Die sorbischstämmige Konzertpianistin Heidemarie Wiesner spielte solistische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Gegenwart. Mit einem herrlich melodischen Stück von Korla Awgust Kocor, der zu den ersten Vertretern sorbisch-bürgerlicher Musik gehörte, eröffnete sie die Veranstaltung. Der Cottbuser Komponist Sebastian Elikowski-Winkler führte durch das Programm und stellte zunächst alte Wachswalzenaufnahmen einer sorbischen Gesangsgruppe vor. Diese historischen Werke seien ein Beleg dafür, dass die Kultur des kleinsten slawischen Volkes vor dem Verschwinden bewahrt werden müsse, so Elikowski-Winkler.

Heidemarie Wiesner spielte danach mehrere kürzlich wiederentdeckte Werke des Arztes und Autors Kurt Karnauke sowie der Komponisten Dieter Nowka und Bjarnat Krawc. Der Letztgenannte habe 1929 für das Fest der all slawischen Turnbewegung "Sokol" in Prag vier Stücke geschrieben, erzählte Elikowski-Winkler.

Damals hatte zu diesen Kompositionen eine von Heidemarie Wiesners Großvater trainierte Frauengruppe geturnt - und 86 Jahre später erklangen sie erstmals im Konzertsaal. Der Sokol-Verband half den Sorben ebenso wie ihre Musik dabei, ein Nationalbewusstsein zu entwickeln, sagte der Veranstaltungsmoderator.

Den Sorben Kurt Karnauke stellte Heidemarie Wiesner mit seinen Slovanske Tance op. 9 Nr. 2 und Nr. 6 vor. Diese "gut gemachte Salonmusik" hatte Elikowski-Winkler in einer Wiener Bibliothek wiederentdeckt, wie er erzählte.

Der 3. Satz der Sonatine op. 2 Nr. 1 des aus Weißwasser stammenden Heinz Roy musste hingegen nicht in den Archiven gesucht werden. Der 88-jährige Komponist hatte ihn der Konzertpianistin selbst übergeben und war bei der Aufführung anwesend. Er erzählte, er habe das Stück 1950, noch vor dem Beginn seines Musiklehrerstudium, geschrieben. Dafür bekam Heinz Roy von seinem Professor so viel Lob, dass er seine Studienzeit auf nur ein Jahr verkürzen konnte. Die Konzertbesucherin Yvette Michael fand für das Stück sofort den Begriff "Ohrwurm".

Am Ende der Veranstaltung ließen zwei weitere Uraufführungen die Zuhörer in die Zukunft der sorbischen Musik schauen. Jan Cyz hatte 2003 den Text von Hartmut Zielonka "An Bautzen" mit Klaviermusik unterlegt, was Heidemarie Wiesner vor neue Herausforderungen stellte. Sie spielte die Komposition ohne auf die Tasten zu schauen und sprach den Text zum Publikum gewandt.

Jan Cyz war zufrieden mit der Umsetzung seines Werkes, das "vor allem von der Balance lebt, die Text und Musik miteinander eingehen".

Elikowski-Winkler stellte sich mit einer elektronischen Komposition vor, die nur aus Klaviergeräuschen besteht. Dazu improvisierte Heidemarie Wiesner ungewöhnliche Klänge, indem sie die Seiten ihres Instruments anzupfte und auf das Holz klopfte.

Die Konzertreihe werde von der Sächsischen Staatskanzlei finanziell gefördert, sagte Elikowski-Winkler. Er dankt aber auch für die organisatorische Unterstützung an den Aufführungsorten. In Hoyerswerda hatte sie der Kunstverein übernommen .