sollten viel mehr Schüler und Lehrer den Wettbewerb in Anspruch nehmen, findet David Brand. Der heutige Leiter der Musikschule Hoyerswerda hatte selbst von 2001 bis 2005 an "Jugend musiziert" teilgenommen und war bei seinem Debüt mit einem zweiten und später mit vier ersten Bundespreisen ausgezeichnet worden. Wettbewerbe förderten Motivation und Persönlichkeitsentwicklung, sagt Brand. Sie würden Kinder und Jugendliche lehren, feste Ziele zu haben und sich dafür einzusetzen.

Das Prinzip des Leistungsvergleich ist demnach begründet, sollte jedoch auf die heutige Zeit übertragen werden. Das heißt für Brand, von Ansätzen wie "Wer spielt die schwersten Stücke am jüngsten, am besten und möglichst auswendig?" wegzukommen, um der Kreativität Raum zu geben. Auch er selbst war den festen Vorgaben gefolgt und hatte seine Sache gut gemacht. Dennoch habe er sich gefragt, was eigentlich danach kommt. Die jungen Leute sollten eigene Musik spielen, eigene Klangvorstellungen entwickeln und sie auch in Wettbewerb stellen können, findet David Brand. Musik sei heute so vielschichtig, dass sie nicht anregen sollte, von den Meistern zu lernen, sondern auch durch Kreativität bei sich selbst zu bleiben.

Leistungsspitzen werden kleiner

"Jugend musiziert" gebe zudem den Lehrern eine Plattform, Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen, sagt David Brand. Das Nachlassen der Leistungsspitzen sei eine bedenkliche Entwicklung an den Schulen in Deutschland. Um dem entgegenzuwirken, habe das Team der Musikschule sich für dieses Jahr die Aufgabe gestellt, "wieder etwas Festes zu installieren". Das könne ein großes eigenes Ensemble sein, das der Schule im Moment fehlt. Auch sei man mit Partnermusikschulen wie Görlitz und Bautzen im Gespräch. Die gemeinsamen Ideen aber seien bislang noch nicht spruchreif.

Etwa 110 Musiker und ihre Begleiter werden am Samstag und Sonntag in Hoyerswerda erwartet. Der Regionalwettbewerb bietet also auch dem Kultur- und Bildungsstandort Hoyerswerda wieder eine wichtige Bühne.

Zum Thema:
SonnabendHarfe - 12.30 bis 16 Uhr, Musikschule Hoy., Raum 009Gesang - 10 Uhr bis 16.10 Uhr, Aula des Lessing-GymnasiumsAkkordeon-Kammermusik - 12.30 bis 15.40 Uhr, Musikschule, Raum 103Holzbläser-Ensemble - 9.40 bis 11.30 Uhr, Musikschule, R. 009SonntagKlavier - 10.30 bis 15.20 Uhr, Musikschule, Raum 103Streicher-Ensemble - 12.30 Uhr bis 15.40 Uhr, Aula des Lessing-GymnasiumsBlechbläser-Ensemble - 10 Uhr bis 11.40 Uhr, Aula des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda