Skepsis ist gewichenWar Anfang der Neunzigerjahre die Skepsis in Kirchenkreisen groß, so ist sie jetzt einer positiven Sicht auf die Dinge gewichen. "Man merkt schon, dass der religiöse Analphabetismus zurückgeht", meint Superintendent Heinrich Koch. Wie in anderen Fächern auch steht und fällt der Unterricht natürlich mit dem Lehrer - in Religion wie im Ersatzfach Ethik. "Denn religiöse Fragen sind auch immer existenzielle Fragen. Vor allem in den höheren Klassen reiben sich da die Schüler in der Diskussion gern an den Aussagen ihrer Lehrer, um ihren eigenen Standpunkt, ihr eigenes Weltbild zu bekommen." Koch würde es für gut heißen, wenn der Religionsunterricht vor allem von kirchlichen Lehrern gegeben werden würde: Denn wenn er, Koch, jemandem den Islam nahebringen solle, könne er dies zwar tun, doch nicht mit jener Tiefe und Kenntnis, wie es ein Muslim könne, begründet Koch diesen seinen Gedankengang. Auf der Kreissynode fand zudem Beachtung, dass der Religionsunterricht im Bereich des Kirchenkreises nicht an allen Schulen durchgeführt wird. An den Gymnasien, so Koch, klappe das hervorragend, auch an einigen Grundschulen. An anderen gibt es nicht einen Religionsschüler. Was man sich auf der Synode nur so erklären konnte, dass Schüler und Eltern nicht tatsächlich eine Wahl haben. Zum einen gebe es Formfehler bei den Anmeldungen, wie Koch weiß. Das Ankreuzen von "Religion" bedeute nicht automatisch die Wahl des Unterrichts. Zudem ist die Entscheidung für den Religionsunterricht damit verbunden, dass er zuweilen nicht direkt an den Schulen angeboten wird, sondern die Schüler fahren müssten. Was die Entscheidung für den Ethik-Unterricht, speziell bei Grundschülern, erleichtere - und ein Wechsel zum Religionsunterricht finde dann später in aller Regel nicht mehr statt. no