ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:13 Uhr

Noch zu viele Fragen

Hoyerswerda / Lauta.. Der Streit um den Schimmel in einer sanierten Gartenstadt-Wohnung in Lauta ist noch immer nicht ausgestanden. Gestern hatte vor dem Hoyerswerdaer Amtsgericht der Gutachter das Wort. Die Bausubstanz, so seine Einschätzung, sei für das ungehemmte Wachstum des Pilzes nicht verantwortlich. Von Sven Hering

Fast zwei Jahre dauert nun schon die Auseinandersetzung um die grünen Flecken in der Gartenstadt-Wohnung. Mieterin Carola Friebel hatte, als der Schimmelbefall überhand nahm, damit angefangen, einen Großteil der Miete einzubehalten. Seitdem zahlt sie lediglich 30 Prozent der monatlich anfallenden Bruttokosten. 9000 Euro sind inzwischen aufgelaufen, die der Vermieter, die Treuhand-Immobilien GmbH (TLG), auf dem Klageweg erstreiten möchte. Weil, so auch gestern die Argumentation von Anwältin Kirsten Hahn, nicht der Vermieter, sondern die Mieterin den Schimmel zu verantworten habe.
Zu dieser Auffassung kam auch der Bautzener Sachverständige Christian Juhl, der im Auftrag des Gerichtes ein Gutachten erstellte. „Die Bausubstanz“ , so sein Ergebnis, „ist frei von Mängeln.“ Demzufolge werde der Schimmelpilzbefall durch mehrere Faktoren begünstigt, die die Mieterin zu beeinflussen habe. Mit Möbeln vollgestellte Wände sowie unzureichende Belüftung und Heizung würden die Ausbreitung des Schimmelpilzes fördern.
Doch mangelnde Fürsorge wollte sich Carola Friebel dann nicht vorwerfen lassen. Täglich werde mehrfach gelüftet, auch stünden die meisten Möbel mit deutlichem Abstand zu den Wänden, um eine Luftzirkulation zu ermöglichen. „Ich kann doch nicht alle meine Schränke mitten in den Raum stellen“ , beklagte sie sich. Den Vorwurf, dass nicht genügend geheizt werde, könnten die jährlichen Betriebskostenabrechnungen eindrucksvoll widerlegen, so die Lautaerin.
Das Urteil des Gerichtes freilich wird wohl ganz wesentlich von einem anderen Fakt abhängig sein. Denn Richter Mirko Krüger will sich nun, so betonte er, auf die Frage konzentrieren, ob der Vermieter nicht doch ein Versäumnis zu verantworten habe. Denn wie der Sachverständige erklärte, seien die Sanierungsarbeiten zwar nach den DIN-Vorschriften erfolgt, hätten allerdings die Wärmeschutzverordnung aus dem Jahr 1995, die inzwischen fortgeschrieben sei, kaum berücksichtigt. Wäre der Vermieter nun vom Gesetzgeber aber verpflichtet gewesen, die denkmalgeschützten Häuser mit einer Dämmung zu versehen, dann könnte die Bausubstanz als nicht mängelfrei angesehen werden, so die Argumentation der Friebel-Seite.
Am 31. Juli treffen sich die Parteien um 10 Uhr im Saal 4 des Hoyerswerdaer Amtsgerichtes wieder.