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Nieskyer reist nach Äthiopien, um zu sehen, ob sein Projekt Früchte trägt

Christoph Schmidt überzeugte sich bei Hausbesuchen von der Entwicklung der Kinder, die ihm besonders ans Herz gewachsen waren.
Christoph Schmidt überzeugte sich bei Hausbesuchen von der Entwicklung der Kinder, die ihm besonders ans Herz gewachsen waren. FOTO: pr
Niesky. Sieben Jahre lang hat der Nieskyer Ergotherapeut Christoph Schmidt mit seiner Familie in Äthiopien gelebt und Entwicklungshilfe geleistet. Nach vier Jahren in der Heimat ist er für einen Monat nach Addis Abeba zurückgekehrt, um zu sehen, wie sich das von ihm betreute Projekt entwickelt hat. ume

Der Vortrag, mit dem Christoph Schmidt über seine neuerliche Reise nach Äthiopien berichtet, beginnt mit einem Video. Es ist aus der Vogelperspektive aufgenommen und zeigt eine moderne Großstadt, wie sie auch in Europa stehen könnte. Nur etwas ist anders: der Verkehr. Von allen Seiten kommen Fahrzeuge herangebraust.

Zwischendurch schlängeln sich Fußgänger. Der Crash scheint unvermeidlich, doch wie durch ein Wunder kommen die Beteiligten immer wieder gerade noch rechtzeitig zum Stehen. "Ja, Addis Abeba hat sich in den letzten vier Jahren stark verändert - insbesondere das moderne Stadtzentrum", berichtet Christoph Schmidt. "Hier sind auch viele neue Schulen entstanden, moderne Gebäude, in denen bis zu 50 in einer Klasse lernen."

Schnitt. Die Bilder zeigen jetzt eine andere Szenerie. Häuschen, aus Wellblech und Kunststoff errichtet, prägen die Außenbezirke von Addis Abeba. "Das sind die Viertel, aus denen die Kinder kommen, die wir in unserem Projekt betreut haben", erzählt der Nieskyer Ergotherapeut, der seinen Gastgebern den Plan für den Bau eines neuen Schulgebäudes hinterlassen hatte. Dieses steht mittlerweile - so wie von Christoph Schmidt projektiert - und eröffnet dem Schulprojekt für geistig behinderte Kinder, für das der Nieskyer sieben Jahre gearbeitet hat, ganz neue Möglichkeiten in der Betreuung seiner Zöglinge.

Von der Patentante angeregt

Christoph Schmidt ist jedoch nicht allein nach Äthiopien gereist, sondern in Begleitung seiner Patentante Doris Bornhäuser. Sie war es, die das Schulprojekt vor mehr als 40 Jahren ins Leben gerufen hatte. Durch sie war ihr Patenneffe auch auf das Stellenangebot aufmerksam geworden: Ein "Handwerksmeister mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation" wurde gesucht. "Das traf ziemlich genau auf mich zu", erinnert sich der gelernte Tischler, der zuvor in der Behindertenwerkstatt des Martinshofes gearbeitet hatte und zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war. Schmidt war der letzte Europäer, der als Berater für das Projekt arbeitete, bevor es komplett in einheimische Hände gelegt wurde. Entsprechend groß war die Spannung, was nun daraus geworden ist.

Elektriker dringend gesucht

Das Fazit ist positiv. "Das Projekt hat sich weiter entwickelt. Gut ausgebildete und motivierte Lehrerinnen kümmern sich um die Kinder. Die Schule wird im Geiste derjenigen, die ihre Gründung initiiert haben, fortgeführt." Allerdings bleibt der Eindruck nicht gänzlich ohne Zwiespalt. "Die Arbeit wird von vielen technischen Mängeln begleitet, über die man sich mit Provisorien hinweghilft - obwohl vieles relativ einfach und auch nachhaltig zu beheben wäre." Bei der Lösung mancher Probleme konnte Christoph Schmidt - auch dank des mitgebrachten Werkzeuges - helfen, aber nicht bei allen: "Dort müsste dringend ein Elektriker hin."

Auch die Biogasanlage, die zur Energieversorgung der Schule beiträgt, blieb lange Zeit ungepflegt und musste dann in einer Hau-Ruck-Aktion gereinigt werden. "Darüber habe ich mich geärgert", wie Christoph Schmidt bekennt.

Gefreut hingegen hat er sich über seinen Nachfolger in der Tischlerei, Daniel - einen Einheimischen, zu dessen Gehalt der Nieskyer Eine-Welt-Laden beiträgt und der zur "guten Seele" des Projektes herangewachsen ist.

Einzelne Kinder, die Christoph Schmidt besonders ans Herz gewachsen waren, besuchte er auch zuhause und fand junge Menschen, die ein ganz anderes Selbstbewusstsein entwickelt hatten, als dies ohne die Betreuung im Schulprojekt möglich gewesen wäre.