| 02:45 Uhr

Noch 900 Bücher aus dem Altbestand

Kamenz. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte, wurde 1666 in Kamenz eine Leihbücherei gegründet. Knapp 3000 Einwohner zählte die Stadt damals. dpa/pos

1931 zog die städtische Bücherei in das neuerbaute Lessinghaus ein.

"Mitten in der Weltwirtschaftskrise trafen die Stadträte wie einst eine richtungsweisende Entscheidung", so Bibliotheksleiterin Marion Kutter. Damals zogen auch die Bücher der Anfangsjahre, darunter theologische Schriften, medizinische Bücher, naturwissenschaftliche Arbeiten und Musikalien aus dem Altbestand der Bibliothek mit um. 5000 Bücher und Zeitschriften konnten sich die Kamenzer so damals ausleihen. Etwa 750 erwachsene Leser nutzten das Angebot, weiß Kutter.

Mutmaßungen kann die Bibliothekschefin nur darüber anstellen, ob Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781) eine der ältesten Bibliotheken in der Oberlausitz genutzt hat. Der bekannteste Kamenzer Sohn ging bis 1741 auf die Lateinschule. "Es ist gut möglich, dass er dort Bücher ausgeliehen hat", sagte Kutter.

Der Altbestand von rund 900 Büchern der Ursprungsbibliothek findet sich inzwischen im Stadtarchiv. "Trotz wechselvoller Geschichte konnten wir sie weitestgehend zusammenhalten", sagte Stadtarchivar Thomas Binder. Das älteste Buch dieser Sammlung ist ein Druck aus Nürnberg aus dem Jahr 1494.

Heute beherbergt die Kamenzer Lessingbibliothek auf 350 Quadratmetern 32 000 Titel vom Buch über Filme bis zu Spielen. Pro Jahr nutzen 2000 Kinder und Erwachsene die Kultureinrichtung. "Das sind zwölf Prozent der Bevölkerung - eine Querschnitt unserer Gesellschaft", sagt die Bibliotheksleiterin.

Die Gründung der Leihbücherei vor 350 Jahren ist für die Kamenzer ein Grund zum Feiern. Heute Abend veranstaltet die Bibliothek außerdem noch ein Poetry-Slam mit Autoren der Region. Außerdem gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Bibliothek im Lessinghaus.